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Sabine Croci schaffte „Bodenseequerung“ in Rekordzeit

Barthelmesauracherin beim „Drei-Länder-Schwimmen“: Tränen vor Schmerz — und Glück - 09.08.2014 11:03 Uhr

Sabine Croci hat allen Grund zur Freude.

Sabine Croci hat allen Grund zur Freude. © F.: Schmitt


Das findet mit Sicherheit den Weg in die Geschichtsbücher. Erst seit kurzem gibt es eine organisierte Bodensee-Dreiländerquerung, bei der alle drei Anliegerländer betreten werden. „Organisiert“ heißt: Der Schwimmer muss bestimmte Regeln und Routen einhalten. Er wird von einem Boot begleitet, und es findet eine offizielle Zeitmessung statt. Wer die 34,95 Kilometer durch Europas größtes Binnengewässer bewältigt, wird in eine Rangliste eingetragen.

Zwei Frauen aus dem Landkreis Roth und Schwabach führen die Liste der Bodensee-Dreiländerquerung an.

Mirjam Schall aus Wolkersdorf hat die Dreiländerquerung bereits erschwommen, als erster Mensch überhaupt unter den Bedingungen des Veranstalters „Bodenseequerung“. Eine großartige Leistung, zumal sie an einer schweren Bindegewebskrankheit leidet.

Aber auch der zweite Drei-Länder-Schwimmer war eine Frau aus der Region: Sabine Croci wohnt in Barthelmesaurch. Die 41-jährige hat erst vor sechs Jahren mit dem Leistungssport begonnen, aber mit Ausdauer und Fleiß schnell Erfolge erzielt.

Ihr Vorteil: Ihre Armspannweite entspricht fast der Körpergröße. „Das nennt man Affenindex“, erklärt sie. Für die Strecke durch den Bodensee von Lindau über Rorschach bis Bregenz brauchte Sabine Croci 12 Stunden 48 Minuten und 26 Sekunden.

Lange Strecken im Wasser

Die Hobbyschwimmerin haben Ehrgeiz und Trainingsfleiß schnell zu einer erfolgreichen Langstrecklerin mit großer Ausdauer gemacht. Mittlerweile hat sie bereits fünf Mal in einer Staffel der Rednitzhembacher Powerbärs am Rother Triathlon teilgenommen, zwei 24-Stunden-Schwimmen gewonnen und 2012 an der Altersklassen-Weltmeisterschaft im Freiwasserschwimmen teilgenommen. Über drei Kilometer hat sie in Riccione unter 100 Teilnehmern den 50. Platz belegt.

Für ihr Abenteuer Bodenseequerung hat sich noch eine Schippe draufgelegt. „Pro Woche bin ich etwa 50 Kilometer geschwommen.“ Als Mitglied des Schwabacher Schwimmvereins (svs.valumni.de) trainierte sie überwiegend im Hallenbad und im Parkbad.

Sponsoren aus der Politik

Croci begeisterte nicht nur ihre Vereinskollegen. Auch Kammersteins Bürgermeister Walter Schnell und Landrat Herbert Eckstein unterstützten sie als Sponsoren.

Am 31. Juli stieg Sabine Croci um 5.31 Uhr am Lindauer Pulverturm in den Bodensee. Ausschließlich mit Badeanzug und -kappe sowie Schwimmbrille. Wärmende Neopren-Anzüge sind verboten.

Zuerst die Rheinmündung

Der erste Abschnitt der Bodenseequerung führte in die Schweiz. Die Rheinmündung ist gefährlich, denn der Rhein führt dort jede Menge Treibholz. „Ein richtiger Teppich“, sagt Sabine Croci. „Dicht an mir zog ein großer Baumstamm vorüber.“ Gatte Roberto und der Skipper im Begleitboot suchten einen Korridor. Hinzu kam: „Das Wasser ist dort unruhiger und kälter.“ Hier zahlte sich das Training im Januar im 2,9 Grad kalten Brombachsee aus.

Dann quälte sie ein Krampf in der rechten Wade. „Ich habe mich auf den Rücken gedreht und ihn rausgedehnt.“

In Rorschach durfte Sabine Croci einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Tochter Melissa und ihre Eltern warteten dort. „Mama, Du schaffst das“, rief ihr die zehnjährige Melissa hinterher. „Das gab mir enorme Kraft“, erzählt Sabine Croci.

Mit Schmerz zum Ziel

Die war auch erforderlich. Denn schließlich hatte sich schon kurz nach dem Start die linke Schulter mit Schmerzen gemeldet. „Anfangs ließ sich das wegdenken, aber ab Kilometer elf wurde es immer schlimmer.“ In Rorschach dachte Sabine Croci sogar ans Aufgeben. Von dort waren es noch etwa sechs Kilometer nach Bregenz. Wieder durch den Holzteppich der Rheinströmung.

„Die letzten 1000 Meter habe ich geweint vor Schmerzen.“ An Land dann aber sicher ausschließlich vor Glück. Denn am Ende war sie bei der Bodenseequerung 108 Minuten schneller als ihre Wolkersdorfer Vorgängerin. 

ROBERT SCHMITT

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