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Diskussion um Fluglärm in Gauchsdorf geht weiter

Fünf zentrale Fragen, um die sich der Ärger im Büchenbacher Ortsteil dreht - 09.06.2018 09:07 Uhr

Segelflieger – wie der Name schon sagt – segeln eigentlich, funktionieren also ohne Motor und auch ohne Lärm. Um in die Luft zu kommen, braucht es aber eine Schleppmaschine – und die macht Lärm. © Herbert Führ


Sowohl von den SPD-Politikern Helga Schmitt-Bussinger und Marcel Schneider als auch von der Interessengemeinschaft liegen dem Tagblatt Statements vor. Mehrere Leserbriefe haben uns zu dem Thema erreicht, auch auf Facebook wird heiß diskutiert.

Im Zentrum der Diskussionen stehen einige entscheidende Fragen:

Hat sich das Flugaufkommen in den vergangenen Jahren erhöht?

Dieter Bradl von der Fliegervereinigung hatte sich gegen diesen Vorwurf verwahrt und betont, es gebe keine Feststellung vonseiten des zuständigen Luftamts Nordbayern, die diese Aussage bekräftige. Während die Interessengemeinschaft sowie die beiden SPD-Politiker in ihren Pressemitteilungen auf diese Frage nicht weiter eingehen, bezichtigt Tagblatt-Leserin Petra Forde Bradl deshalb der Lüge: Man könne "die Erhöhung auch aus den Aufzeichnungen der Bundesflugsicherung nachprüfen".

Gemeint ist vermutlich die Deutsche Flugsicherung mit Sitz in Langen (Hessen). Das Schwabacher Tagblatt hat keinen Einblick in deren Aufzeichnungen. Tatsache ist jedoch, dass Reiner Lux vom Luftamt Nordbayern in einer Gemeinderatssitzung in Büchenbach im Januar dieses Jahres erklärt hat, die Lärmbelastung sei nicht "unzumutbar oder sprunghaft" angestiegen. Es bleibt also offen, in welchem exakten Ausmaß der Lärmpegel in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

Hat die Verschiebung einer Start- und Landebahn um 200 Meter nach Osten zu einer Zunahme des Fluglärms geführt?

"Erst mit der Verlegung nach Osten wurde Kritik laut. Denn entgegen der Ankündigung wurde es dadurch nicht leiser, sondern lauter", sagt Helga Schmitt-Bussinger. Die Interessengemeinschaft sieht das genauso und ergänzt: "Die Maßnahmen zur Reduzierung des Fluglärms (...) reichen einfach nicht."

Auf diese Maßnahmen hatte Dieter Bradl hingewiesen. So habe man die Flugzeuge mit lärmreduzierten Auspuffanlagen ausgerüstet, die Motorschleppmaschine habe einen leiseren Propeller bekommen und man nutze zunehmend eine Seilwinde für die Starts. Außerdem verweist die Fliegervereinigung auf Aussagen vonseiten des Luftamts Nordbayern, nach denen in Gauchsdorf alle Bestimmungen eingehalten werden.

Tatsächlich hat Reiner Lux vom Luftamt in einer Gemeinderatssitzung im Januar in Büchenbach erklärt, dass die zusätzliche Lärmbelästigung seit der Verlegung der Landebahn eine "subjektive Wahrnehmung" sei. Es könne jedoch sein, räumte er dann allerdings ein, dass sich der Lärm durch den Umbau "verschoben" habe und sich deshalb anders verteile – einzelne Anwohner könnten seitdem mehr betroffen sein als zuvor.

Das Luftamt hat auf Nachfrage des Tagblatts nochmals auf die Aussagen während der Gemeinderatssitzung und die vorhergehenden Messungen verwiesen. Man habe unter anderem geprüft, "inwieweit bei den Anflügen auf den Flugplatz der Ortsteil Götzenreuth überflogen wird". An jenem Sonntag im Mai 2017 habe es jedoch keine Überflüge über Götzenreuth gegeben. Weiter heißt es: "Die weitere Detailauswertung ist noch nicht abgeschlossen." Das führt direkt zur nächsten Streitfrage.

Wie aussagekräftig sind die Messungen, die das Luftamt Nordbayern durchgeführt hat?

Die Interessengemeinschaft bemängelt, die Messungen seien "irgendwo im Wald" durchgeführt worden, nicht bei den geplagten Anwohnern. Zudem habe Reiner Lux im Büchenbacher Gemeinderat eingeräumt, dass ihm während der Messung die Batterien ausgegangen seien. Helga Schmitt-Bussinger knüpft daran an und betont, die Kritik der Anwohner sei aufgrund der Messungen keineswegs obsolet. "Ich habe deshalb die Ergebnisse beim Luftamt angefordert und möchte auch wissen, wo gemessen wurde", so Schmitt-Bussinger. Gegebenenfalls müsse man erneut messen.

Wer redet mit wem?

In verschiedenen weiteren Detailfragen, auf die an dieser Stelle nicht ausführlich eingegangen werden kann, steht Aussage gegen Aussage.

Auf der einen Seite befindet sich die Fliegervereinigung, die ihrem Sport frönen möchte. Unterstützt wird sie dabei auch von Facebook-Usern. Die häufigste Reaktion auf den erschienenen Tagblatt-Artikel auf der Social-Media-Plattform: Den Flugplatz gebe es schon lange, wer dort hinziehe, müsse mit dem Lärm eben klarkommen.

Auf der anderen Seite steht die von Schmitt-Bussinger und Schneider unterstützte Interessengemeinschaft für die Verringerung des Fluglärms, die betont, man wolle überhaupt nicht den Flugplatz an sich in Frage stellen, sondern poche lediglich darauf, die Lärmbelastung zu reduzieren – sei es durch weniger Starts oder andere Maßnahmen. Das soziale Engagement der Fliegervereinigung, das Dieter Bradl hervorgehoben hatte, stelle man keineswegs in Abrede, es habe nur mit dem eigentlichen Problem – dem Lärm – nichts zu tun.

Wie geht es weiter?

Die Fronten scheinen verhärtet, vielleicht kommen die beiden Seiten aber doch noch ins Gespräch und auf einen gemeinsamen Nenner. Schmitt-Bussinger und Schneider schließen ihre Pressemitteilung mit folgendem versöhnlichen Satz: "Dass die Fliegervereinigung uns ein Gesprächsangebot gemacht hat, freut uns. Wir werden es sehr gerne annehmen." 

Thomas Correll Schwabacher Tagblatt E-Mail

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