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Tief in den Miesen: Klinikverbunds-Chefin muss gehen

Kurzes Zwischenspiel für Claudia B. Conrad bei ANregiomed - 06.01.2017 06:00 Uhr

Der Klinikverbund ANregiomed steht finanziell nicht gerade gut da. (Symbolbild)

Der Klinikverbund ANregiomed steht finanziell nicht gerade gut da. (Symbolbild) © colourbox.de


Es war ein kurzes Zwischenspiel für Claudia B. Conrad, Vorstand des westmittelfränkischen Klinikverbunds ANregiomed.

Die studierte Gesundheitsmanagerin hatte den Posten am 1. Januar 2016 von Dr. Andreas Goepfert übernommen. In einer zwölfstündigen Marathon-Sitzung in Ansbach am Mittwoch hinter verschlossenen Türen beschloss der Verwaltungsrat einstimmig, dass "Claudia B. Conrad von der Vorstandsfunktion abberufen wurde", wie es in einem Schreiben an die Mitarbeiter heißt. Weiter steht darin, dass die beiden Prokuristen Jörg Reinhardt und Lars Bergmann die kommissarische operative Leitung übernehmen. Damit ist die Kündigung von Jörg Reinhardt vom Tisch.

Den Finanzchef hatte Conrad eigentlich entlassen und die Verwaltungs-, Kreis- und Stadträte darüber in einer E-Mail informiert. Das kam nicht gut an. Genaueres zur Personalie Conrad wollte Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) und stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats nicht sagen – nur so viel: "Wir haben uns alle eine Änderung herbeigewünscht und hoffen auf eine wirksame, vertrauensvolle Person." Weitere Themen der Verwaltungsratssitzung waren laut Seidel auch ein Fragenkatalog zum Wirtschaftsplan, der noch nicht verabschiedet ist.

Nach nur einem Jahr kam das Aus für die Chefin des Klinikverbunds, Claudia B. Conrad.

Nach nur einem Jahr kam das Aus für die Chefin des Klinikverbunds, Claudia B. Conrad. © Archivfoto: PR


Im Sommer 2013 hatten sich das Klinikum Ansbach mit den Krankenhäusern in Rothenburg, Dinkelsbühl und der Praxisklinik in Feuchtwangen zum kommunalen Unternehmen ANregiomed zusammengeschlossen. Mit rund 2500 Mitarbeitern gehört der Klinikverbund zu den größten Arbeitgebern in Westmittelfranken. 60 Prozent Anteil an dem Unternehmen hat der Landkreis Ansbach, die Stadt Ansbach 40 Prozent.

ANregiomed steckt aktuell tief in den roten Zahlen: Alleine für das vergangene Jahr steht ein Minus von rund 15 Millionen Euro, ursprünglich stand nur ein Drittel der Summe im Raum. Dazu kommt noch mal ein riesiger Schuldenberg von fast 100 Millionen Euro, die zum Beispiel bei Banken aufgelaufen sind. Genaue Zahlen für das abgelaufene Jahr liegen aber noch nicht vor, so ein Kliniksprecher. Ansbachs Rathauschefin Seidel hofft für 2017 "auf ein akzeptables Defizit und in Zukunft auf eine schwarze Null".

Conrad hatte auch eine Schließung der Klinik in Dinkelsbühl ins Spiel gebracht, wenn Stadt und Landkreis nicht bereit sein sollten, die Miesen zu tragen. Doch in dem Schreiben an die Mitarbeiter steht: "Der Verwaltungsrat hat des Weiteren die kommunale Trägerschaft der medizinischen Versorgung der Bevölkerung durch ANregiomed an den vier Standorten Ansbach, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber bekräftigt." Gute Nachrichten also für die Patienten und Mitarbeiter des Klinikverbunds. Außerdem soll bald ein – so wörtlich – "erfahrenes Unternehmen schnellstmöglich mit der Geschäftsbesorgung beauftragt werden".

Viel Porzellan ist in den vergangenen Jahren zerschlagen worden,
Patienten sind verunsichert und weichen auf andere Krankenhäuser aus. Hier hofft Seidel auf ein Umdenken in den Köpfen der Westmittelfranken. Sie selbst hatte erst vor einigen Wochen eine "kleine OP" im Klinikum Ansbach und fühlte sich sehr gut betreut, wie sie verrät. "Eine Zurückhaltung ist hier vollkommen fehl am Platz", so die Oberbürgermeisterin. "Die Menschen bei uns sollten die Gesundheitsversorgung vor Ort auch nutzen." Dazu soll unter anderem die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten ausgebaut werden, so Carda Seidel weiter. 

Diane Mayer

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