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Montag, 24.09.2018

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Von wegen Hitze: Die Rednitz führt eiskaltes Wasser

Einleitung aus tiefen Schichten des Großen Brombachsee ist Schuld - 10.08.2018 05:58 Uhr

Stand-Up-Paddler in Rednitzhembach, hier ein Bild von den Kreismeisterschaften im vergangenen Jahr. Seitdem der Große Brombachsee für die Wasser-Überleitung nach Nordbayern angezapft wird, sind die Wassertemperaturen in der Rednitz um fast zehn Grad gefallen. Ein Sturz vom Board ins Wasser ist seitdem doppelt erfrischend. © Archiv-Foto: R. Schmitt


Die Stand-up-Paddler bei der Kahnfahrt in Rednitzhembach machen sich im Sommer normalerweise einen großen Spaß daraus, sich hin und wieder gegenseitig von ihrem mit Luft gefüllten Brett zu befördern. Bis Ende Juli war das kein Problem. Die Rednitz hatte sich auf fast 25 Grad aufgeheizt – das bedeutet Stress für die Fische. Für Zweibeiner war ein Sprung ins Wasser angesichts von Lufttemperaturen von über 30 Grad trotzdem noch eine angenehme Erfrischung.

Doch seitdem der Wasserausgleich von Süd- nach Nordbayern nur noch sporadisch über den Rothsee und stattdessen im Wesentlichen über den Brombachsee erfolgt, ist das anders. Am Wochenende sah man an der Rednitzhembacher Kahnfahrt erstmals seit langem etliche bibbernde Wasserratten. Die Wassertemperatur gingen nach den ersten Tagen der Überleitung deutlich in den Keller.

Der Weg des Wassers

Das ist nur auf den ersten Blick überraschend. Derzeit werden pro Sekunde elf Kubikmeter Wasser vom Großen Brombachsee in den Brombach "gekippt" – das entspricht in etwa 70 Badewannenfüllungen. Von dort fließt das Wasser in die Schwäbische Rezat, von dort in die Rednitz und dann weiter in Regnitz und Main.

60 Prozent des Rednitzwassers kommen nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach derzeit aus dem Brombachsee und damit aus der Altmühl. Weil der "Stöpsel" des Brombachsees ähnlich wie der einer Badewanne im unteren Bereich des Gewässers eingebaut ist, fließt aus dem See sehr kaltes Wasser. Es mischt sich zwar sehr schnell mit dem Wasser der Rednitz. Doch knapp 25 Grad hier und unter zehn Grad da sorgen dafür, dass das Wasser der Rednitz trotzdem derzeit eher an April denn an Hochsommer erinnert.

Konkret: Gestern wurden am Pegel der Schwäbischen Rezat in Mühlstetten (mit Brombachsee-Wasser) 11,5 Grad gemessen. Nur wenige Kilometer weiter westlich, am Pegel der Fränkischen Rezat in Wernfels (ohne Brombachsee-Wasser) waren es 22 Grad. In Rednitzhembach gibt es keine offiziellen Messungen. Doch mehr als 15 Grad sind es wohl nicht im Triebwerkskanal, dem künstlichen Seitenarm der Rednitz, der sich unter Kahnfahrt-Chef Roland "Doc Knotz" Laschinger zu einem Freizeit-Dorado entwickelt hat.

Das System funktioniert

Unabhängig vom Freizeitspaß: Das Überleitungssystem funktioniert nach Aussage des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes in Ansbach problemlos. Normalerweise trägt die Hauptlast dieser Überleitung der Rothsee, der über den Kanal mit Donauwasser "gefüttert" wird. Dieses Wasser gibt er über die Kleine Roth, die Roth und die Rednitz nach Nordbayern ab. Derzeit darf aber kein Donauwasser nach Nordbayern geleitet werden. Denn auch in Südbayern ist es viel zu trocken, Bayerns größter Fluss führt ebenfalls Niedrigwasser.

Bis zu einem gewissen Grad kann der Rothsee zwar noch angezapft werden – derzeit fließen etwa 500 Liter pro Sekunde ab –, doch bei extremer Trockenheit muss das größte Staubecken des Seenlandes, der Große Brombachsee, herhalten. Pro Tag sinkt der Wasserspiegel dort jetzt um etwa elf Zentimeter, inzwischen liegt die Wasseroberfläche knapp 1,40 Meter niedriger als normal. Einige Wochen lang lässt sich das noch durchhalten, ohne dass es zu größeren Einschränkungen kommt. Die MS Brombachsee zum Beispiel schippert nach wie vor über den See, auch die Badegäste merken noch nicht viel von der Überleitungsfunktion – sieht man einmal davon ab, dass die Strände allmählich breiter werden. 

Robert Gerner Schwabacher Tagblatt E-Mail

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