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Donnerstag, 26.04.2018

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"Vibraphonissimo": Wenn Musik nach Farbe klingt

Ungewöhnliches Konzert im Schwabacher Stadtmuseum Mit Radek Szarek - 27.01.2018 14:00 Uhr

Radek Szarek (re.) und seine Musiker zauberten ungewöhnliche Klänge ins Stadtmuseum. Die passenden Bilder, live gemalt, steuerte die Fürther Malerin Sascha Banck bei. © Foto: Robert Schmitt


Das von der Nürnberger Musikerin und Komponistin Izabella Effenberg ins Leben gerufene Vibraphonfestival findet 2018 zum fünften Mal statt. Anlässlich des kleinen Jubiläums ist es über Nürnberg und Fürth hinausgewachsen. Es macht auch in Erlangen, Neumarkt und Schwabach Station. "Between two worlds" hieß Szareks Auftritt im Schwabacher Stadtmuseum, denn künstlerisch war er in der Tat "zwischen zwei Welten" angesiedelt. Inspiriert von der Musik steuerte die Fürther Malerin Sascha Banck digitale Live-Malerei bei. Picasso, Dali und Kiefer lassen grüßen.

Bancks schneller und flexibler Malstil wurde vom iPad auf eine Leinwand hinter den Musikern projiziert. Kreise, Flächen, Linien, Ornamente in verschiedenen Farben ließen Bilder entstehen, die den akustischen Moment erfassten, aber immer wieder neue Gesamteindrücke lieferten.

Wie im Rausch

Schließlich überlagerte sich Farbfläche um Farbfläche wie im Rausch. In hoher Geschwindigkeit wechselte ein Bild das nächste ab. Die moderne Technik macht es möglich. So entstand ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, das die Sinne allerdings enorm forderte. Für eine voll erfassende Konzentration auf beides, den akustischen und optischen Eindruck, hätte es einiger Übung bedurft.

Das Percussion-Ensemble der Musikhochschule Nürnberg besteht neben seinem Leiter aus Felix Bratfisch, Felix Uttenreuther, Tim Weidig und Xiao Wang. Mit Marimba- und Vibraphon sowie Schlagzeug, Cajon und Bongos ließen sie ein Klangerlebnis entstehen, das das Publikum ebenso forderte wie begeisterte. Dabei war eine technische Meisterschaft erkennbar, die ihresgleichen sucht. Stets mit zwei Klöppeln in jeder Hand entlockten die Interpreten den länglichen Holz- und Metallscheiben schier unglaubliche Tonfolgen.

Nicht immer bediente das Quintett dabei herkömmliche Hörgewohnheiten, schöpfte aber die Stärken von Marimba- und Vibraphon voll aus. Zusammen mit dominantem Trommel-Rhythmus schwang sich das Schlagwerk an vielen Stellen zu einer Einheit auf, die den Zuhörer nachhaltig erfasste. Die glockig-helle Spritzigkeit des Vibraphons vereinigte sich mit den warmen Bass-Tropfen des Marimbaphons zu einer ganz besonderen melodischen Qualität, die den Superlativ geradezu herausfordert: Bravissimo, Vibraphonissimo. 

ROBERT SCHMITT

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