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Ihre Essstörung sei verschwunden. Konzentrierter sei sie geworden, selbstsicherer und auch ihre geistigen Leistungen hätten sich verbessert. „Sie rechnet mit den Bahnen, die sie schwimmt“, erklärt Christa Valentin.
Bereits 2006, nach erst wenigen Monaten gezielten Trainings, hat Saskia ihre außergewöhnliche Begabung gezeigt. Beim Goldpokal des Schwabacher Schwimmvereins im Parkbad trat sie gegen nichtbehinderte Konkurrentinnen an. Ein zweiter, ein dritter und ein fünfter Platz waren die Ausbeute. Im vergangenen Jahr hat sie bei der paralympischen Europameisterschaft in Berlin einen Finallauf erreicht und den sechsten Platz belegt.
Das war die Kür. Noch erfolgreicher bewältigte sie dann im November die Pflicht: Von der Deutschen Kurzbahnmeisterschaft kehrte sie bei den Erwachsenen mit Gold und Silber zurück. In ihrer Altersklasse räumte sie gleich fünf Juniorenmeistertitel ab. Bei sieben Wettbewerben stellte sie sechs deutsche Rekorde auf.
Vor kurzem hat sie schon mal den ersten absoluten Gipfel erreicht. Saskia führt eine Weltrangliste der Paralympischen Organisation an. Über 800-Meter-Freistil ist gegenwärtig keine einzige Frau mit Behinderung auf diesem Planeten schneller als die Katzwangerin.
Gestern ist sie dafür im Rahmen der Nürnberger Sportlerehrung ausgezeichnet worden. Mit 140 anderen, überwiegend nichtbehinderten Nürnberger Sportlerinnen und Sportlern erhielt sie aus den Händen von Bürgermeister Horst Förther Urkunde und Ehrenzeichen.
Zu verdanken hat Saskia diese phänomenale Entwicklung auch ihrem ersten Trainer. Jackie Satowiz erkannte ihr Talent. Immerhin lernte sie mit ihm innerhalb nur einer Woche Schwimmen und absolvierte ihr „Seepferdchen“. Zwei Wochen intensives Training folgten. Der ehemalige polnische Leistungsschwimmer übte mit ihr täglich bis zu 45 Minuten Rücken und Kraul. Beides demonstrierte sie bei einem Vorschwimmen. Anschließend wurde sie drei Jahre lang als Mitglied des TSV Katzwang von Eugen Nagy betreut.
„Ich wusste gar nicht, ob ich ihr das antun soll“, erinnert sich Christa Valentin. „Stets allein ins Training. So viele Leute. Der Lärm. Das alleinige Umziehen.“ Doch die Sorge der Mutter um ihr Nesthäkchen war unbegründet. Heute ist das alles längst kein Thema mehr. „Sie fährt allein zum Training nach Erlangen oder nach Berlin zum Wettkampf“, schildert Christa Valentin die Fähigkeiten ihrer Tochter.
Bis zu 24 Stunden trainiert Saskia wöchentlich in der Hugenottenstadt. Als einzige junge Frau mit Behinderung unter 25 Sportlerinnen und Sportlern ohne jede Einschränkung. „Dort ist sie supergut aufgenommen worden“, sagt Christa Valentin. „Man hilft ihr sehr im Training.“ Zuvor war sie ein Jahr lang beim TSV Altenfurt gefördert worden.
Aufgrund ihrer Leistungen erhielt Saskia im vergangenen Jahr auch Fördergelder des Bayerischen und des Nürnberger Behindertensportverbands. Damit konnte Christa Valentin individuelle Trainingsstunden bezahlen.
Saskia will nicht nur in Sachen Übungsort in die Fußstapfen von Daniela Götz treten. Die heute 25-jährige Vorzeigeschwimmerin des TSV Katzwang wechselte nach den Olympischen Spielen 2004 zur SSG Erlangen. In Athen hatte Götz mit der 4x100-Meter-Freistil-Staffel eine olympische Bronzemedaille geholt. Das ist Saskias großer Traum: 2012 bei den Paralympics in London selbst auf dem Starblock zu stehen. Diesem Ziel gilt ihre ganze Energie.
Neben den Trainingseinheiten im Becken zeigt sie auch bei anderen Übungen großen Ehrgeiz. Sie läuft regelmäßig und stemmt im Kraftraum Gewichte. Da bleibt wenig Zeit für ihre zweite große Liebe. Saskia spielt leidenschaftlich Geige und Klavier. Lange Zeit ist sie deshalb zwischen Schwimmbad und Orchester gependelt.
Nun hat sie dem Becken den Vorzug gegeben. Denn bald gilt es, um die Qualifikation für London zu kämpfen. Im Februar bei der Süddeutschen Meisterschaft oder im März bei der Offenen Dänischen Meisterschaft wird sie die geforderten Zeiten in Angriff nehmen. Sie will sich als schnellste Schwimmerin mit Behinderung in Deutschland präsentieren. Denn die Experten sollen schließlich recht behalten.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.