Schon vor zwei Jahren waren die beiden Schützen vom Jura aus Adelaide/Australien mit einem Koffer voller Medaillen zurückgekommen, und auch in Portugal hatten beide das Visier wieder einmal perfekt eingestellt.
Allerdings hatte Roland Juranek nach einer fast 30-stündigen Busfahrt mit dem deutschen Team nach Portugal an den ersten beiden Wettkampftagen mit einer Virusinfektion zu kämpfen. „Da war ich körperlich nicht gut beieinander“, bilanziert der 52-Jährige.
Hinzu kam auch ein wenig Pech, denn im Einzelwettbewerb mit der Muskete verbesserte Roland Juranek mit 97 Ringen zwar den seit Jahren bestehenden Weltrekord, doch der Schwede John Karlsson traf noch besser und sicherte sich mit 98 Ringen Titel und neuen Rekord. Gold gab es jedoch in den Team-Wettbewerben mit der Muskete, mit dem Luntengewehr und im „GP de Versailles“, einem kombinierten Wettkampf mit Dienstgewehr und Muskete. Mit dem Steinschlossgewehr sicherte sich das deutsche Schützentrio mit Juranek die Silbermedaille, und mit dem Dienstgewehr gab es noch Team-Bronze.
„Deutschland war wieder die beste Nation“, freute sich Rita Pamer über die Landesbilanz, zu der auch sie und ihr Lebensgefährte Josef Mayr einiges beigetragen haben. Die gebürtige Kaltenbucherin, die nach der Rückkehr aus Portugal erst einmal auf dem elterlichen Hof mit einem Fest empfangen wurde, legte mit dem Perkussions-Freigewehr über die Distanz von 100 Metern 100 Ringe vor und sicherte sich damit Gold und den neuen Weltrekord.
Mit weiteren 100 Ringen mit dem Perkussionsgewehr über 50 Meter wurde die Vorderladerschützin nur Zweite – eine Französin hatte ebenfalls 100 Ringe erzielt und war in der Endabrechnung um einen Millimeter besser als Rita Pamer, die wie ihr Lebensgefährte für die Pfalzburger Schützen im oberbayerischen Warngau anlegt.
Im Teamwettbewerb holte sich die 36-Jährige mit dem Perkussionsgewehr über 100 Meter die Silbermedaille, knapp hinter dem französischen Trio. Doch mit der Perkussionspistole trumpften Rita Pamer und ihre beiden Kameradinnen noch einmal groß auf. Mit 288 Ringen stellten sie einen neuen Weltrekord auf und sicherten sich mit einigem Vorsprung Gold.
Ihr Lebensgefährte Josef Mayr gewann dreimal Mannschafts-Gold und eine Silbermedaille im Einzel mit der Muskete. Beide waren das erfolg-reichste Paar der Weltmeisterschaften.
Für den Erfolg sind nicht nur gute historische Waffen oder entsprechende Nachbauten nötig, sondern auch ein enormer Aufwand im Training und bei der Pflege der Waffen. Juranek wie Pamer und Mayr trainieren in Thalmässing, weil es dort den passenden Schießstand gibt.
Nach dem Training ist allerdings zunächst keine Zeit zum Ausruhen. Die Waffen mit ihren meist nicht rostfreien Stahlläufen wollen geputzt und gepflegt werden. „Im Schwarzpulver sind Salze enthalten, die den Lauf schnell rosten lassen“, weiß Josef Mayr.
Doch nicht nur dabei ist ein enormer Aufwand nötig. Von der richtigen Mischung des Schwarzpulvers über die selbst gegossenen Kugeln, das Fett für das Geschoss und die passende Stärke des kleinen Tuchstücks, welches mit der Kugel in den Lauf gestopft wird, muss alles passen. Materialbedingte Ungenauigkeiten müssen ausgemerzt werden. Das geht sogar so weit, dass die runden oder zylindrischen Geschosse aufs Zehntelgramm genau abgewogen werden, um konstante Schießergebnisse erzielen zu können.
Eine Akribie, die sich zumindest bei den drei Schützen mit einer Portion Talent und Treffsicherheit paart und damit ausgezahlt hat.

Mittwochs in der MUZ: Wir verlosen Gästelistenplätze für Playfellow, Kevin Devine & Jaymay und Liz Green.
Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.