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Der Streit um die Ausleihe des weltberühmten «Selbstbildnisses im Pelzrock» von Albrecht Dürer von München nach Nürnberg eskaliert. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wehrten sich am Freitag in einer empörten Stellungnahme gegen die Einmischung des Landtags in die Debatte. Die gegenwärtige politische Diskussion über Dürer stelle «in beispielloser Weise die Kompetenz und die Autorität der in der Kultur verantwortlich Tätigen in Frage», erklärte Generaldirektor Klaus Schrenk am Freitag. Er verwies darauf, dass das Bild bei der letzten Ausleihe nach Nürnberg 1971 beschädigt zurückgekommen sei. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz warnte davor, bei Ausleihen fachfremde Argumente über konservatorische Bedenken zu stellen. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) will Frieden stiften.
Am Vortag hatten alle fünf Landtagsfraktionen sich dafür ausgesprochen, das Bild für eine Dürer-Ausstellung an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg auszuleihen. «Jedes bedeutende Museum verfügt über einen Bestand kostbarster Kunstwerke, die untrennbar mit dem jeweiligen Haus verbunden werden und nicht für eine Ausleihe zur Verfügung stehen», schrieb Schrenk. Das auf Holz gemalte Selbstbildnis sei in einem konservatorisch höchst fragilen Zustand. «1971 wurde es gegen den entschieden vorgetragenen Rat der Restauratoren zur damaligen Dürer-Ausstellung nach Nürnberg ausgeliehen und kam mit einer geöffneten Fuge sowie dadurch entstandenen Farbverlusten wieder nach München zurück.»
Er verwies darauf, dass sich bereits 223 Dauerleihgaben der Staatsgemäldesammlungen im Germanischen Nationalmuseum befinden - darunter drei bedeutende Werke Dürers. Und für die Ausstellung gehe Dürers großartiges Bildnis des Oswolt Krel von 1499 nach Nürnberg. «Unabhängig von allen Begehrlichkeiten kann niemand dem Museum und dem Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung die Verantwortung dafür abnehmen, dass die wichtigsten Zeugnisse unserer Kulturgeschichte in ungeschmälertem Zustand an die nächste Generation weitergegeben werden», schrieb der offensichtlich verärgerte Direktor der Staatsgemäldesammlungen.
Seiner Meinung schloss sich auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz an. «Wenn trotz schwerwiegender konservatorischer Bedenken, auf der Basis voneinander unabhängiger Expertisen, sach- und fachfremde Argumente den Ausschlag geben würden, dann wäre der Beliebigkeit von Ausleihentscheidungen Tür und Tor geöffnet», teilte der Präsident der Stiftung, Hermann Parzinger, mit. Die letzte Entscheidung müsse bei den Eigentümern und den verantwortlichen Fachleuten der Sammlungen bleiben.
Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) versuchte, zu vermitteln. Er könne sich die Ausleihe nach Nürnberg grundsätzlich sehr gut vorstellen. «Klar ist jedoch auch, dass es sich um eines der herausragenden Kunstwerke des Freistaats Bayern handelt. Es ist deshalb unerlässlich, dass wir die fachliche Expertise berücksichtigen.» Eine solche Entscheidung sollte «im Einvernehmen mit den verantwortlichen Fachleuten und den Eigentümern» erfolgen. «Selbstverständlich muss dabei der Erhalt des Werkes für die Nachwelt im Vordergrund stehen», betonte Heubisch. weiter. Der Minister will nun rasch intensive Gespräche mit den Beteiligten führen, unter welchen Umständen es möglich sein könnte, das Gemälde ohne Beeinträchtigungen auszuleihen.