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Lesung zum Fall Mollath: „Im Zweifel gegen den Angeklagten“

Benefizveranstaltung mit zwei SZ–Journalisten in Schwabach - 26.09.2013 08:43 Uhr

Lesung aus dem Buch „Die Affäre Mollath — Der Mann der zuviel wusste“. Von links: Anika Emmermacher (Stellvertretende Einrichtungsleitung Haus „Am Wehr“), Uwe Ritzer (Autor, Süddeutsche Zeitung), Jochen Scharf und Hartmut Hetzelein (Casa Fontana), Olaf Przybilla (Autor, Süddeutsche Zeitung). © Gillmeier


Er bildet mit seinem Kollegen Uwe Ritzer das Journalisten-Team, das Dokumente las, Akten wälzte und auf „zahlreiche hanebüchene Fehler“ im Fall des Gustl Mollath stieß. Ihre Untersuchungen und Nachforschungen hielten die beiden Journalisten der Süddeutschen Zeitung in dem Buch „Die Affäre Mollath – Der Mann, der zuviel wusste“ fest.

Aus ebenjenem Buch lasen Ritzer und Przybilla vor: Sie erzählten von ihrer Recherche, ihren Enthüllungen, ihren Entdeckungen in der „Mollath-Affäre“ und unterstrichen diese durch Auszüge aus dem Buch.

Journalisten, keine Ärzte

Die beiden betonten ausdrücklich, dass sie „nur“ Journalisten seien und auf keinen Fall ein Urteil fällen wollen, ob Mollath nun eine psychische Erkrankung habe oder nicht. In einem aber sind sie ganz sicher: „Mollaths Rechte wurden mit Füßen getreten.“ Ironisch kommentierten sie das Vorgehen der Justiz: „Da hieß es wohl: Im Zweifel gegen den Angeklagten“, sagte Ritzer.

Er erzählte, wie sie zu dem Fall Mollath gekommen waren: Mollath wehrte sich gegen sein Urteil und die Medien berichteten dementsprechend darüber. Die beiden Journalisten waren jedoch skeptisch. Was rechtskräftig war, müsste doch eigentlich auch rechtens sein.

Internen Bericht zugespielt

Dann aber wurde ihnen von einem Informanten ein Revisionsbericht der Hypo-Vereinsbank zugespielt, der die Schwarzgeld-Vorwürfe in der Bank untersuchte — und bestätigte. Jedoch hielt die Bank diesen Bericht unter Verschluss, obwohl er bewies, womit Mollath seit Jahren auf taube Ohren gestoßen war. Das veränderte den Blick auf den Fall Mollath völlig. Ritzer und Przybilla begannen zu recherchieren.

In eineinhalb Stunden Lesung umrissen Ritzer und Przybilla den Fall. Unter den etwa 50 Zuhörern sah man nicht selten ein Kopfschütteln oder hörte ein „Das kann es doch nicht geben!“

Rachegefühle?

In der anschließenden Diskussion wurden die beiden Autoren mit Fragen regelrecht bombardiert. Ob Mollath Rachegefühle gegenüber seiner ehemaligen Frau habe, wollte ein Zuhörer wissen. Przybilla glaubt das nicht: „Mollath hat mir gesagt, sie sei noch das kleinste Licht in dem ganzen Fall.“

Außerdem ginge es für Mollath nun erst einmal um das Wiederaufnahmeverfahren, bei dem er auf einen Freispruch hofft. Das Verfahren beginnt voraussichtlich Ende diesen Jahres.

Zum Schluss signierten die Journalisten ihr Buch, das man an einem Tisch von der Buchhandlung „Lesezeichen“ kaufen konnte.

Für ihre Leistung wurden Ritzer und Przybilla mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse geehrt. Dies ist eine Auszeichnung für Journalisten und Redaktionen für kritische und investigative Berichterstattung.

Spende für Pflegeheim

Organisatorin des Abends war Babette Gillmeier aus Rednitzhembach. Das „Casa Fontana“ hatte seine Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt und die Journalisten lasen ohne Gage, sodass der Eintritt direkt an das Schwabacher Pflegeheim „Am Wehr“ für eine neue Küche gespendet werden kann.
  

MAJA PORSCHERT

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