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Gülle-Streit: Dicke Luft in Beerbach

Offenbar geht es aber um Abfall aus Biogas-Anlagen - der nicht stinkt - 13.12.2016 16:55 Uhr

Gülle ist nicht gleich Gülle. Auf den Feldern landen zu bestimmten Jahreszeiten nicht nur die Ausscheidungen von Rindern und Schweinen, sondern auch pflanzliche Abfälle, die in Biogasanlagen übrig bleiben. In Beerbach sollen nur solche pflanzlichen Abfälle zwischengelagert werden. Die Geruchsbelästigung wäre dann deutlich geringer. © Foto: dpa


Ein von 57 Bürgern unterschriebenes Schreiben ist vor kurzem im Rathaus und bei den drei Bürgermeistern eingegangen. Doch inzwischen, so war in der letzten Sitzung des Abenberger Stadtrates in diesem Jahr zu erfahren, stellt sich die Sachlage ganz anders dar.

Noch im November waren große Teile des Gremiums einigermaßen beunruhigt. Gülle solle in einem offenen Becken gelagert werden, der Abstand zu den Wohnhäusern sei nicht allzu groß, hieß es. Das sei eine Belastung für die Nachbarschaft. Die Folge: Der Stadtrat hatte sein Einvernehmen nur unter der Bedingung gegeben, dass das Becken einen Deckel bekommt und dass das Projekt wirklich ein privilegiertes Vorhaben der Landwirtschaft ist.

Güllehandel?

Auch daran gab es Zweifel. Denn in Beerbach gibt es ja gar keine landwirtschaftliche Tierhaltung in großem Stil. Daraus hatte 3. Bürgermeister Anton Friedrich gefolgert, dass dort keine Gülle anfällt, sondern mit Gülle gehandelt wird. Eine Privilegierung des Vorhabens – darüber entscheidet das Landratsamt – wäre in einem solchen Fall äußerst fraglich.

Nach der Sitzung hatten die Nachbarn des Landwirts Unterschriften gesammelt und diese zusammen mit einem Brief an die drei Bürgermeister geschickt. Tenor: Man wolle den Landwirt nicht in seiner Entwicklung behindern, aber für das Betonbecken müsse ein anderer Standort weiter weg von der Nachbarschaft gefunden werden.

Neue Faktenlage

Die Frage ist, ob es aus dem Becken künftig wirklich stinkt. Denn, so konnte Bürgermeister Werner Bäuerlein jetzt in der Sitzung des Stadtrates präzisieren, gelagert werden sollen dort keine tierischen Ausscheidungen (also das, was man landläufig unter Gülle versteht), sondern pflanzliches Substrat, das als Abfallprodukt aus Biogasanlagen übrig bleibt. Pflanzliche Gülle also gewissermaßen.

„Wenn wir das damals schon gewusst hätten, wäre es nicht zu solchen Spekulationen gekommen“, so Bäuerlein. Auch die überwiegende Mehrheit der Stadtratsmitglieder war sich einig, „dass damit die Luft aus der Geschichte ist“. „Wenn das wirklich Biogas-Substrat ist, dann riechst du schon in zehn Meter Entfernung nichts“, beteuerte 2. Bürgermeister Hans Zeiner, selbst ein Landwirt.

Es soll keine Zwietracht aufkommen

Trotzdem bleibt natürlich der Brief mit den 57 Unterschriften. Einige Bürger, so berichtete Rathauschef Bäuerlein, hätten inzwischen im Rathaus angerufen und mündlich ihre Unterschrift wieder zurückgezogen. Trotzdem, so meinte Anton Friedrich (FW), sollte die Stadt versuchen, im Ort zu vermitteln. Werner Bäuerlein sagte nach einigem Zögern zu. „Vielleicht sollten wir mal die Leute zusammenholen und mit ihnen die Fakten besprechen. Ich will ja keine Zwietracht aufkommen lassen.“

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Dennoch übte der Bürgermeister auch Kritik an der Unterschriftensammlung und wie sie zustande gekommen ist. „Es wird oft viel Hysterie verbreitet, wo es keinen Grund zur Hysterie gibt.“ 

rog

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