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Strecke Nürnberg-Fürth: Ein Güterzugtunnel gegen den Stau

Mehrere Bahnprojekte in der Region steigen im Bundesverkehrswegeplan auf - 07.11.2018 08:51 Uhr

Insgesamt siebeneinhalb Kilometer lang soll der neue Güterzugtunnel zwischen Nürnberg und Fürth einmal sein. © Grafik: DB AG


Zwischen Nürnberg und Fürth trifft sich der Großteil des Nah- und Fernverkehrs aus westlicher und nördlicher Richtung, dazu kommen noch die Güterzüge.

Dieser "Flaschenhals" führt immer wieder zu erheblichen Problemen und daran hat auch der viergleisige Ausbau im Rahmen des "Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8" nichts geändert. Zwar ist die über zehn Milliarden Euro teure Hochleistungsstrecke Nürnberg—Berlin seit Ende 2017 in Betrieb und fährt seither Passagierrekorde ein. Doch die im Rahmen des Megavorhabens geplante Güterzugstrecke zur Entlastung des Fürther Bogens wurde nicht realisiert, so sehr sich der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn und seine Nachfolger auch dafür eingesetzt haben.

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Ab in den Untergrund

Doch jetzt soll die Entlastung für den Personenverkehr auf den Gleisen tatsächlich kommen, die komplett neue Trasse für die Güterzüge gebaut werden. Südlich des Haltepunkts Eltersdorf werden sich die Gleise auftrennen, der Güterverkehr rollt dann alleine entlang der A 73 und verschwindet bei Fürth-Kronach in einem insgesamt 7,5 Kilometer langen Tunnel. Südlich des Nürnberger Großmarkts kommen die Züge auf dem Weg zum Rangierbahnhof dann wieder an die Oberfläche.

Die Grundlage für die Realisierung hat jetzt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gelegt. Zwei Jahre, nachdem der neue Bundesverkehrswegeplan mit einem Gesamtvolumen von 270 Milliarden Euro unter seinem Vorgänger Alexander Dobrindt beschlossen wurde, steigen nachträglich 29 Schienenprojekte in ganz Deutschland in den so genannten "vordringlichen Bedarf" auf. Allein auf den Freistaat entfallen dabei acht Vorhaben, die bis 2030 realisiert oder zumindest begonnen werden sollen. Dabei handelt es sich um 22 Neu- und Ausbauvorhaben, dazu kommen Großbaumaßnahmen in den Eisenbahnknoten München, Mannheim, Köln, Hannover, Hamburg und Frankfurt sowie weitere Ausbauvorhaben für den Einsatz von bis zu 740 Meter langen Güterzügen.

Der Hintergrund für die Hochstufung der Projekte in die höchste Kategorie ist der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union. Demnach soll die Schiene als umweltfreundlicher und für eine Mobilitätswende unerlässlicher Verkehrsträger gestärkt, die Kapazitäten sollen spürbar ausgebaut werden. Dabei spielt auch die Einführung eines "Deutschlandtakts" mit aufeinander abgestimmten Fahrplänen für den Fern- und Nahverkehr, direkten Verbindungen und schnellen Umsteigemöglichkeiten in den größeren Bahnhöfen eine Rolle, der bis 2030 realisiert werden soll.

Scheuer selber betonte, es handle sich um Projekte, bei denen es nicht schon "morgen" einen Spatenstich gebe und die dann "übermorgen" fertig seien. Es werde bei den konkreten Planungen noch erhebliche Diskussionen geben. Auch wenn die Finanzierung gesichert ist, dauern die nötigen Planfeststellungsverfahren in Deutschland lange, muss mit zeitverzögernden Klagen gerechnet werden und bis die ersten Züge rollen, vergeht in den allermeisten Fällen deutlich über ein Jahrzehnt.

In dieser Hinsicht wird auch der Güterzugtunnel keine Ausnahme machen und was er am Ende kosten wird, ist ohnehin noch nicht klar. Bislang gab es nur eine sehr betagte Schätzung, die knapp 400 Millionen Euro veranschlagte. Das Verkehrsministerium veranschlagt die "Gesamtkosten der Ergänzungen" jetzt auf 652 Millionen Euro. Insgesamt sind mit der Höhergruppierung aller acht bayerischen Vorhaben zusätzliche Investitionen von 3,5 Milliarden Euro verbunden, so die Vorsitzende der CSU-Verkehrskommission, Daniela Ludwig.

Schnell in Stuttgart

Darunter befinden sich auch weitere Projekte in der Region, so wie die komplette Elektrifizierung der Gleise zwischen Nürnberg, Schwandorf, Regensburg, Furth im Wald und der Grenze zu Tschechien. Zudem soll die Strecke zwischen Nürnberg, Schwäbisch Gmünd/ Backnang und Stuttgart für den Einsatz von Neigetechnik-Zügen ertüchtigt werden, was laut des Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Martin Burkert eine Fahrzeitverkürzung von 30 Minuten bringt.

Auf der Liste für die hochgestuften Ausbauprojekte finden sich zudem die Strecke Regensburg-Mühldorf mit teilweiser Elektrifizierung, ein drittes Gleis zwischen Donauwörth und Augsburg sowie zahlreiche Maßnahmen zur Ertüchtigung der Ausbaustrecke München-Mühldorf-Freilassing. Im Knoten München stehen vier Projekte zur Kapazitätserweiterung an.

Matthias Gastel als bahnpolitischer Sprecher der Grünen gehen die Pläne nicht weit genug. Wenn es Verkehrsminister Scheuer mit einer wirklichen Bahnoffensive und einem Deutschlandtakt ernst meine, müssten "pro Jahr deutlich über zwei Milliarden Euro für den Neu- und Ausbau des Schienennetzes" frei gemacht werden, so Gastel.


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Arno Stoffels Reporter-Team E-Mail

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