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Michael Seiler ist Chef eines Clubs von Freizeit-Filmern aus der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt. Als solcher ist er auch der kreative Kopf von „WalnutFilms“, wie Seiler die lockere Vereinigung genannt hat. „Wir sind kein Verein und auch keine Firma“, erklärt er.
Für „Die Chroniken von Béloníen“ hat Seiler zwei Jahre lang das Drehbuch geschrieben, seit wenigen Wochen Casting und Regie übernommen, und ist nun auch oberster Beleuchter.
In den Schwabacher Felsenkellern hat er den idealen Drehort für eine besonders düstere Szene gefunden. Das riesige Gewölbe unter der Neuen Gasse wurde am Samstag zur „Location“, wie man im Filmjargon sagt.
Vielleicht ein gutes Omen. Schließlich wurde einer der besten Filme aller Zeiten auch deshalb so berühmt, weil er im Untergrund spielt. „Der dritte Mann“ von Orson Welles etwa bezieht große Teile seiner spannenden Darstellung aus Szenen im Kanalsystem Wiens.
David Schulte trägt ein Kettenhemd, hat ein Schwert in der Hand und ist mit einem Ritterhelm ausgerüstet. Die Maske hat bei dem 18-Jährigen ganze Arbeit geleistet. Von seiner Stirn aus verläuft ein dünnes rotes Rinnsal über die Nase Richtung Kinn. David spielt einen Toten, der mithilfe eines Kerzenrituals wieder zum Leben erweckt wird.
Schließlich handelt es sich um einen Fantasy-Streifen. „Ein typisches Märchenmotiv: Ein gutes Königreich kämpft gegen ein böses“, fasst Michael Seiler die Filmhandlung zusammen.
Für Technik und Requisiten muss Michael Seiler ebenfalls äußerst kreativ sein. „Ein Budget haben wir nicht“, sagt er. „Wenn kein Geld da ist, müssen die Dreharbeiten eben ruhen.“
Eine Nebelmaschine, Ritterrüstungen sowie Schwerter und Schilde sind für den Schwabacher Kellerdreh unerlässlich. Besonders problematisch ist das Licht. „So ein Gewölbe hab ich noch nie ausgeleuchtet.“ Der Nebel soll den Raum größer wirken lassen. Das meiste hat man sich geliehen, einiges ist von den Darstellern mit eigenem Geld bezahlt worden, anderes hat man selbst gezimmert.
David Schulte sieht jedenfalls originalgetreu aus, als er seinen Platz als toter Kämpfer in einem Ring von 28 Kerzen einnimmt. Aufgestellt und entfacht wurden sie von der 17-jährigen Sarah Tursky aus Wolkersdorf. Sie hat aus dem Internet von dem Filmprojekt erfahren.
Über diesen Kanal sucht Michael Seiler nach Unterstützern und geeigneten Drehorten. Sarah hat den Schwabacher Untergrund vorgeschlagen. Nach Kontakt und Führung mit Felsenkeller-Experte Klaus Huber durch die unterirdischen Gänge fiel die Wahl leicht.
Vom Hof des Hauses Zöllnertorstraße 5 aus führen lange Gänge unter das Haus in der Neuen Gasse 2. Das ehemals als Bierkeller genützte Gewölbe ist fast sechs Meter hoch und nahezu 150 Quadratmeter groß. Platz genug also für die Schauspieler, den Filmtross, die Gerätschaften und das Schminkstudio.
Sechs Stunden dauerten die Arbeiten am Samstagnachmittag. „Das wird im gesamten Film etwa fünf Minuten ausmachen“, erklärte Seiler. In ein bis zwei Jahren soll „Die Chroniken von Béloníen“ als 90-minütiger Spielfilm fertig sein. Via Internet und als DVD soll er sein Publikum finden.
www.walnutfilms.de.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.