20°

Dienstag, 17.10. - 13:43 Uhr

|

Geschichte hautnah: Von der Sense zum Mähdrescher

Maschinen machten nach dem Ersten Weltkrieg den Dreschschlegeln den Garaus - 06.08.2017 15:05 Uhr

Viele Helfer – auch aus der Nachbarschaft – sorgten für einen reibungslosen Dreschtag. © Fotos: Museum Schwanstetten


Viel Arbeitskraft war vor Jahren erforderlich, um ein Feld zu mähen und das Getreide zu dreschen. Heute bewältigt diese Arbeit ein Mähdrescher an einem Tag.

Bis etwa 1920 wurde das Getreide mit Sicheln geschnitten, auf Beete ausgebreitet und – je nach Witterung – nach drei bis zehn Tagen eingesammelt und gelagert. Dort wurde es während der Wintermonate mit Dreschschlegeln auf der Tenne gedroschen.

Die ersten Dampfdreschmaschinen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Dampfdreschmaschinen zum Einsatz. Um diese Zeit wurden auf dem Getreidefeld die Sicheln allmählich von den wirkungsvolleren Sensen mit Wurfvorrichtung abgelöst.

Einige Jahre später sah man die ersten Getreide-Mähmaschinen auf den reifen Getreidefeldern herumfahren.

Eine Weiterentwicklung waren die Flügel-Getreidemäher. Sie streiften das geschnittene Getreide garbenweise auf das Stoppelfeld. Die Garben mussten jedoch noch mit der Hand gebunden werden.

Ab 1938 leisteten sich die drei größten Bauern in Leerstetten eine Maschine, die das Getreide mähte und anschließend zu Garben band.

Danach musste das geschnittene Getreide noch auf dem Feld den richtigen Trockenheitsgrad erreichen. Zu diesem Zweck wurden je acht Garben zu einem "Maidel" zusammengestellt.

Die Dreschmaschine kommt

Das Getreide war längst in die Scheunen eingefahren worden, als eines Morgens im Spätherbst ein Sirenensignal den Beginn des Dreschens ankündigte. Die nach dem Ersten Weltkrieg genutzten Maschinen machten den Dreschschlegeln den Garaus.

Unter der Anleitung eines Maschinenführers wurde nach der Rübenernte die Dreschmaschine mit Zubehör aus der Halle zum Hof des ersten Dresch-Bewerbers gebracht.

Die eisernen Räder der schweren Maschinen drückten sich tief in das unbefestigte Gelände ein und in dem meistens nur mit Lehm befestigten Scheunenböden hinterließen sie unübersehbare Spuren.

Es dauerte geraume Zeit, bis alle drei Fahrzeuge des Dreschzuges aufgestellt waren: das Motorenhaus, die eigentliche Dreschmaschine und die davor aufgestellte Strohpresse.

Die ersten Antriebsaggregate waren Dampflokomobile. Nach etlichen Jahren wurden die Dampflokomobile von den Traktoren mit großen seitlichen Schwungrädern abgelöst. Schließlich diente ein PS-starker Elektromotor zum Antrieb sämtlicher Dreschmaschinen.

Nachbarschaftshilfe war nötig

Ohne Nachbarschaftshilfe war mit der Dreschmaschine wenig auszurichten. 15 bis 20 Leute waren erforderlich, um einen reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten. Hinzu kamen in der Regel noch die Kinder des jeweiligen Bauern.

Ein 100-Kilo-Sack wollte getragen werden. Diese Aufgabe erledigte meist der Bauer selbst. Hinten links ist das Motorhäuschen für den Elektromotor zu erkennen.


Je nach Entfernung zwischen dem gelagerten Getreide und der Dreschmaschine waren drei bis vier Helfer für das Heranschaffen der Garben erforderlich. Ein Mann hob die vor seinen Füßen abgelegten Garben mit einer Gabel auf die Plattform der Maschine. Dort warteten schon zwei Männer. Der eine schlitzte das Band oder die Schnur der Garben auf und der andere sorgte dafür, dass die Getreidehalme möglichst gleichmäßig in die Maschine gelangten. Wurde ungleichmäßig eingelassen, konnte dies zu einer Überlastung und damit zu einem Kurzschluss führen.

Mehrere Leute – meistens Frauen – waren damit beschäftigt, die seitlich und nach vorn aus der Maschine ausgestoßene Spreu (Sied) mit Wannen zu sammeln. Dieser Abfall diente zum Einstreuen im Viehstand. Soweit das Stroh nicht zum Verfüttern herangezogen werden musste, wurde es ebenfalls zum Einstreuen verwendet.

Der von der Strohpresse ausgestoßenen Schiede nahmen sich meist zwei Männer an. Das ausgedroschene Stroh wurde gleich in die Scheune oder in einen Schuppen gelagert.

Bauer trug die Säcke hoch

Mit dem Abfüllen der Getreidesäcke an der rückwärtigen Seite der Dreschmaschine war meistens der jeweilige Bauer selbst beschäftigt. Hier konnte er am besten beurteilen, wie die Ernte ausgefallen war. An fünf oder mehr Schächten hingen die Säcke. Sobald einer voll war, wurde er zunächst zugeschnürt und mittels eines Aufzugs so hoch gehoben, dass der Bauer ihn schultern und anschließend auf den Getreideboden tragen konnte. Erst Jahre später besorgte diese anstrengende Arbeit ein Gebläse.

Als die Dreschmaschine lief, war bald das ganze Gehöft in eine große Staubwolke gehüllt.

Ein Mähdrescher der ersten Generation – noch ohne geschlossene Fahrerkabine und hydraulische Unterstützung.


Im Laufe eines Arbeitstags konnten viele Störungen auftreten. In solchen Fällen war dann immer der Maschinist zur Stelle, um die Schäden zu beheben. Eine kleine Pause bedingten auch die Umstellungen der Maschine auf eine andere Getreideart. Sie wurde gern dazu benutzt, um einen kräftigen Trunk aus der Flasche oder Kanne zu nehmen oder auch zum Essen eines Apfels.

Bis zur letzten Garbe

Jeder freute sich, wenn die Sirene die Frühstücks- oder Mittagspause oder gar den Feierabend ankündigte. Der Maschinenlärm verstummte aber auf einem Bauernhof erst, wenn auch die letzte Garbe durch die Maschine geschickt worden war.

Als die Leute die letzten Garben vom Boden der Scheune hoben, konnten die Katzen gut Beute machen, denn darunter hielten sich erfahrungsgemäß die Mäuse verborgen. Heute erledigen Mähdrescher die vielen Arbeitsgänge von damals in einem Zug.

Zhttp://www.museum-schwanstetten.de/content/getreideernte

http://www.museum-schwanstetten.de/content/die-dreschmaschine-kommt

  

GUNTHER HESS

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Schwanstetten