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Schwabachs Stadtkrankenhaus bietet keine Geburtshilfe mehr an

"Geboren in Schwabach" hat bald Seltenheitswert - 18.10.2014 11:46 Uhr

Einen „Babyboom“ wird es im Schwabacher Krankenhaus ab 2015 nicht mehr geben. Die Klinik muss die gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung schließen. Ein „schmerzlicher Schritt“, so OB Thürauf. © Archivfoto: Tschapka


Das Stadtkrankenhaus schließt seine gynäkologische Abteilung Ende des Jahres. Auch Geburten werden dann in der Klinik an der Regelsbacher Straße nicht mehr stattfinden. Das hat der Aufsichtsrat des Krankenhauses einstimmig beschlossen. Und offenbar auch beschließen müssen, wie Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Thürauf gegenüber der Lokalredaktion verdeutlichte.

Voraussetzung für den Betrieb der geburtshilflichen Abteilung sei eine ausreichende Versorgung mit Hebammen, die den werdenden Müttern beistehen. Doch Hebammen stehen dem Krankenhaus ab 2015 nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung.

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Die Klinik habe große Anstrengungen unternommen, Hebammen für Geburten im Stadtkrankenhaus zu finden. Zuletzt hatte man mit großen Zeitungsanzeigen „eine Beschäftigung als freiberufliche Hebamme zu besonderen Konditionen“ angeboten, wie Krankenhaus-Geschäftsführer Diakon Klaus Seitzinger sagte. Darin hatte das Krankenhaus – dank Unterstützung durch die Stadt Schwabach – eine finanzielle Vergütung für zwölfstündige Rufbereitschaft angeboten und bei einer entsprechenden Zahl von monatlichen Rufbereitschaften auch die komplette Übernahme der immens gestiegenen Haftpflichtversicherungs-Beiträge der Hebammen.

Doch alles hat nicht genützt, lediglich eine Interessentin habe sich gemeldet, doch damit wäre ein Rund-um-die-Uhr-Bereitschaftsdienst von Hebammen nicht sicherzustellen gewesen. Seitzinger verweist auf einen Paragrafen im Hebammengesetz, wonach in einer Klinik eine „regelhafte Geburt“ nur in Anwesenheit einer Hebamme stattfinden dürfe. Man sei somit ab dem neuen Jahr nicht mehr in der Lage, die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen.

Der Aufsichtsrat hatte sich auch damit zu befassen, ob unter diesen Umständen der kleine Bereich Gynäkologie – von den planmäßig vorhandenen 22 Betten der Abteilung waren im Schnitt nur fünf bis sechs belegt – fortgeführt werden soll. Auch unter Einbeziehung des Chefarztes habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, dass dies nicht sinnvoll sei, so Thürauf. Der Aufsichtsrat habe der Geschäftsführung nun den Auftrag erteilt, ein belegärztliches Modell für gynäkologische Behandlungen im Stadtkrankenhaus auf die Beine zu stellen. Ähnlich wie beispielsweise auf dem Gebiet der Hals-Nasen- Ohren-Heilkunde sollen niedergelassene Gynäkologen ihre Patientinnen im Stadtkrankenhauses stationär behandeln.

Keine Entlassungen

Oberbürgermeister Matthias Thürauf bezeichnete all dies als „insgesamt sehr schmerzliche Sache“, ist aber genauso wie Geschäftsführer Seitzinger überzeugt, dass die nun gefassten Beschlüsse dem Stadtkrankenhaus mittel- und langfristig in wirtschaftlicher Hinsicht gut tun werden. Die Schließung der geburtshilflich-gynäkolgischen Abteilung werde zu keinen Entlassungen führen, versicherten Seitzinger und Thürauf.

Rund 300 Geburten hatte es in den letzten Jahren im Schnitt im Stadtkrankenhaus gegeben. Bei rund der Hälfte der Kinder kamen die Eltern aus Schwabach. Und etwa ebenso viele Eltern hatten eine Klinik außerhalb der Stadt für die Geburt ihres Kindes gewählt. 

JÜRGEN KARG

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