Die 55-jährige Jutta Walter aus Erlangen, die extra wegen Ortung VII nach Schwabach gekommen ist und ganz überrascht ist, was die Stadt auch sonst so alles zu bieten hat, beugt sich über das massive Stahlgeländer des Höllsteges und versucht, eines der 50 güldenen Metallplättchen zu fangen, die an den herabhängenden Zweigen der Trauerweide baumeln.
Bastus Trump hat diese Metallgebilde dort an dünnen Kabeln hineingehängt, denn in ihnen sind winzige Lautsprecher verpackt: „Piezo-Lautsprecher“, erklärt Bastus Trump, sind an sich kleine Kupferplatten, die keine tieferen Töne wiedergeben können, sondern eher metallisch klingen. Über zwei Mikrofone, die er in der Schwabach versenkt hat, machen sie erlebbar, was sich im Fluss, also unter Wasser, abspielt.
Für Jutta Walter war Kunst bisher eher etwas Visuelles: Statuen, Bilder, Keramiken. Okay, da gibt es auch noch die Musik, den Tanz oder die Artistik, das Theater. Aber einfach Geräusche?
Die Frage soll an Bastus Trump gestellt werden: Wie kommt Mensch auf die Idee, Geräusche und Klänge als Kunst zu bezeichnen, zu Kunst zu machen? Dem 27-Jährigen, der 2003 am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium in Schwabach sein Abitur gebaut hat, wurde erstmals während seines Studiums an der Musikhochschule Nürnberg so richtig bewusst, dass sein Spiel auf dem Saxofon nicht alles ist. Dass zu den Klängen des Instrumentes sich auch andere Geräusche mischen und dadurch etwas Ganzes entsteht.
„Da passiert ganz viel, und man kann mit Klängen arbeiten“, sagt er. Das faszinierte ihn, und so studierte er an der Universität der Künste in Berlin auch noch „Sound Studies“. „Alles was mit Klang zu tun hat“, erklärt Trump, der dort im Rahmen seiner Master-Arbeit auch das „Orphion“ erfunden und entwickelt hat, ein neuartiges Percussion-Instrument, das auf iPad und iPhone portiert werden soll (siehe www.orphion.de).
„Mit Geräuschen künstlerisch umzugehen — das ist noch nicht so bekannt“, weiß der junge Schwabacher. Begeistert berichtet er deshalb von einer Auftragsarbeit in Siemens-Stadt in Berlin, bei der er für eine Ausstellung den Stadtteil klanglich erfassen und aus den gesammelten Geräuschen ein Hörstück gestalten sollte. Von der „Zentrifuge“ in Nürnberg, einem Projekt zur Vernetzung von Kunstinteressierten und Kulturschafffenden mit Fokus auf die Metropolregion Nürnberg, wurde er zu einem Festival für experimentellen Klang eingeladen. Es tut sich also was, zumindest in der Szene der Sounddesigner.
331 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und dem Ausland haben sich heuer für die Ortung beworben. 20 wurden für den Kunstparcours durch die Altstadt ausgewählt, sieben sind als Gastkünstler dabei.
Dass er einer von ihnen ist, freut Bastus Trump. Und dass er die Schwabach als Klangquelle anzapft, war für ihn naheliegend. Schließlich ist er in Unterreichenbach mit dem kleinen Fluss aufgewachsen. Und wenn man am Höllsteg hören kann, dass beispielsweise in Unterreichenbach jemand einen Stein ins Wasser geworfen hat, ist das für ihn interessant.
Auch für Jutta Walter übrigens, die den Text zum „Goldrauschen“ von Bastus Trump genau gelesen hat und um eine Kunsterfahrung reicher geworden ist.
Ortung VII, ist noch bis Sonntag, 21. August, geöffnet. Der 27 Stationen umfassende Parkours ist täglich von 14 bis 19 Uhr begehbar, am Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Führungen gibt es um 11 (nur Samstag und Sonntag), 14.30 und 15.30 Uhr (Treffpunkt jeweils Bürgerhaus).
Do. 01.12.11