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SPD fürchtet Streichung von 6800 Lehrerstellen bis 2020

Reaktion auf zurückgehende Schülerzahlen - Ganztagsunterricht gefährdet - 07.02.2014 18:03 Uhr

Bayerns Schulen werden sich in den kommenden Jahren allmählich leeren. © dpa


Die Landtags-SPD fürchtet nach den ersten Streichungen von Lehrerstellen tausende weitere Kürzungen bis 2020. Da die Schülerzahlen stark zurückgehen werden, werde die Staatsregierung vermutlich auch die Stellenkürzungen fortsetzen, sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll der Nachrichtenagentur dpa.

Ausgehend von der ersten Runde geht die SPD davon aus, dass bis zu 1000 Stellen jährlich wegfallen könnten. Bis 2020 könnten das etwa 6830 Stellen sein. „Das ist eine sehr konservative Schätzung“, betonte Güll.

Das Kultusministerium wies das als „reine Spekulation“ zurück. „Der Haushalt des Freistaats Bayern ist für die Jahre 2013/2014 verabschiedet, die Verhandlungen zum Nachtragshaushalt für 2014 stehen erst bevor“, sagte ein Sprecher am Freitag in München. „Wie die SPD bereits heute Feststellungen für 2020 treffen will, kann nicht nachvollzogen werden.“

Die Schülerzahl in Bayern wird nach der Prognose des Kultusministeriums von 1,72 Millionen im Jahr 2013 auf 1,58 Millionen im Jahr 2020 zurückgehen – ein Minus von gut acht Prozent. Derzeit verfügt das Kultusministerium noch über 87.000 volle Lehrerplanstellen – eine Kürzung von 6830 Stellen wäre prozentual etwas niedriger als der Rückgang der Schülerzahlen.

Vor dem Kultusministerium in München demonstrierten am Freitagvormittag einige hundert Schüler gegen die CSU-Schulpolitik.

Güll kritisierte, dass Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bisher keine Analyse des künftigen Lehrerbedarfs vorgelegt hat. „Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat eine Ganztagsgarantie zugesagt, eine Stärkung individueller Förderung und Inklusion“, sagte Güll. „Wenn er diese Aufgaben festschreibt, müsste er seriöserweise aber auch sagen, wie er diese Ziele erreichen will.“

In der Tat hat das Kultusministerium bislang keine genauen Zahlen vorgelegt, wie viele Lehrerstellen in diesem Jahr gestrichen werden sollen. Finanzminister Markus Söder (CSU) hatte zuletzt von 196 Stellenstreichungen gesprochen, aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD ergibt sich ein Nettominus von 401 Stellen. Der Bildungsausschuss des Landtags hatte deswegen am Donnerstag einstimmig einen Bericht des Kultusministeriums zur Entwicklung von Schüler – und Lehrerzahlen in den nächsten Jahre gefordert. Initiator waren die Freien Wähler. „Das darf nicht auf die lange Bank geschoben werden“, sagte der FW-Bildungspolitiker Günther Felbinger. „Wir erwarten, dass der Bericht bis Ostern vorliegt.“

Allein der Ausbau des Ganztagsunterrichts wäre nach Gülls Einschätzung ohne mehrere hundert Stellen zusätzlich nicht zu bewältigen. „Ganz grob gesprochen brauchen Sie für drei zusätzliche Ganztagsklassen einen zusätzlichen Lehrer“, sagte Güll. „Wir haben derzeit 20.000 Grundschulklassen in Bayern, darunter sind 2700 gebundene Ganztagsklassen. Unter 500 zusätzlichen Stellen ist an einen Ausbau gar nicht zu denken.“

„Gebundener Ganztag“ bedeutet, dass in diesen Klassen auch nachmittags unterrichtet wird. Die meisten Ganztagsangebote in Bayern sind „offen“. Das heißt, dass der Unterricht vormittags stattfindet und die Kinder nachmittags im Hort oder einer anderen Einrichtung betreut werden. 

dpa

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