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Wäre der Einstieg prägend für den Rest gewesen, dann hätte dieser Auftritt als einer der langweiligsten Abende in der Geschichte der Meisterkonzerte abgehakt werden müssen. Bleibt Wolfgang Watzinger mit Wolfgang Amadé Mozarts B-Dur-Klaviersonate (KV 570) doch weit hinter seinen eigenen interpretatorischen Möglichkeiten und hinter dem aufführungspraktischen Stand der Dinge zurück.
Sehr fest, fast starr wirkt das Metrum, all zu bedächtig die Tempi, zu vorhersehbar die Affekte und Steigerungen. Watzinger macht sich zwar keiner einzigen falschen Note „schuldig“, bleibt aber nachgerade rätselhaft distanziert. Gerade so, als würde er über die Musik dozieren, ihre Strukturen sezieren wollen, statt ihre Ausdruckstiefen zu erkunden.
Bei Frédéric Chopins g-Moll-Ballade Nummer 1 (Opus 23) ist der Eindruck unangenehmer Blutleere schlagartig verschwunden; der Solist verwandelt sich in einen sorgsam planenden Sachwalter emotionalen Feuers und schier verzehrender Leidenschaft. Dass Chopin dieses so kurze wie bekenntnishafte Werk mit Herzblut und autobiografischer Seelendramatik auflud, wird bei Wolfgang Watzinger ohne Umwege spürbar.
Bei allen Gefühlsexplosionen vernachlässigt der technisch völlig sichere Pianist nie den großen Bogen, den inneren Zusammenhang, die Wahrheiten zwischen den Zeilen. Das Virtuose steht stets im Dienst der Inhalte. Dies gilt auch für Johannes Brahms’ „Paganini-Variationen“ (Opus 35): Ungleich sinnreicher als einige Jahrzehnte später der russische Komponist Sergej Rachmaninow verarbeitet Brahms eines der bekanntesten Themen Paganinis – die letzte Solo-Caprice für Violine aus dessen Opus 1 – und koppelt horrende Anforderungen an die Fähigkeiten des Ausführenden mit typisch brahms’scher Klavierlyrik.
Eine clever geklitterte Achterbahnfahrt, deren bisweilen ziemlich disparate Elemente Wolfgang Watzinger mit entspannter Souveränität zusammenhält.
Dass dieser Künstler längst seinen Zugang zu Brahms’ komplexer Gedankenwelt gefunden hat, zeigt er mit den Fantasien aus dem Opus 116. Bei Watzinger ein vollgriffig schwelgerisch anmutendes, mit breitem Pinselstrich eingefärbtes, ungemein lebenspralles Kaleidoskop von Befindlichkeiten, die sich simpler Einordnung hartnäckig entziehen. Hier kommt Watzinger seine präzise definierte Tongebung ebenso zupass, wie seine Sensibilität für rhythmische Mikrodetails.
Effektvoll, mitreißend und mit viel Druck kredenzt Watzinger zum guten Schluss Franz Liszts f-Moll-Etüde aus den „Études d’execution transcendante“: Rasend schnelle Läufe und wuchtige Akkordkaskaden mit beinharten Forteschlägen lassen gleichsam aus dem Nichts ein majestätisches Klanggebäude entstehen, eine Art Apotheose der Ideale der Spätromantik, bei dem der Architekt Wolfgang Watzinger dafür sorgt, dass jede Verzierung, jeder noch so kleine Schnörkel den ihm zugedachten Platz einnimmt. Eindrucksvoll.HANS VON DRAMINSKI

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