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Nach einem musikalischen Gruß von vier Jungmusikern der Stadtkapelle Hilpoltstein kam Vorsitzender Joachim von Schlenk-Barnsdorf in seiner Rede auf die Krise zu sprechen, die auch am Landkreis Roth nicht spurlos vorbeigehe. „Die größte Wolke am Konjunkturhimmel ist und bleibt die Schuldenkrise“, so von Schlenk. Auch wenn die Wirtschaft in der Region sich 2011 in sehr guter Verfassung gezeigt und das IHK-Konjunkturklima-Barometer im Sommer einen neuen Rekordwert erreicht habe, so trübe sich dieses Konjunkturklima seitdem in Mittelfranken ein.
Während die von der IHK im Landkreis befragten Unternehmen mehrheitlich die Lage noch als sehr gut bezeichnen, fällt der Blick auf die Zukunft eher skeptisch aus. Gründe hierfür seien der „Fukujima-Effekt“, der Fachkräftemangel und die Auftragseinbrüche beim Export.
Ein Problem sei vor allem auch die Krise des Einzelhandels und die einhergehende Verödung der Innenstädte. „Der Einzelhandel ist bei uns eine gefährdete Spezies. Wir brauchen angesichts der schrumpfenden Bevölkerung Fantasie und Konzepte für die Zukunft des ländlichen Raums.“ Von Schlenk mahnte einen verantwortungsvolleren Umgang mit Geld und Verschuldung an sowie ein nachhaltiges Wirtschaften, ähnlich wie in der Forstwirtschaft und schlug somit einen Bogen zu Gastredner Ludwig Sothmann, der seit 1978 Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist.
Sothmann hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für Biodiversität. Hinter diesem sperrigen Wort verbirgt sich die Vielfalt aller lebenden Organismen auf der Erde und deren Schlüsselfunktionen für eine funktionierende Ökologie, „Sie sehen an den Krisen, die uns seit Jahren begleiten, dass sich etwas ändern muss. ‚Business as usual’ hat offensichtlich ausgedient.“ Die Rahmenbedingungen der menschlichen Existenz seien durch menschliches Handeln dabei, sich dramatisch zu verändern. Klimawandel, die sich dem Ende zuneigenden fossilen Energien, die grassierende Finanzkrise oder der gefährliche Verlust der Biodiversität, all das könne ganze Wirtschaftssysteme und damit auch die Wohlfahrt zerstören.
„Es ist überfällig, dass weltweit alle Gesellschaften die Endlichkeit dieser Welt und deren Vorräte begreifen und Leben und Wirtschaften daran anpassen“. Dabei berge ein intaktes Ökosystem auch unendlich viele Chancen für die Industrie. Sothmann nannte in diesem Kontext die Pharmaindustrie, die in Deutschland zu den führenden der Welt gehört. Als Beispiel nannte er einen Frosch aus den südamerikanischen Anden: „Ein Alkaloid aus dem Speichel des Amphib mit dem Namen ‚Epipedobates’ wirkt vermutlich 200 Mal stärker als Morphium und – so hofft man – ohne dessen atemdepressive Nebenwirkung. Dies würde eine völlig neue Perspektive in der Schmerztherapie bedeuten.“
Das Verhalten der Industrienationen hätte dazu geführt, dass seit einigen Jahrzehnten das Aussterben von Arten 1000-fach schneller erfolgt, als in von Menschen unbeeinflussten natürlichen Systemen. Diese enorme Geschwindigkeit mache es den betroffenen Lebensräumen unmöglich, sich durch natürliche Anpassung zu regenerieren. Eine der Grundvoraussetzungen die drohende Katastrophe abzuwenden sei, dass „wir alle unseren Lebensstil ändern und bescheidener werden müssen“.
Landrat Herbert Eckstein dankte am Ende Joachim von Schlenk für dessen mutige Wahl des Gastredners und stimmte Ludwig Sothmann in vielen Punkten zu.
„Fehler macht man in guten Zeiten“, so der Landrat, und forderte die Gemeinschaft deshalb auf, in Zukunft auch wirtschaftlich in anderen Bahnen zu denken.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.