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„Bierstadt“ Treuchtlingen

Der Perlachbergkeller der Brauerei Roth war der jüngste von mehreren - 05.09.2013 11:30 Uhr

Die Postkarte aus der Zeit um 1910 zeugt von einem stattlichen Anwesen: die einstige Brauerei Roth in der Treuchtlinger Stadtmitte, von der heute noch die Wallmüller-Stuben (ganz links) übrig sind. © Archiv


Einst gab es am Nordhang des Patrichbergs gleich drei Bierkeller nebeneinander. Da waren der Schäff-Keller, der Roth-Keller und der bis heute funktionierende Wettelsheimer Keller. Hinter den Bierlagern standen und stehen teils noch heute Brauereien mit jahrhundertealter Tradition. Der Perlachbergkeller kam dagegen erst vor etwa 100 Jahren dazu.


Die älteste Brauerei Treuchtlingens war Schäffbräu, wobei der Name „Schäff“ erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftauchte, nämlich nachdem Fritz Schäff 1897 die Brauerei von Karl Huß übernommen hatte. Vorher sind zahlreiche Besitzer nachweisbar.


Die wohl älteste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1596 zurück, für das ein Hanns Seemann als Besitzer des „Preyhauses“ belegt ist. Später stand die Brauerei unter der Herrschaft der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die 1664 einen „Bierzwang“ einführten. Alle Gastwirtschaften in und rund um Treuchtlingen mussten fortan das Bier von der markgräflichen Brauerei beziehen. Das bis dahin gebräuchliche Brauen in den Gaststätten wurde unterbunden.


„Bierzwang“ und Privatisierung


1792 kam die Brauerei zusammen mit dem gesamten Fürstentum in preußischen Besitz. Kurz danach wurde der Bierzwang wieder aufgehoben – mit der Folge, dass neue Brauereien entstanden. Die Treuchtlinger Brauerei wurde dabei quasi „privatisiert“. Neuer Besitzer wurde 1797 Johann Georg Feldner. Das Brauhaus blieb genau 100 Jahre lang in seiner Familie. Lediglich der Name änderte sich, als 1835 Johann Matthias Huß einheiratete.


Als Bierbrauerei gab es die Schäffbräu bis ins Jahr 2005. Dann wurde die Brautätigkeit eingestellt. Seither stellt das Unternehmen nur noch Mineralwasser-Getränke her und vertreibt sie unter dem Namen „Altmühltaler“. Aus dem Sommerkeller der Brauerei war schon lange vorher eine Diskothek entstanden, das „Monument“.


Weitgehend unbekannt ist die ehemalige Weizenbierbrauerei Wachtler in der Fischergasse. Das Haus wurde in den 1970er Jahren abgebrochen. © Korn


Die zweite traditionsreiche Brauerei in der Treuchtlinger Kernstadt war die Brauerei Roth, von der heute noch die Wallmüller-Stuben zeugen. Der Wirt Johann Georg Hummel kaufte das Anwesen im Jahr 1837. Seine Nachfolger, Heinrich und Babette Dorner, ließen 1874 eine neue Bierbraueinrichtung einbauen. Wann genau die Brautätigkeit aufgenommen wurde, ist indes nicht eindeutig belegt. Die Brauerei blieb ebenfalls in der Familie. 1896 heiratete Karl Roth ein. Nach dessen Tod im Jahr 1956 führten die Töchter den Betrieb bis 1966 weiter.


Die Brauereigebäude selbst wurden – wie auch weitere große Teile der historischen Bausubstanz in Treuchtlingen – in den 1970er Jahren abgebrochen. Sie standen dort, wo heute die Luitpoldarkaden zu finden sind. Nur die einstige Gaststätte blieb erhalten. Karl Roth hatte zur Kühlung seines Biers gleich zwei Sommerkeller betrieben: den zwischen den Kellern der Schäffbräu und der Wettelsheimer Brauerei am nordöstlichen Patrichberg sowie den erst nach 1900 erbauten Perlachbergkeller, der später von Schäff übernommen wurde.


Weizen aus der Fischergasse


Jenseits der großen Häuser gab es in der Altmühlstadt außerdem noch eine kleine, weitgehend unbekannte Brauerei: die Weizenbierbrauerei Wachtler. Diese kleine Spezialbrauerei war eine Besonderheit in der Region und wurde 1927 von Josef Dischinger gegründet. Sie stand in der Fischergasse. Schon 1928 wurde sie von Friedrich Wachtler übernommen, dessen Sohn sie bis 1943 führte. Im Krieg wurde das Gebäude beschädigt. Die Brautätigkeit wurde danach nicht mehr aufgenommen und das Haus in den 1970er Jahren abgerissen.


Die Brautradition in Treuchtlingen und damit das Treuchtlinger Bier sind Geschichte. Zum Glück gab und gibt es aber im benachbarten Wettelsheim eine ebenso traditionsreiche Brauerei. Im Jahr 1797, nach dem Fall des Bierzwangs, ersteigerte Nikolaus Erdinger die Konzession für das Dorf und baute in der Folge das Brauhaus sowie eine Gaststätte.


1820 erwarb Elisabeth Stöhr das Anwesen, nachdem ihr Vorgänger bankrott gegangen war. Einschließlich mehrerer Einheiraten betrieb die Familie die Brauerei rund ein halbes Jahrhundert lang. Mitte des 19. Jahrhunderts baute Johann Georg Ranzenberger den Wettelsheimer Keller, der sich bis heute im Sommer größter Beliebtheit erfreut.


Den heutigen Namen der Brauerei Strauß und der dazugehörigen, erfolgreichen Biersorten begründete Johann Michael Strauß, der das Unternehmen 1874 kaufte. Seither ist es in Familien­besitz.


Die Geschichte der Brauereien ist indirekt in einem spannenden Heft des Weißenburger Frankenbunds dokumentiert. In diesem geht es um „Steinkrüge von Brauereien und Gasthöfen im Weißenburger Land“. Stefan Dauner und Gernot Römhild haben dazu umfangreich recherchiert.

Das 72-seitige Heft ist in den Buchhandlungen Korn in Treuchtlingen und Meyer in Weißenburg erhältlich.

 

Hubert Stanka

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