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Kriminalität in Schwabach auf "historischem Tiefstand"

Polizeistatistik 2016: Gute Zahlen, schlechte Zahlen - 18.03.2017 05:58 Uhr

Diebstahl wie in dieser gestellte Szene kam 2016 in Schwabach deutlich seltener vor als in den Vorjahren. Die Polizei kann zwar nicht erklären warum, erfreulich ist es trotzdem. © Symbolbild: Ralf Rödel


Polizeistatistiken sind eine etwas schwierige Angelegenheit. Denn bei den verschiedenen Verbrechen, die aufgenommen werden, zeigen sich manchmal Trends, die die Polizei nicht erklären kann. So ist es mit dem bemerkenswerten Rückgang der Eigentumsdelikte. Im gesamten Einsatzgebiet der Schwabacher Polizei – das neben der Stadt Schwabach Kammerstein, Rohr und neuerdings auch Wendelstein umfasst – wurden im vergangenen Jahr 572 Diebstähle verzeichnet, 2015 sind es noch 712 gewesen.

Da auch die Betrugsfälle deutlich weniger wurden, spricht der Leiter der PI Schwabach, Erwin Leitner, von einer "historisch niedrigen" Kriminalitätsbelastung. Insgesamt sei die Zahl der Fälle zwar von 1943 im Jahr 2015 minimal auf 1970 im vergangenen Jahr gestiegen.

200 Fälle weniger

Da aber das komplette Wendelsteiner Gemeindegebiet seit April 2016 zum Dienstbereich gehört, bedeute die geringe Steigerung eigentlich einen massiven Rückgang. Dieser sei vor allem auf die Stadt Schwabach zurückzuführen, wo 2016 insgesamt rund 200 Fälle weniger gezählt wurden als 2015.

Aber erklären kann Leitner die hervorragenden Zahlen nicht: "Das wäre Kaffeesatzleserei." Und er verschweigt auch nicht, dass es Bereiche gibt, in denen mehr passiert ist als in den Vorjahren. Hier kann er allerdings durchaus Gründe nennen.

So ging die Zahl der Körperverletzungen nach oben – von 200 auf 263 Fälle. Ein Grund: Allein 58 Fälle ereigneten sich in den Sammelunterkünften für Asylbewerber. Da diese mittlerweile dezentral untergebracht sind, merke man bereits, so Leitner, dass die Zahlen wieder zurückgehen.

Aufklärungsquote null Prozent

Ebenfalls gestiegen ist die Anzahl der Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen – von 73 auf 137 Fälle. Laut Leitner liegt das vor allem an allein 54 Fällen, für die eine Gruppe von Graffiti-Sprühern verantwortlich war. Drei 14-Jährige und ein 13-Jähriger sprühten monatelang den Schriftzug "NC8" und konnten schließlich mit großem Aufwand und einer für Hinweise ausgelobten Belohnung ermittelt werden. Weil die Sprüherbande geschnappt wurde, liegt die Aufklärungsquote bei den Sachbeschädigungen bei rund 43 Prozent – ein sehr hoher Wert für diesen Bereich.

Apropos Aufklärung: Bei Wohnungseinbrüchen, deren Zahl erfreulicherweise von 49 auf 21 Fälle gesunken ist, liegt die Aufklärungsquote tatsächlich bei null Prozent. "Wenn wir keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren finden, haben wir praktisch keine Chance." Die meist aus Osteuropa stammenden Banden setzten sich nach der Tat schleunigst wieder ab. Deshalb sei man umso mehr auf die Wachsamkeit der Bevölkerung angewiesen: "Melden Sie verdächtige Beobachtungen! Lieber kommen wir einmal umsonst . . .", so Leitners Appell.

Verbrechen begehen – das ist überall so – vor allem Männer, die für über drei Viertel aller Straftaten verantwortlich sind. Ausländer machen etwa 10 Prozent der Bevölkerung im Dienstbereich der PI aus, bei den Tatverdächtigen lag ihr Anteil 2016 dagegen bei rund 35 Prozent. Auch das, so Leitner, sei vor allem auf die Situation in den Massenunterkünften zurückzuführen. Es handele sich größtenteils um Straftaten, die innerhalb dieser Unterkünfte verübt wurden.

Kammerstein ragt heraus

Schwabach ist im Vergleich mit anderen mittelfränkischen Städten traditionell eine sehr sichere Stadt, das zeigen auch die Zahlen von 2016. In Nürnberg wurden pro Einwohner mehr als doppelt so viele Verbrechen begangen. Auch in einer von der Bevölkerung her mit Schwabach vergleichbaren Stadt wie Ansbach liegen die Zahlen deutlich höher.

Herausragend schlecht schneidet in diesem Vergleich übrigens Kammerstein ab. Das liegt allerdings ausschließlich am Autohof. Tankbetrug, Autodiebstahl und ähnliche Vergehen treiben die Zahlen nach oben – ohne den Autohof läge Kammerstein noch hinter Rohr, und da passiert nun wirklich fast überhaupt nichts. 

THOMAS CORRELL

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