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„Bloß kein Indianer sein“ ist die Devise des 14-jährigen James Powell, der Hauptfigur von Walczyks Roman. Doch so einfach ist das nicht, denn der Junge aus Chicago wurde zwar von einer weißen Mittelschichtfamilie adoptiert, hat aber unverkennbare indianische Wurzeln. Die soll er nun, so wollen es seine Eltern, kennenlernen.
Doch das macht James fürchterlich wütend, wie so vieles in letzter Zeit. Diese Wut verschwindet auch nicht, als ihn am Flughafen in South Dakota nicht wie erwartet sein Erzeuger, sondern eine Frau namens Ellen abholt. Und sie schwelt auch in den nächsten Tagen noch in ihm drin.
Dass diese Wut etwas damit zu tun hat, dass er seine Herkunft verleugnet, wird James erst im Laufe des wohl wichtigsten Sommers seines Lebens klar. Denn diesen Sommer verbringt er zusammen mit seiner Herkunftsfamilie, lernt neben seinem Vater viele Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen kennen und erhält einen Einblick in die Sprache und Bräuche der Lakota, einem Stamm der Sioux, zu dem die Familie Stands Alone gehört.
Alexandra Walczyk nimmt ihre Leser mit auf eine ungewöhnliche Reise tief hinein in die Reservate der amerikanischen Ureinwohner und eröffnet Einblicke in eine spannende Welt. Nicht nur ihre wortreichen Landschaftsbilder beeindrucken, sondern auch der Wille der Sioux, inmitten der westlichen Kultur ihre eigenen Sitten und Gebräuche, ihre eigene Lebensart hochzuhalten.
Die 42-jährige Alexandra Walczyk vermittelt dabei kein angelesenes Wissen, sondern hat ihre eigenen Erfahrungen zu Papier gebracht. Indianer sind ein Thema, das die Künstlerin schon lange fasziniert. Bereits mit 14 Jahren wandte sie sich an die Black Hills Alliance in South Dakota mit der Bitte um authentische Informationen zur Lage der Lakota. Das war 1983, lange vor Internet und globaler Vernetzung. Dennoch erhielt sie schon vier Wochen später ein dickes Packet.
Aus diesem ersten Kontakt entstand eine enge Brieffreundschaft. Vier Jahre später saß die junge Markt Berolzheimerin im Flieger nach South Dakota, um sich einen langgehegten Traum zu verwirklichen: Sie verbrachte einen Sommer mit ihrem Brieffreund Gabriel White Bull, seiner Frau und dessen beiden Töchtern. Sie lernte den Alltag der indianischen Familie kennen, ihre Probleme, ihre Sorgen und Wünsche.
Diese Monate prägten sich Alexandra Walczyk tief ein. Viele Bilder und ein ausführliches Tagebuch hielten die Erinnerungen wach, aus denen nun „Die Gesichter der Steine“ entstanden ist (149 Seiten, ISBN 978-3-941485-10-5, 9,90 Euro).
So ist es nicht verwunderlich, wie lebensnah die Autorin James’ Erlebnisse beschreibt. Und sie beschränkt sich eben nicht allein auf die exotische Welt der Powwows mit Wettkämpfen und Tänzen der Indianer, sondern nennt auch die andere Seite der Medaille beim Namen: die Blicke, die indianische Familien in der weißen Welt treffen, die Vorurteile und die manchmal erbärmlichen Lebensumstände, die Armut und den Willen, trotz allem den „Roten Weg“ zu gehen, also den alten Ritualen und Traditionen auch in der veränderten Welt zu folgen.
Am Ende des Sommers hat James seine Wut verloren und eine neue Familie hinzugewonnen. Noch muss er sich nicht entscheiden zwischen seinen weißen Adoptiveltern und seinem indianischen Ursprung. Doch der Grundstein für seinen weiteren Weg ist gelegt.
Walczyks einfühlsames, informatives und lebendiges Buch ist ein schönes Leseerlebnis, das nicht nur Jugendliche ab zwölf Jahren, sondern auch Erwachsene anspricht. Am Donnerstag, 24. November, um 19 Uhr stellt die Autorin ihre Geschichte in der Gunzenhausener Stadt- und Schulbücherei vor.
Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.