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Deutschlandweit ist das neue Gerät erstmals im Stadtkrankenhaus Schwabach implantiert worden. Die deutschlandweit erste Patientin mit dem neuen Gerät ist eine Nürnbergerin: Vor einer Woche wurde Katrin Falb operiert. Sie ist „froh“ über ihre Entscheidung, sagt die 31-Jährige.
Die Hoffnung, über den Magenschrittmacher das Gewicht endlich langfristig zu reduzieren, ist groß. 25 Kilo möchte die Diätassistentin abnehmen. Ausprobiert hat sie viel – angefangen bei zahlreichen Diäten über Akupunktur bis hin zu Medikamenten – dauerhaft funktioniert hat bisher nichts.
Helfen soll jetzt der Magenschrittmacher. Die Funktionsweise hört sich simpel an: Der Schrittmacher reagiert auf die Aufnahme von flüssiger und fester Nahrung, stimuliert den Magen und verursacht ein Sättigungsgefühl, obwohl der Magen noch nicht gefüllt ist. Das Ganze ist sozusagen eine elektronische FdH-Variante, die allerdings satt macht.
Daneben kann das kleine Gerät aber noch mehr: Der Schrittmacher dokumentiert über einen Sensor, wann die Person isst, trinkt oder körperlich aktiv ist. Die Daten werden mithilfe eines Lesegeräts (es wird einfach über die über dem Schrittmacher liegende Hautpartie gezogen) in das so genannte „Ernährungslogbuch“ übertragen und sind jederzeit für die betreffende Person und den behandelnden Arzt einsehbar.
Über diese Informationen kann das Essverhalten analysiert und können dann weitere Strategien zur Gewichtsabnahme entwickelt werden. Denn mit dem Eingriff alleine ist es nicht getan: Begleitend dazu findet beispielsweise über die Adipositas-Sprechstunde am Stadtkrankenhaus eine Betreuung statt. Auch gibt es ein spezielles Online-Forum, über welches sich Betroffene austauschen können, sowie Podcasts mit Abnehm-Tipps.
Anders als andere Methoden sei der Magenschrittmacher für Falb „eine gute Alternative gewesen“. Denn chirurgische Möglichkeiten, das Hungergefühl in den Griff zu bekommen, gibt es mehrere. Dazu gehören Magenband, Magenschlauchbildung oder gastrischer Bypass.
Diese Verfahren seien zwar sehr effektiv, „greifen jedoch teilweise irreversibel in die Anatomie des Verdauungstrakts ein und sind häufig mit Nebenwirkungen verbunden“, sagt Dr. Thomas Horbach, Chefarzt der chirurgischen Abteilung am Stadtkrankenhaus. Er hat auch den Eingriff bei Karin Falb durchgeführt. Von der neuen Methode verspricht sich die Medizin eine effektive Gewichtsreduktion „ohne die typischen Begleiterscheinungen anderer chirurgischer Verfahren“.
Die Operation selbst dauert etwa eine Stunde und zählt zu den minimalinvasiven Eingriffen. Der Schrittmacher wird unter der Fettschicht und auf die Muskulatur implantiert. „Wir suchen natürlich eine Stelle, die den Bewegungsspielraum nicht einschränkt“, erklärt Horbach.
Dafür ideal sei der Platz zwischen Brustbein und Bauchnabel. Die zum Gerät dazugehörende Sonde wird teilweise durch die Magenwand geführt und befestigt. Nach zwei Tagen Klinikaufenthalt steht dem Heimweg, sofern es keine Komplikationen gibt, nichts mehr im Wege.
Die bisherigen klinischen Studien belegen laut Horbach den Erfolg der Methode. Bei allen Personen sei eine Gewichtsreduktion erreicht worden. Eine Altersbegrenzung gebe es nicht, gleichwohl komme die Behandlungsart nicht für alle Betroffenen in Frage, so der Chefarzt. Im Vorfeld werden bestimmte Kriterien abgeklärt. Eine Voraussetzung: Die Betreffenden müssen nachweisen, dass sie wenigstens sechs Monate lang versucht haben, auf herkömmliche Art (Ernährungsumstellung/Sport) abzunehmen.
Die Option „Magenschrittmacher“ bei der Adipositas-Behandlung bieten neben dem Stadtkrankenhaus (eines der führenden deutschen Adipositaszentren) die Uni-Klinik Würzburg und die Wolfart-Klinik München an. Alle drei Kliniken nutzen ein US-Produkt, das „abiliti-System“ der Firma IntraPace, das seit Anfang des Jahres in Europa zugelassen ist. In den USA ist das Gerät laut Presseunterlagen nicht für den Verkauf zugelassen.
Sa. 12.11.11
Sa. 30.07.11
Fr. 29.07.11
Di. 07.06.11