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Das Publikumsinteresse hat in dieser Zeit nicht nachgelassen. Auch zum Jubiläums-Slam ist der Gewölbekeller der Kneipe unter dem Pinzenberg leicht überfüllt. „So war es bisher immer“, sagt Veranstalter und Moderator Martin Geier.
Annähernd fünfzig Mal kamen in drei Jahren überwiegend Autoren aus der Region im „Kabuff“ zusammen. Über 100 verschiedene Slamer stellten sich mit Poesie, Prosa und Performance dem Publikumsvotum.
Denn nach dem Vorlesen ohne Verkleidung, Requisiten oder Musikinstrument entscheidet immer der Applaus über den Einzug ins Finale und die Platzierung dort. Bei der Auswahl der Poeten für den Schwabacher Geburtstagsabend haben Martin Geier und Michael Jakob, die Gründer der Veranstaltungsreihe in der Goldschlägerstadt, auch auf überregionale Größen gesetzt.
Neben „Hanz“ treten „Der Tom“ aus Halle, „Indiana Jonas“ aus Landau und Marvin Suckut aus Konstanz an. Günter aus Neustadt und Felix Kaden aus Erlangen heißen die Lokalmatadoren. Alle sind Anfang 20. Drei studieren, einer ist Softwareentwickler und für zwei ist der Poetry Slam schon zum Beruf geworden. „Hanz“ und „Der Tom“ können von ihrer Kunst und deren Vermittlung leidlich leben. „Ich mache Workshops, habe einen Lehrauftrag, organisiere Veranstaltungen und bin Herausgeber“, zählt Hanz seine beruflichen Poetry-Slam-Aktivitäten auf.
„Bundesweit gibt es eine Szene von 150 bis 200 intensiven Slamern und wir kennen uns alle“, erklärt Hanz die Kontakte. Er und seine Mitstreiter sind erst abends mit dem Zug in Schwabach angekommen. Sie verstehen sich als „Reisepoeten von Slam zu Slam“. Fünf Mal werden die vier in Franken auftreten.
Nach dem „Kabuff“ finden in kurzer Folge noch Slams in Fürth, Ansbach, Bayreuth und Nürnberg statt. Für die Fahrtkosten wird am Ende jeder Veranstaltung gesammelt. In den kreisenden Sektkübel im „Kabuff“ wandern viele Scheine. Für Kost und Logis der eigens angereisten Cracks sorgt die örtliche Slamer-Gemeinde.
„Hanz“ und seine drei Kollegen sind nach einem Blick ins Publikum ziemlich verblüfft. „Das ist unüblich, dass hauptsächlich ältere Zuschauer über 40 hier sind“, sagt der Ludwigsburger. Seiner Erfahrung zufolge setzt sich der Poetry Slam dort einfacher durch, wo es auch viele Studenten gibt. „In Unistädten passen die Themen der Texte besser“, weiß Hanz. Denn fast alle Slamer sind jung und lassen sich hauptsächlich von ihrem Alltag inspirieren.
Ob „Hanz“ siegt, weil er sich textlich am besten aufs Publikum einstellen kann? Die akustische wie optische Darstellung von „Alte-Männer-Geräuschen“ macht er jedenfalls zum Running Gag des Abends. Drei der ambitionierten Literaten kommen in die zweite Runde. „Der Tom“ und Felix Kaden belegen hinter dem Württemberger die Plätze.
„Hanz“ geht gegen den 22-jährigen Erlanger allerdings nur ganz knapp als Sieger hervor. Kaden setzt auf politische Texte. In der ersten Runde prangert er in einem satirischen Gedicht pointiert und intelligent die Militarisierung der bundesdeutschen Außenpolitik an.
Sein Finalbeitrag ist eine Art irrwitziger Fabel. „Viva la revolución“ beschreibt den von den Grashalmen angeführten Aufstand der Pflanzen gegen menschlichen Missbrauch. „Gebt das Gras frei“, lautet der Slogan der grünen Revoluzzer.
Felix Kaden ist nicht nur der Slamer, der am häufigsten im „Kabuff“ zu Gast war. Bei über 20 Auftritten „habe ich gewiss 30 Texte gelesen“, sagt er. Er ist auch der Erfolgreichste. Bei der Deutschen Meisterschaft im vergangen Jahr in Hamburg traten insgesamt 110 Dichter aus dem gesamten Bundesgebiet an. Kaden gewann seine Vorrunde gegen zehn andere erstklassige Poeten. Erst als es in der zweiten Runde um acht Finalplätze ging, musste er die Segel streichen.
Dass man allein aufgrund des Trainings in einem überfüllten Kleinstadt-Kabuff so einschlagen kann, das dürfte gewiss auch für Insider eine Überraschung sein.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.