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Freundeskreis Suchtkrankenhilfe feiert 25-Jähriges

Einrichtung für Schwabach-Roth-Katzwang ist wichtige Stütze für Betroffene - 20.09.2016 15:59 Uhr

Sein 25-jähriges Bestehen feierte der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Schwabach-Roth-Katzwang (von link): Julius Kartmann (Leiter der Gruppe in Roth), Karl-Heinz Turnwald (Leiter Katzwang), Roland Schmidt (Leiter Schwabach), Matthias Münz (Suchtberatung Roth-Schwabach) und Oberbürgermeister Matthias Thürauf. © Foto: Robert Schmitt


Einmal pro Woche treffen sich dazu die Mitglieder für Schwabach in den Räumlichkeiten des Pfarrzentrums St. Peter und Paul. „Wir stehen 365 Tage im Jahr als Ansprechpartner zur Verfügung“, lautet eine Botschaft zum Festtag.

Eine weitere halten die Gruppenleiter für ebenso wichtig: „Wir würden uns wünschen, dass vor allem Angehörige früher zu uns kommen“, sagen Roland Schmidt für Schwabach, Karl-Heinz Turnwald für Katzwang und Julius Kartmann für die seit März dieses Jahres selbständige Gruppe Roth.

Als Selbsthilfegruppen bilden die Freundeskreise ihrem Namen gemäß eine Gemeinschaft von Freunden, die von Suchtmitteln abhängig sind. Weil die Suchterkrankung nicht heilbar ist, wohl aber zum Stillstand gebracht werden kann, helfen sie sich gegenseitig, um ohne Suchtmittel zu leben und nicht rückfällig zu werden.

Jede Art von Sucht

Angehörige von Suchtkranken sind in den Freundeskreisen willkommen. Dabei spiele es keine Rolle, welcher Art die Sucht ist. Alkohol, die gesellschaftlich akzeptierte Droge, spielt die größte Rolle. Aber auch Drogen- oder Medikamentenabhängige, Computer- oder Glücksspielsüchtige, auch Menschen mit Essstörungen seien im Freundeskreis willkommen und richtig.

Im Freundeskreis trifft man Leute jeden Alters, die genau wissen, wovon sie sprechen. Dort finden Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Lebenswelten kommen und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Meist sei ja das gesamte Umfeld von der Sucht mit betroffen, heißt es. Im Freundeskreis könne man konkrete Hilfe, Verständnis, Sicherheit und Freunde fürs Leben finden. Gemeinsamen Aktivitäten mit Kind und Kegel gehören ebenfalls zum Angebot der Freundeskreise.

Wichtig auch für Angehörige

Manchmal sei der Freundeskreis für die Angehörigen wichtiger als für die Suchtkranken. Deshalb sei die Gruppe ein Angebot, das sehr offen und breit angelegt ist. „Wir wollen Partner, Eltern, Geschwister, Freunde und Kinder ermutigen, den Kontakt zu uns zu suchen. Bei uns gibt es Hilfe.“

Ihr Slogan ist ebenso einprägsam wie einleuchtend: „Nur du allein kannst es schaffen, aber du schaffst es nicht allein.“ Ferner pflegt der Freundeskreis Kontakte zu Beratungsstellen und Fachkrankenhäusern. Er versteht sich auch als Begleiter während stationärer oder ambulanter Behandlungen.

Der Name ist kein Zufall. Das „Wir“ wird ganz groß geschrieben. Die Gruppen bieten viel mehr als zwei Stunden Sitzung pro Woche. „Die Gruppe, das sind wir alle, Betroffene und Angehörige mit Suchtproblemen in jeder Phase der Sucht.“

Über die Jahre habe sich eine stabile und tragfähige Gemeinschaft gebildet, die eine Atmosphäre des Aufgehobenseins pflegen und dennoch stets offen für neue Gesichter und Schicksale sei. Manchmal kommen Paare auch gemeinsam, um im Schutz der Gruppe auf neutralem Boden Dinge aussprechen zu können, die in den eigenen vier Wänden ungesagt bleiben würden.

Absolute Vertraulichkeit

Die Gruppe bietet Sicherheit und fördert Offenheit. Dabei wird eine wichtige Regel stets eingehalten: „Was auch immer in der Gruppe gesagt wird, das bleibt auch in der Gruppe.“

Zum Jubiläum waren neben Vertretern der Freundeskreise Neumarkt, Nürnberg und Forchheim auch Oberbürgermeister Matthias Thürauf und Matthias Münz von der Suchberatung Roth-Schwabach in das Pfarrzentrum von St. Peter und Paul gekommen.

„Ihre Arbeit ist sensationell“, rief Matthias Thürauf dem Freundeskreis zu. „Aus eigener Betroffenheit hohe Verantwortung für andere zu übernehmen bei einem Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft“, so Thürauf. Das gelte es heute von politischer Seite aus zu würdigen. „Ich kann sie nur ermuntern, so weiterzuarbeiten.“

Diplom-Psychologe Matthias Münz erklärte, der Freundeskreis erfülle eine ganz wichtige Funktion für die Psyche, indem er es den Betroffenen ermögliche, die Sucht immer im Auge zu behalten. „Er hilft also dabei, langfristig sicher mit einer Krankheit umzugehen, die lebenslang besteht.“

Gruppe Schwabach: Jeden Dienstag, 19 bis 21 Uhr, im Gruppenraum der Kirche St. Peter und Paul, Werkvolkstraße 16. Ansprechpartner ist Roland Schmidt.

Gruppe Katzwang: Jeden Donnerstag, 19 bis 21 Uhr im Kantorat der Wehrkirche, Rennmühlstraße 17. Ansprechpartner ist Karl-Heinz Turnwald.

Gruppe Roth: Jeden Donnerstag, 19 bis 21 Uhr im kiss, Sandgasse 5. Ansprechpartnerin ist Julius Kartmann. 

ROBERT SCHMITT

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