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LesArt: Marie Plessier schreibt über Paris und seine Rätsel

Kulinarische Lesung im Goldenen Stern - 17.11.2015 09:03 Uhr

Das Menü zur Lesung präsentieren Küchenchef Dieter Trutschel, Stadtrat Emil Heinlein, Autorin Marie Pellissier und LesArt-Organisatorin Hanne Hofherr. © F.: stt


Marie Pellissier liebt Paris und das Rätsel. Damit sind die Eckpunkte ihrer literarischen Arbeiten eigentlich schon beschrieben. Die 1971 in Brüssel geborene Autorin hat kürzlich ihren zweiten Krimi vorgestellt. „Der tödliche Tanz des Monsieur Bernard“ spielt ebenso in Paris und hat die selben Hauptpersonen wie ihr Debüt-Roman aus dem Jahre 2014.

Hausmeisterin Lucie und Kommissar Legrand sind an der Pariser Oper dem Mörder des Ballett-Chefs auf der Spur. „Beide denken sehr viel ans Essen, kommen vor lauter Ermittlungen nur nicht dazu“, sagt Pellissier. Was könnte also besser Grundlage für die „Kulinarische Lesung“ zum Abschluss der 19. LesArt in Schwabach sein als dieses Buch?

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Küchenmeister Dieter Trutschel hat ihm ein köstliches Menü entnommen. Gebratener Ziegenkäse wird in der Kantine der Pariser Oper serviert. Der französische Wolfsbarsch in Salzkruste und die portugiesischen Putenstreifen mit Safranreis entstammen Lucies Küche. Als Nachspeise wird Mandelcreme aufgetischt, die Lucie und ihre Freundin als Croissant-Füllung naschen.

Mit 20 habe sie sich in die französische Hauptstadt verliebt, sagt Marie Pellissier. „In diesen Tagen müssen wir über Paris reden“, steigt Moderator und Stadtratsmitglied Emil Heinlein in den Abend ein. „Die Anschläge haben uns betroffen, betrübt und traurig gemacht.“ Dennoch dürfe man vor dem Terror nicht zurückweichen. „Verbringen wir den Abend also so, wie wir ihn in der Vorfreude erwartet haben.“

Das Buch, sagt Marie Pellissier, sei in dieser Hinsicht sehr aktuell, denn auch das Attentat auf die Satirezeitung Charlie Hebdo werde thematisiert. Ihrer Meinung nach hat Frankreich in Sachen Integration noch viel größere Probleme als Deutschland. Denn das Klima zwischen den Franzosen und den Zuwanderern aus den ehemaligen Kolonien sei vergiftet.

In ihren Krimis hat die Autorin, einen Schauplatz in der französischen Hauptstadt gewählt, den sie bestens kennt. Sie hat mehrere Jahre im Haus Nummer drei am Place des Vosges gewohnt und die Dienste einer zuverlässigen „Gardienne“, wie man eine Hausmeisterin in Paris nennt, schätzen gelernt. „Wenn ich meine Lucie-Krimis schreibe, so tue ich das aus zwei tiefen Gefühlen heraus: aus Liebe zu dieser Stadt, zu diesem Gebäude und zu meiner Gardienne. Und aus tiefstem Heimweh.“

Pellissiers Bücher sind also nicht nur ein Muss für die Freunde feinsinniger Kriminalrätsel. Ihr Buch atmet auch das Pariser Lebensgefühl und wirft einen Blick hinter die glänzende Fassade der Pariser Oper. Sie entwirft dabei ein Stadtviertel-Panoptikum. Denn das hat sie in ihrer Zeit in Paris gelernt. „Paris ist riesig, aber im Quartier kennt man sich.“

Das Rätsel und seine Lösung vernachlässigt sie aber nicht. „Das schwierige ist“, sagt sie, „die Informationen für den Leser so zu dosieren, dass er weiß, wohin die Reise geht, aber immer noch eine Überraschung parat zu haben.“ So liebt auch der Leser bald Paris und seine Rätsel. 

ROBERT SCHMITT

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