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Bundestagswahl

Sascha Müller (Grüne): Klimapolitik macht Fahrverbote überflüssig

Der 47-jährige Grüne kandidiert im Wahlkreis Nürnberg-Süd/Schwabach — Verbrennungsmotoren: Ausstieg schon 2030 - 29.08.2017 11:33 Uhr

„Ich habe noch nie eine so aufgeschlossene Stimmung erlebt wie in diesem Wahlkampf“, sagt Sascha Müller. „Die Leute sind offen, wollen aber überzeugt werden. Da muss man argumentieren.“ Foto: Wilhelm


Zur Person: Sascha Müller ist 47 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Er wohnt in Nürnberg, gehört aber dem grünen Kreisverband Schwabach an. Geboren ist er in Essen. 1976 zieht die Familie nach Nürnberg. Sein Vater Manfred Müller wird Club-Torwart und Aufstiegsheld gegen RW Essen. "Für mich war das ein Spiel wie jedes andere. Ich habe die Begeisterung meiner Mitschüler gar nicht verstanden."

Sascha Müller interessiert sich von Jugend an für Politik, demonstriert in Wackersdorf gegen die WAA — "friedlich", wie er betont — und geht mit 18 zu den Grünen. Sport und Politik prägen auch sein Berufsleben. Er hat zwei Halbtagsstellen: als Journalist bei Kicker-Online und als Landesschatzmeister der Grünen in München.

"Demnächst werde ich zum ersten Mal Opa", sagt Sascha Müller und freut sich sichtlich darauf. Er erzählt das im Plauderton, als er im Redaktionsgespräch gebeten wird, doch ein wenig von sich als Privatperson zu berichten. "Und wissen Sie was", fügt er hinzu. "Mir macht das nochmal ganz bewusst, wie wichtig die entscheidende Frage ist: Wie hinterlassen wir den Generationen nach uns diese Erde? Deshalb ist für mich der Klimaschutz das wichtigste Thema. Das ist meine persönliche Motivation, Wahlkampf zu machen."

Durch den Streit über die Zukunft des Diesel-Motors sorgt der Klimaschutz für eines der bisher wenigen Aufregerthemen im Wahlkampf. CSU-Chef Horst Seehofer hat Fahrverboten eine klare Absage erteilt. Wie er dazu steht? "Mir ist auch nicht wohl dabei. Die Fahrer, die gutgläubig einen Diesel gekauft haben, können ja nichts für den Dieselskandal", sagt Sascha Müller. "Aber die Grenzwerte sind da und die Autos fahren nun einmal. Ich fürchte, dass Fahrverbote kommen, und zwar völlig egal, wer regiert. Über Klagen entscheiden ja nicht Parteien, sondern die Gerichte."

Müllers Schlussfolgerung: "Wir müssen eine Politik machen, die Fahrverbote überflüssig macht. Der Kompromiss mit den Software-Updates ist aber völlig unzureichend." Die Autoindustrie sei in der Lage, die Grenzwerte einzuhalten, habe dies versprochen und sei nun in der Pflicht.

Man dürfe die Autoindustrie nicht überfordern. "Aber unsere Techniker sind doch nicht blöder als andere." In anderen Ländern aber sei man in Sachen Elektrofahrzeuge schon weiter.

Die Aufgabe der Politik sei deshalb eine doppelte: "Wir brauchen klare Regelungen." Deshalb sind die Grünen die einzige Partei, die den Abschied von Verbrennungsmotoren konkret als Ziel formiert: "2030 soll kein neues Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden." Ähnliche Pläne gibt es bereits in Großbritannien und Frankreich. Anders seien die Klimaziele von Paris nicht zu erreichen.

Vorbild Kretschmann

"Gleichzeitig müssen wir die Infrastruktur für schadstofffreie Elektroautos massiv ausbauen", sagt Müller. "Der viel gescholtene grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat deshalb ein 40-Millionen-Förderprogramm für Ladestationen aufgelegt. Gleichzeitig hält er engen Kontakt zu Daimler und Porsche. Das ist genau die richtige Politik."

Mehr Elektroautos bedeuten auch mehr Energieverbrauch. "Deshalb gehören E-Autos und Energiewende zusammen", betont Sascha Müller. "Wir brauchen den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 und müssen die dreckigsten Kohlekraftwerke sofort vom Netz nehmen."

Statt dessen müsse der Ausbau von Solar- und auch Windenergie weiter vorangetrieben werden. Deshalb wirbt Müller auch für umstrittene Stromtrassen, die die Energie von der Nordsee in den Süden bringen sollen. "Wir wollen sie möglichst erdverkabeln. Aber nach heutigem Stand müssen wir davon ausgehen, dass wir sie brauchen."

Was der Klimaschutz ebenfalls brauche: "Wieder eine grüne Regierungsbeteiligung. Wir waren ja auf einem guten Weg. Aber seit zwölf Jahren ist der Kohlendioxidausstoß nicht mehr gesunken. Und die CSU in Bayern verhindert durch die Abstandsregelung den Ausbau der Windenergie, wie jetzt auch Schwarz-Gelb in NRW. Grün macht den Unterschied."

Und welche Koalition schwebt ihm vor? Für Rot-Grün sieht er keine Mehrheit. Also Schwarz-Grün? "Dafür werb ich nicht", sagt Müller. "Aber wenn die Klimakanzlerin eine echte Klimakanzlerin würde, dann müssten wir zumindest ernsthaft verhandeln."

  

GÜNTHER WILHELM

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