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Radsportlegende starb mit 91 Jahren

Für den RC Herpersdorf holte der „Kitt“ drei Meister- und fünf Vize-Meistertitel - 15.08. 10:00 Uhr

KATZWANG/HERPERSDORF  - Frankens Radsportfans trauern um ihr großes Idol Karl Kittsteiner. Der Herpersdorfer Altmeister, der am Freitagnachmittag im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Katzwang verstarb, saß von 1935 bis 1959 als Jugendlicher, als Amateur und ab 1946 als Profi 25 Jahre erfolgreich im Sattel! Neunmal stand Karl Kittsteiner bei Deutschen Meisterschaften auf dem Treppchen! 1940 wurde er Straßenmeister der Amateure, 1946 Straßenmeister der Profis, 1954 Deutscher Meister der Profi-Steher und fünfmal war er auf Bahn und Straße Deutscher Vizemeister und 1955 DM-Dritter der Steher. Mit über 200 Siegen auf Bahn und Straße war Karl Kittsteiner bis heute einer der erfolgreichsten deutschen Radsportler.

Karl Kittsteiner im Frühjahr 2011.
Karl Kittsteiner im Frühjahr 2011.
Foto: Manfred Marr
Karl Kittsteiner im Frühjahr 2011.
Karl Kittsteiner im Frühjahr 2011.
Foto: Manfred Marr

Nach seinem ersten Meistertitel begann ab 1940 die einmalige Erfolgsserie des RC Herpersdorf, der mit über 100 weiteren Meistertiteln fünf Jahrzehnte lang Deutschlands erfolgreichster Radsportverein war.



Karl Kittsteiners Radsportkarriere begann 1935, als er sich der 14-Jährige Schreinerlehrling gemeinsam mit seinem Freund Konrad Kessler dem RC Herpersdorf anschloss, wo Sportleiter und Mäzen Andreas Egerer das außergewöhnliche Talent der beiden Neulinge sofort erkannte und großzügig förderte.

Als schneller Straßensprinter fuhr Karl Kittsteiner bereits als Jugendfahrer von Erfolg zu Erfolg. Bereits mit 17 Jahren gewann er bei den Amateuren zahlreiche schwere Straßenklassiker und wurde Nationalfahrer. Nach seinem dritten Platz bei „Mailand-München“ gewann er 1939 als 19-Jähriger in Serie namhafte Straßenrennen in Leipzig, Köln, Magdeburg und Erfurt, sowie die Harz-Rundfahrt und in Österreich die gefürchtete Fernfahrt „Wien-Semmering-Wien“.

Schöne und harte Jahre

„Der Radsport hat mir sehr viel gegeben. Das waren die schönsten und interessantesten Jahre meines ganzen Lebens und ich habe dabei viel von der Welt gesehen", schwärmte der Altmeister oft, der jedoch auch die harten Bedingungen der früher extrem langen Straßenrennen nie vergaß: „Es war schon eine elende Schinderei, viele Rennen über fast 300 Kilometer zu fahren. Die Landstraßen waren miserabel, staubig und voller Schlaglöcher. In den 1930-er-Jahren hatten wir noch etwa 12 Kilo schwere Rennmaschinen mit Holzfelgen, auf denen die ebenso schweren Ballonreifen aufgezogen waren. Reifenschäden waren auf den schlechten Straßen sehr häufig und einen Materialwagen, wie heute üblich, gab es noch nicht. Wir mussten selbst alle Schäden beheben und hatten deshalb auch immer zwei bis drei Ersatzreifen dabei“, erzählte Karl Kittsteiner oft dem staunenden Herpersdorfer Radsport-Nachwuchs, wobei er jedoch stets betonte: „Es waren zwar sehr harte Jahre, doch sie waren die Basis aller meiner späteren Erfolge.“


Karl Kittsteiner mit dem Dortmunder Gustav Kilian. Das Bild wurde 1951 nach dem „Goldenen Rad“ am „Keller“ aufgenommen, das Kittsteiner damals vor dem berühmten „Sechstage-Kaiser“ Gustav Kilian gewann. Kilian war nach seiner Karriere der bis heute erfolgreichste deutsche Rad-Bundestrainer; man nannte ihn deshalb auch den „Goldschmied“. <autor>Radsport-Archiv: Marr
Karl Kittsteiner mit dem Dortmunder Gustav Kilian. Das Bild wurde 1951 nach dem „Goldenen Rad“ am „Keller“ aufgenommen, das Kittsteiner damals vor dem berühmten „Sechstage-Kaiser“ Gustav Kilian gewann. Kilian war nach seiner Karriere der bis heute erfolgreichste deutsche Rad-Bundestrainer; man nannte ihn deshalb auch den „Goldschmied“. Radsport-Archiv: Marr
Foto: Radsport-Archiv / Marr
Karl Kittsteiner mit dem Dortmunder Gustav Kilian. Das Bild wurde 1951 nach dem „Goldenen Rad“ am „Keller“ aufgenommen, das Kittsteiner damals vor dem berühmten „Sechstage-Kaiser“ Gustav Kilian gewann. Kilian war nach seiner Karriere der bis heute erfolgreichste deutsche Rad-Bundestrainer; man nannte ihn deshalb auch den „Goldschmied“. <autor>Radsport-Archiv: Marr
Karl Kittsteiner mit dem Dortmunder Gustav Kilian. Das Bild wurde 1951 nach dem „Goldenen Rad“ am „Keller“ aufgenommen, das Kittsteiner damals vor dem berühmten „Sechstage-Kaiser“ Gustav Kilian gewann. Kilian war nach seiner Karriere der bis heute erfolgreichste deutsche Rad-Bundestrainer; man nannte ihn deshalb auch den „Goldschmied“. Radsport-Archiv: Marr
Foto: Radsport-Archiv / Marr

Ins Steher-Lager gewechselt

Kittsteiners zweite Karriere begann 1948, als er ins Metier der damals sehr populären Profi-Steher wechselte. Auch hier war der zähe Allrounder bald auf allen Pisten ein gefürchteter und erfolgreicher Kämpfer, den zum Meistertitel oft nur ein Quäntchen Glück fehlte: Dreimal wurde Karl Kittsteiner deutscher Vize-Meister der Profi-Steher, bis ihn 1954 auf der Kölner Radrennbahn der große Wurf gelang: Im Finallauf über 100 Kilometer dominierte der einstige Straßenmeister , die gesamte Steherelite und holte sich damit verdient den dritten Deutschen Meistertitel in seiner großen Radsportkarriere. Auch international errang Karl Kittsteiner als Profi-Steher auf den Pisten zwischen Mailand, Paris, Kopenhagen und Amsterdam zahlreiche Siege.

Auch vom Pech blieb Karl Kittseiner in seiner langen Karriere nicht verschont. „Bei drei schweren Stürzen am Reichelsdorfer Keller, auf der Nürnberger ASN-Bahn und in Berlin Neukölln hatte ich jedoch jedes Mal einen guten Schutzengel“, erzählte der Herpersdorfer Altmeister, der am Reichelsdorfer Keller neben dem Nürnberger Heinz Jakobi zehn Jahre lang beliebter und erfolgreicher Lokalmatador war.

Leicht fiel es ihn nicht, als er „am Keller“ 1959 mit 39 Jahren seine Abschiedsrunden drehte. Seinen vielen Fans wird der stets gut gelaunte und humorvolle „Kitt“ unvergessen bleiben.

Die Trauerfeier für Karl Kittsteiner findet statt am Mittwoch, 17. August, 14 Uhr, in der Wehrkirche, in Katzwang. Anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof in Katzwang. 



MANFRED MARR

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