Noch sei ja nicht geklärt, was in Mainz tatsächlich passiert ist, meint Bär. Es könne sein, dass der Fehler schon beim Hersteller passiert sei, es könne sein, dass bei der Vorbereitung der Ernährungslösung etwas schief gelaufen ist, es könne aber auch bei der Anwendung passiert sein.
Ein aseptischer, also keimfreier, Herstellungsprozess berge immer ein gewisses Risiko, räumt Dr. Bär ein. Er betont aber, dass in der Apotheke der Kreisklinik Roth in einem sogenannten Reinraum nach einem Verfahren gearbeitet werde, das eine bakterielle Kontamination mindestens mit 99,99-prozentiger Sicherheit ausschließt. „Sie können da noch ein paar Neuner dranhängen“, sagt Bär.
Die Abläufe bei der Herstellung von individuellen Infusionen im Kreisklinikum sind standardisiert. Das heißt, die Produktion erfolgt nach dem immer gleichen Prozedere, mit steriler Kleidung und sterilem Gerät. Noch nie habe es Probleme gegeben, sagt Anton Bär, der Zeit seines Berufslebens und auch schon an der Hochschule steril arbeitet. Es gebe ja auch interne und externe Überprüfungen, betont der Apotheker. Auch hier habe es noch nie Grund zu Beanstandungen gegeben. Selbstverständlich ist nach Angaben Dr. Bärs, dass die Reinraum-Werkbank jährlich von übergeordneter Stelle kontrolliert wird.
Dass es in Bayern keine Hygieneverordnung für Kliniken gibt, stört Anton Bär nicht. „Wir haben eine Menge Hygienevorschriften und -regeln, und wenn die eingehalten werden, reicht die Gesetzeslage auch aus“, ist er überzeugt.
Reinhard Beck, Geschäftsführer des Stadtkrankenhauses Schwabach, sieht das genauso. „Wir haben ordnerweise Hygienevorschriften“, sagt er. Es gebe außer einem Krankenhaus keinen Betrieb, in dem in Bezug auf die Einhaltung dieser Vorgaben so viel Aufwand betrieben werde. Selbst für das Anlegen von Infusionen gebe es Regeln, die beachtet werden müssen. Selbstverständlich sei, dass Infusionsflaschen, Nadeln oder auch die Kabel steril verpackt sein müssen.
Das Stadtkrankenhaus Schwabach produziere keine eigenen Infusionen, erklärt Beck. Die Klinik bezieht die Infusionen von namhaften Herstellern direkt, „und da hat es noch nie Probleme gegeben.“ Wenn individuelle Infusionen gebraucht werden, dann kommen sie aus der Apotheke des Krankenhauses Ansbach.
„Ein Krankenhaus ist per se ein gefährlicher Ort“, meint Beck. „Nirgendwo schwirren so viele Bakterien herum, aber wir geben uns größte Mühe, um die Hygiene auf allerhöchstem Stand zu halten,“ sagt der Geschäftsführer.
So wurde erst vor kurzem die Sterilisationsabteilung am Stadtkrankenhaus Schwabach gemäß den Leitlinien der obersten Hygienewächter des deutschen Gesundheitswesens (Robert-Koch-Institut) aufwändig modernisiert (wir berichteten). Für über 1,6 Millionen Euro wurde modernste Technik in der Klinik installiert.
An der Rother Kreisklinik wurde bereits im März 2008 die mit 1,9 Millionen Euro modernisierte Zentrale Sterilgutversorgungs-Abteilung (ZSVA) in Betrieb genommen. Die ZSVA ist Zulieferer der sterilen medizinischen Instrumente für Operationen, endoskopische Untersuchungen und für viele Abteilungen des Krankenhauses.
Beide Kliniken beteiligen sich an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“.
Sa. 12.11.11
Sa. 30.07.11
Fr. 29.07.11
Di. 07.06.11