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Einmalige Tradition: die Treuchtlinger Lokführer-Kasse

Die Lokführer der Altmühlstadt unterhalten immer noch eine freiwillige Spendenkasse - 09.11.2018 06:04 Uhr

Eine Lok auf Rädern: Am 17. Juli 1969 kam die zuvor im Bahnbetriebswerk beheimatete Schnellzuglok der Baureihe 01 an ihren heutigen Standort in der Altmühlstraße. Die Denkmallok erinnert ebenso wie die Spendenkasse der Lokführer an die Geschichte Treuchtlingens als Eisenbahnerstadt. © TK-Archiv


Wohl jeder Bewohner der Altmühlstadt kennt die Denkmallok auf der Grünfläche gegenüber der Senefelder-Schule. Die Schnellzuglok der Baureihe 01 war einst der Stolz des Treuchtlinger Bahnbetriebswerks, das in seinen Hochzeiten rund 1100 Arbeiter beschäftigte, ehe es 1969 aufgelöst wurde (in unserer Bildergalerie „Unbekanntes Treuchtlingen“ finden sich weitere Fotos vom Umzug der Lok an ihren heutigen Platz am 17. Juli 1969).

Bis in die 1960er Jahre reichen auch die Ursprünge der Lokführer-Spendenkasse zurück. Die Deutsche Bundesbahn hat sie 1965 eingerichtet, um ihre Beschäftigten unter einen Hut zu bringen. „Auch damals gab es schon zwei Gewerkschaften, und die Mitglieder standen stark in Konkurrenz zueinander“, erinnert sich Werner Klitzsch, der sich von 1988 bis 1998 um die Spendenkasse gekümmert hat.

Zunächst lud die Bundesbahn einmal im Jahr im Sommer alle ihre rund 70 in Treuchtlingen stationierten Lokführer in die Kantine des Bahnbetriebswerks ein, um gemeinsam zu feiern und verdiente Mitarbeiter zu ehren. Fünf D-Mark als Verzehrgutschein erhielt damals jeder, für die Geehrten gab es größere Geschenke.

Doch auch nach dem weitgehenden Rückzug der Bahn aus der Altmühlstadt wollten es sich die Lokführer nicht nehmen lassen, sich jährlich zu treffen. So gründeten sie die Freiwillige Spendenkasse. Sie ist heute wohl die einzige ihrer Art in Deutschland, die noch existiert.

Das System ist einfach: Jährlich zahlen die derzeit 34 Lokführer der Einsatzstelle Treuchtlingen – darunter seit gut fünf Jahren auch zwei Frauen – freiwillig einen Beitrag in beliebiger Höhe ein. Immer im Herbst treffen sich die Lokführer dann in einer Gaststätte und ehren ihre Mitglieder für 25, 40 oder 50 Jahre Betriebszugehörigkeit sowie dann, wenn einer von ihnen in den Ruhestand geht.

Die Treuchtlinger Lokführer Friedrich Bauer, Norbert Bosch und Rudolf Bredy (von links) wurden von ihren Kollegen in den Ruhestand verabschiedet. © privat


Rudolf Bredy war 48 Jahre lang Lokführer und kümmert sich seit zehn Jahren um die Kasse. Dabei handelt es sich nicht um einen Verein, sondern um einen freiwilligen Zusammenschluss. Bredy führt über alle Einnahmen Buch und vermerkt die Ausgaben, etwa für die Geschenke. Einer seiner Kollegen kontrolliert jährlich die Kasse, aber auch so kann jeder beim Herbsttreffen das Buch einsehen.

Neben den 34 Lokführern und 20 Zugbegleitern sind noch sechs Fahrdienstleiter in Treuchtlingen im Einsatz. Rudolf Bredy erinnert sich gern an die Vergangenheit, als er hier noch Fern- und Güterzüge übernahm und mit ihnen durchs Land fuhr. 27 verschiedene Baureihen durfte er steuern. Seit gut 20 Jahren fahren die Treuchtlinger Lokführer nur noch Regionalzüge, weiter als bis München, Augsburg, Nürnberg oder Würzburg geht es in der Regel nicht mehr.

In die Zukunft blickt Bredy mit ein wenig Ungewissheit. Denn aktuell läuft die Ausschreibung des Augsburger E-Netzes (Regionalbahnen auf der Strecke Würzburg-Ansbach-Treuchtlingen-Augsburg-Nürnberg). Sollte die Bahn den Zuschlag nicht bekommen, könnte dies das Aus für den Einsatzort Treuchtlingen bedeuten.

Auch das war sicher ein Geprächsthema beim jüngsten Treffen der freiwilligen Spendenkasse, die eng mit der Lokführerkameradschaft verbunden ist. Dabei wurden drei Kollegen in den Ruhestand verabschiedet. Norbert Bosch hat 28 Jahre lang bei der Bahn gearbeitet, Friedrich Bauer 45 Jahre. Rudolf Bredy selbst hat sogar bereits im Jahr 1970 beim damaligen Bundesbetrieb angefangen. Die drei erhielten zur Erinnerung Modelle der Lok, die sie am liebsten gefahren sind. 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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