Mittwoch, 16.01.2019

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Altmühltal: Japaner informierten sich über Bio-Landwirtschaft

Studenten einer Fachhochschule aus Hokkaido besichtigten Betrieb in Osterdorf - 13.12.2018 06:02 Uhr

Manfred Gagsteiger (Mitte) führte die Studenten aus Japan zu seinen am Rande von Osterdorf gelegenen Putenställen. © Benjamin Huck


Ein frischer Wind zieht über die Anhöhen von Osterdorf, dazu regnet es leicht, als eine kleine Gruppe junger Erwachsener zu einem Stall am Ortsrand unterwegs ist. Kaum öffnet Manfred Gagsteiger das große Tor, gackern den Besuchern über 1000 Puten entgegen – und prompt zückt die Gruppe die Fotoapparate und Handys.

Zwei Dutzend Studenten des Hokkaido Collage of Agriculture, einer Fachhochschule für Landwirtschaft, waren für eine Woche in Bayern unterwegs, um sich die dortige Landwirtschaft in der Praxis anzusehen. Dabei machten sie auch einen Stopp auf dem Bauernhof der Familie Gagsteiger in Osterdorf. Die jungen Frauen und Männer sind um die 20 Jahre alt, der Großteil ihrer Eltern besitzt selbst einen Bauernhof. In zwei Jahren Studium lernen sie die Grundlagen der modernen Landwirtschaft, um sie dann in der Praxis auf dem Hof ihrer Eltern umsetzen zu können, erläutert Dozent Yoshiyuki Okayama.

Biologische Landwirtschaft

Im Fokus der Reise steht der Besuch von Betrieben, die biologische Landwirtschaft betreiben. Diese Anbauweise ist in Japan nicht sehr verbreitet, so Okayama, weshalb die Studenten neue Ideen kennenlernen sollen. Und so löchern sie auch Manfred Gagsteiger mit Fragen, die eine Dolmetscherin übersetzt. Ob denn viele Medikamente eingesetzt werden, wie die Tiere zu ihrem Futter kommen und wie lange sie aufgezüchtet werden. Dabei führt Gagsteiger die Belüftungs- und Füttertechnik in seinem Stall vor.

Das trübe Wetter schreckt die Gäste nicht ab. Ein spezialisierter Reiseveranstalter in Japan hatte die Organisatoren auf das Landwirtschaftsland Bayern aufmerksam gemacht und ihnen das Altmühltal empfohlen. Die nördlichste der japanischen Hauptinseln, Hokkaido, ist von der Fläche her ein bisschen größer als Bayern, mit knapp 5,3 Millionen Einwohner jedoch viel weniger stark besiedelt. Die Insel liegt etwa auf der Höhe von Norditalien, die Winter sind allerdings ähnlich frisch wie bei uns, wie die Studenten berichten.

Doch die Hofgrößen sind auf der japanischen Insel ganz anders. Während es in Bayern zumindest noch kleinere landwirtschaftliche Betriebe gibt, dominieren auf Hokkaido größere Farmen. Vor allem auf die Milchviehzucht haben sich die Landwirte spezialisiert, beliebt ist dort das Holstein-Rind, das auch in Deutschland am häufigsten für die Milchproduktion eingesetzt wird. „In manchen Orten gibt es mehr Rinder als Menschen“, scherzt Dozent Okayama. Ansonsten halten die Bauern im Norden Japans vor allem noch Hühner und bauen Weizen sowie Mais an.

Lydia Gagsteiger (rechts) zeigte den jungen Erwachsenen, wie deutsches Brot gebacken wird. © Benjamin Huck


Lydia und Manfred Gagsteiger erklären den Studenten, welche Betriebsmöglichkeiten es auch außerhalb der reinen Viehzucht gibt. So haben sie vor kurzem die Auszeichnung „Regionalbuffet“ erhalten, mit dem sie für ihre regionalen Produkte werben können. Auch die Konzepte Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung und Erlebnispädagogik stellte die Familie Gagsteiger den Gästen vor und gibt ihnen sogleich eine Geschichtsstunde über die Besonderheit der Angerdörfer auf der Jura-Hochebene.

Deutsches Brot ist aromatischer

Die Gruppe aus der Stadt Sapporo konnte im Rahmen der Erlebnispädagogik auch gleich erfahren, aus welchen Zutaten deutsches Brot besteht und wie es gebacken wird. Dafür rührte Lydia Gagsteiger den Teig an, packte ihn in eine Kastenform und steckte diese in den Ofen. Nach der Tour über die Flurwege können die Studenten das noch warme Brot probieren. Ihr Eindruck: Es ist viel härter und bissfester als japanisches Brot, das eher unserem Weißbrot entspricht – und viel aromatischer. Vielleicht landet ja ein Laib im Gepäck. 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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