Dienstag, 13.11.2018

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Schlacke und seltene Keramik

Vor dem Badhaus befand sich an der Schwarzach ein Eisenverhüttungsplatz - 17.11.2012 11:00 Uhr

Ralf Rossmeissl beim Freilegen des Badofens, der mit dem Fundament im Grundwasser steht, das in den vergangenen 500 Jahren um rund einen Meter gestiegen ist. © oh


Wie berichtet, ist das Wendelsteiner Badhaus durch Aufzeichnungen in Archiven gut dokumentiert (Zum Thema). Interessant ist auch, dass viele alte Bauteile in erstaunlich gut erhaltenem Zustand geborgen werden konnten. Der Dachstuhl stammt laut dendrochronologischer Untersuchung aus dem Jahr 1450 (nach der Zerstörung 1449 im Markgrafenkrieg), ebenso wie das Gebälk der St.-Georgskirche, die derzeit saniert wird. Kirche und Badhaus wurden also zur selben Zeit wieder aufgebaut.

Die Dürre in diesem Jahr sei ein Glücksfall gewesen, meint Rossmeissl, da die Spuren der ersten beiden Bauphasen deutlich unter dem sonst üblichen Grundwasserpegel lagen, nämlich rund 1,5 Meter. Wie Ralf Rossmeissl berichtet, sind im und beim Badhaus etliche Schlackebrocken zutage getreten.

Er zieht daraus zwei Schlüsse: Erstens habe sich an Stelle des Badhauses, am Schwarzachufer, zuvor ein Verhüttungsplatz für das auch in unserer Gegend vorkommende Rasen-Eisenerz befunden. Zweitens seien die Schlackestücke im Badhaus als wärmespeichernde Badsteine benutzt worden. Rund eine Tonne solcher Schlacken - Reste der Eisenverhüttung - seien für das Freilandmuseum geborgen worden.

Ausgegraben hat Ralf Rossmeissl auch einen so genannten Rennofen (darin wurde früher aus Rasen-Eisenerz Eisen geschmolzen). Allerdings gab es dabei einen Wassereinbruch. „Das Wasser kam so schnell, ich konnte nicht einmal ein Foto machen“, erinnert er sich.

Stücke von Ofenkacheln

Im Untergrund seien fast keine Scherben gefunden worden. Sie würden den Archäologen eine ziemlich genaue Datierung ermöglichen. Allerdings kann Rossmeissl doch auf einige wenige besondere Keramik-Bruchstücke verweisen. Es handle sich dabei um die Reste von Ofenkacheln von einem der Badöfen.

Die mehrfarbig glasierten Scherben weist er dem Zeitraum um 1530 zu und nennt als ihren Hersteller den Nürnberger Hafnermeister Paul Preuning. Dieser Meister des Mittelalters ist vor allem durch seine bunt glasierte Töpferware bekannt. Krüge von ihm stellt das Metropolitan Museum of Art in New York aus und das Auktionshaus Sotheby's versteigert sie.

Ralf Rossmeissl lobt die gute Zusammenarbeit bei der Badhaus-Bergung zwischen Freilandmuseum und Gemeinde Wendelstein. Die Gemeinde habe für die Arbeiten an den Resten des Badhauses sogar zeitweise einen Bautrupp abgestellt. Positiv hebt Rossmeissl auch hervor, dass alles exakt abgesprochen worden sei, und die Absprachen auch eingehalten wurden.

Nächstes Jahr Vorträge

Nächstes Jahr wird Ralf Rossmeissl die Geschichte des Badhauses und die Funde in zwei Vorträgen in Wendelstein beleuchten. 

GUNTHER HESS

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