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Kleiner Mann ganz groß – trotz seiner zwölf Jahre ist Oliver Hartl im Billardsport schon ein ganz „Großer“ und schockt damit nicht wenige seiner meist älteren Gegner. 2011 konnte er seinen bayerischen Meistertitel in der Poolbillard-
Disziplin „14/1“ erfolgreich verteidigen und darüber hinaus auch mit mehreren weiteren Meisterschaftsplatzierungen und der Berufung in die Landesauswahl glänzen.
Ob Oliver überhaupt schon über den Tisch habe lugen können, als er mit gerade mal acht Jahren seine Leidenschaft für den Billard-Sport entdeckte? Da seien sie sich heute nicht mehr sicher, scherzen Trainer Tevfik Cengiz und sein Schützling Oliver gemeinsam. An seinen hervorragenden Spielanlagen änderte das allerdings schon damals nichts, verdiente sich der junge Nachwuchsspieler doch schon früh den Respekt der meist doppelt so alten Vereinskameraden in der Rother Pool Factory (heute TSG 08 Roth).
Die „Einstiegshilfe“ in den Konzentrations- und Koordinationssport lieferten die Eltern – wenn auch etwas unfreiwillig. Ein „langweiliger“ Türkei-Urlaub brachte den achtjährigen Oliver an den hoteleigenen Billardtisch, von dem er fortan nur noch schwer wegzubekommen war. Ein Bekannter der Familie nahm sich des begeisterten Billard-Frischlings an und wurde sein „Sparringspartner“. Heute will er sich mit dem sportlichen Aushängeschild des Rother Billardvereins allerdings nicht mehr messen, und Abteilungsleiter Marco Knapp nötigt die beeindruckende Entwicklung des Nachwuchsspielers gehörigen Respekt ab. (Zu) gut für den Großteil der vereinsinternen Konkurrenz sei Oliver mittlerweile geworden.
Dafür widmet sich heute Bundes- und Landestrainer Andreas Huber den Fähigkeiten des jungen Rothers. Er berief Oliver Hartl in diesem Jahr in seine Landesauswahl. Auf regelmäßigen Tageslehrgängen bekommt Oliver nun die Gelegenheit, sich mit den besten Altersgenossen Bayerns zu messen. Zudem kann er dort vom Fachwissen eines ganzen Trainierstabes profitieren.
Deren Trainingsmethoden mögen manch Unbeteiligten auf den ersten Blick verwundern. Mehrmals in der Woche sollen die Jugendlichen beispielsweise Yoga-Training betreiben. Wer sich allerdings in die Nerven der Spieler reinversetzt, die wie Oliver während des diesjährigen Finales der bayerischen Meisterschaft beim entscheidenden Stoß einen ruhigen Kopf und vor allem ruhige Hände bewahren müssen, versteht den Sinn der regelmäßigen Entspannungsübungen.
„Ohne einen Ausgleichssport geht es nicht“, weiß auch Trainier Cengiz. So spielt Oliver Hartl darüber hinaus zwei- bis dreimal die Woche Basketball. Ebenfalls recht erfolgreich, wie seine Berufung in den erweiterten Kreis der Bayernauswahl belegt. Denn auch hier geht es im übertragenen Sinne ja um das „Einlochen von Kugeln“. Und genau hier liege Hartls große Stärke, beschreibt Cengiz die besonderen Fähigkeiten seines langjährigen Schützlings.
Und er muss es wissen: Zweimal in der Woche trainieren die beiden Körperhaltung, Standardsituationen und der Technik. Weitere zweimal die Woche versucht Oliver in Eigenregie, sein Spiel zu verbessern. Immer und immer wieder legt er sich dann die Kugeln in die identischen Positionen, bis der Stoß endlich perfekt sitzt.
„Geduld, Ehrgeiz und Konzentrationsvermögen“ beschreibt Marco Knapp die Anforderungen an das gemeinsame Hobby, das sogar olympisch anerkannt sei. Eine spätere Teilnahme an den „World Games“, der jährliche Höhepunkt der Billard-Welt, sei auch für Hartl nicht ganz unmöglich. Das ist allerdings im Moment noch Zukunftsmusik.
Hartls besondere Stärke ist das „14/1“, eine besondere Gattung des Poolbillards, bei der es darum geht, möglichst viele Kugeln unabhängig von ihrer Farbe zu versenken und so möglichst viele Punkte auf das eigene Konto anzuhäufen. Aber auch in den übrigen Varianten Acht-, Neun-, oder Zehn-Ball gehört der Zwölfjährige mit seinen jeweiligen zweiten Plätzen in der C-Klasse zur absoluten Spitze im Freistaat.
Im Liga-Alltag mit seinen acht Spieltagen hatte Oliver Hartl in der abgelaufenen Saison großen Anteil am Aufstieg der dritten Mannschaft der TSG 08 Roth in die Bezirksliga. In der bisherigen „Kreisliga B“ konnte Oliver Hartl auch ohne Altersbeschränkungen seiner Gegner mit vielen Siegen überzeugen. Und so traut ihm sein Trainer auch mittelfristig den Sprung in die erste Mannschaft des Vereins zu, die immerhin in der Landesliga auf Punktejagd geht. Hier wird Oliver allerdings wieder zu den Jüngsten gehören. Keine neue Erfahrung für den sympathischen Wirtschaftsschüler.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.