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Landkreis Roth: Landwirte sind sauer wegen Plakaten

BBV-Kreisobmann Thomas Schmidt übt harsche Kritik am Umweltministerium - 13.02.2017 11:51 Uhr

„Faschingsverse“: Auch die Bauern aus Schwabach und aus dem Landkreis Roth haben sich über die neuen Bauernregeln des Umweltministeriums geärgert.


Bei seiner harschen Kritik bezog Schmidt sich zunächst auf internationale Entwicklungen wie die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten, dann auf deutsche wie die AfD und Pegida. In diese Abfolge müsse man nun auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks einreihen. Dabei zielte Schmidt natürlich auf die von ihr angestoßene Plakatkampagne ab.

Hiergegen seien in erster Linie gar nicht einmal der Verband, sondern vor allem die Bauern im Landkreis selbst förmlich Sturm gelaufen. Das habe unter anderem in einer Resolution gemündet, die der Kreisobmann kürzlich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt übergeben habe. Auch Landwirte in Neumarkt, im Landkreis Neustadt/Aisch sowie der Landfrauenverband und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hatten die Plakate bereits heftig kritisiert. Außerdem wusste Thomas Schmidt weite Teile der branchenfremden Bevölkerung hinter sich, wie die Abstimmung eines Radiosenders ergeben habe.

Ihn selbst würden die Sprüche der Kampagne eher "an Faschingsverse" erinnern, so Thomas Schmidt. Geärgert habe ihn allerdings die Argumentation des Umweltministeriums. Diese habe behauptet, von Slogans wie "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein" bräuchten sich ja nur die angesprochen fühlen, deren Ställe eben nicht groß genug seien. Das sei genau die Logik von AfD und Pegida, die ebenso zu bedenken gäben, dass sich von ihrer Kritik bezüglich der Flüchtlingsströme nur jene Flüchtlinge angesprochen fühlen bräuchten, die sich nicht integrieren wollten.

Negative Dynamik

Auch die Wirkung auf den Berufsnachwuchs sei verheerend. Viele junge Frauen und Männer, die jüngst zum Berufswettbewerb angetreten seien, hätten aufgrund der Plakataktion "ihre Berufswahl in Frage gestellt". Und so habe eine negative Dynamik an Schwung gewonnen, die ja auch Hendricks genau nicht wolle. Bayernweit sei die Hälfte der Agrarbetriebe ohne Nachfolger. Das habe zur Folge, dass die Betriebe bald doppelt so groß werden müssten. Sprängen nun aufgrund von Kampagnen noch mehr junge Landwirte ab, verstärke das diesen Trend. Dabei beabsichtige Hendricks ja angeblich, die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern. "Das ist Scheinheiligkeit", so die deutlichen Worte Schmidts. Dass eine solche — mittlerweile gestoppte und zurückgezogene — Kampagne dann auch noch mit Steuergeld finanziert werde, sei "eine Sauerei". Denn "1,6 Millionen Euro für eine Kabarettistin sind zu viel Geld."

Ungeachtet solcher Auswüchse gelte es aber, den Dialog mit der Gesellschaft ganz konkret zu führen. Und ihr zum Beispiel klar zu machen, dass 97 Prozent der multiresistenten Keime sich vor allem in Krankenhäusern tummelten, wo immer wieder Hygienemängel aufgedeckt würden. Hier bei den wenigen Prozent, die für die Landwirtschaft übrig bleiben, anzusetzen, sei Augenwischerei.

Blühflächen treiben Nitratwerte hoch

Die Industrie sei zudem, gemeinsam mit dem autofahrenden und heizenden Bürger, der "größte Nitratemittent" hierzulande mit 86 Prozent Anteil. Platz zwei gehöre zwar der Landwirtschaft, jedoch mit bescheidenen zehn Prozent. Damit sei klar, wo man eigentlich zur Rettung der Nitratbilanz ansetzen müsste. Was das Nitrat anbelangt, wusste Schmidt noch von einem zusätzlichen Bonmot zu berichten. So habe auch er etwa die vielfach geforderten Blühflächen auf seinen Feldern angelegt. Gut für die Artenvielfalt – schlecht für die Nitratwerte, die hier am ärgsten seien: "Wenn wir aus Gründen der Diversität solche Flächen wollen, ist das in Ordnung, aber dann darf man nicht über das Nitrat jammern."

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Leider mündeten verzerrte Vorstellungen auch immer wieder in widersprüchliche Vorgaben. So würde einerseits auf den Einsatz kleinerer Landmaschinen gedrängt, doch brauche es eben große, um mit Schleppschläuchen der Düngeverordnung Genüge zu leisten. Aber es "interessieren die Fakten oft nicht", so Schmidt. Dabei werde die Bodenqualität und vieles andere im Agrarwesen des Bundesgebietes immer besser. Die Landwirtschaft in Deutschland sei "weltweit die nachhaltigste", wie eine Studie jüngst ergeben habe. 

JÜRGEN LEYKAMM

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