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Karolin S. (Name geändert) ist empört: „Ich muss zur Arbeit, aber ich stinke ja schon“, verdeutlichte die Mieterin noch am Montag die Situation der sechs Parteien im Haus Ansbacher Straße 29 und der zwei Haushalte Ansbacher Straße 27. Ganz so schlimm war es bei ihr zwar tatsächlich noch nicht, denn zum Waschen „borgte“ sie sich – ebenso wie die anderen Rohrbruch-Opfer – das Wasser mit Eimern und Kanistern bei den Nachbarn. Doch damit war es nicht getan: Auch die Toilettenspülungen funktionierten nicht – und das bereits seit Donnerstag.
Da hatte die Treuchtlinger Polizei nämlich als „Sofortmaßnahme“ angeordnet, den gemeinsamen Hauptanschluss für die beiden ehemaligen Eisenbahner-Mietshäuser aus den frühen 1950er Jahren abzustellen. Bewohner hatten die Beamten und die Feuerwehr gerufen, weil Wasser in zwei leerstehende Wohnungen im Haus Nummer 27 lief. „Weil kein Hausmeister und niemand sonst da war, mussten wir reagieren, um weiteren Schaden vom Eigentümer abzuwenden“, erklärt der stellvertretende Inspektionsleiter Theodor Rauwolf.
Die Ursache für den Schaden war schnell gefunden. In mindestens einer der leeren Wohnungen im Haus 27 standen während der vergangenen Wochen Eingangstür und Fenster offen. Gleichzeitig waren die Heizkörper abgedreht – bei zweistelligen Minusgraden die Garantie für aufgefrorene Leitungen. Als es taute, sickerte die Brühe dann in die Räume und durch die alten Balkendecken.
Beide nassen Wohnungen sahen am Montag katastrophal aus: vernachlässigt, teils zugemüllt, mit von den Wänden hängenden Tapeten und großen Wasserlachen in vielen Zimmern. Im Internet waren sie trotzdem weiterhin zur Vermietung angeboten.
Doch um die Mieter der zwei bewohnten Appartements und die Nachbarn im Haus 29, die sich den gemeinsamen Wasseranschluss teilen und seither auf dem Trockenen saßen, scherte sich bis gestern niemand. Den Stadtwerken, die für das Abstellen des Wassers kurz vor Ort waren, erteilte niemand einen weitergehenden Auftrag. Und sämtliche Anrufe der Bewohner landeten laut Karolin S. in Warteschleifen oder bei Stellen, die sich für nicht zuständig erklärten.
Zuständig – das ist der Hausverwaltungs-Riese „Deutsche Annington“. Vor elf Jahren hat die Tochter des britischen Finanzinvestors Terra Firma bundesweit große öffentliche Immobilienbestände aufgekauft, darunter rund 65.000 ehemalige Eisenbahner-Wohnungen. Heute bewirtschaftet sie knapp 220.000 Wohnungen in über 600 Städten. In Treuchtlingen gehören der Annington mehrere Mietskasernen in der Ansbacher und der Bahnhofstraße. Immer wieder greifen Mietervereine und Medien auch in anderen Städten Probleme mit dem Unternehmen auf.
Dabei gibt es in der Altmühlstadt im Gegensatz zu vielen Annington-Siedlungen wenigstens eine Hausmeisterin. Doch die sei „mit den vielen Häusern überfordert“, sagt Karoline S. Etliche weitere Mieter, die sich um sie geschart haben, stimmen ihr zu und machen ebenfalls ihrem Unmut über die Annington Luft. Da geht es um mangelnde Instandhaltung und überfällige Reparaturen, nicht nachvollziehbare Nebenkosten-Abrechnungen und vor allem um den Kontakt zum Vermieter. Den gibt es nämlich de facto nicht. Korrespondiert werde nur per Callcenter, wo die Nachfragen „irgendwo im Nirgendwo“ versickern, – und mittlerweile häufig über den Anwalt.
Dass die aufgefrorenen Wasserleitungen zunächst repariert werden müssen, sieht Karoline S. durchaus ein. Sie gesteht auch zu, dass dies nicht über Nacht geht, da die Bruchstellen vermutlich in den Wänden liegen. Allerdings wäre es nach Auskunft des technischen Stadtwerke-Leiters Richard Neumeier ein Leichtes gewesen, die defekten Rohre einfach zu kappen und dann den eigentlichen Schaden zu suchen. Auf diese Weise hätte man das Wasser in den anderen Wohnungen bereits nach einem halben Tag wieder aufdrehen können.
Völlig unbegreiflich ist der Mieterin indes, dass sich offenbar fünf Tage lang niemand Gedanken darüber gemacht hat, wie die Bewohner ohne fließendes Wasser zurechtkommen sollten. „Die müssten doch zumindest einen Tank oder so etwas hinstellen“, meint sie. Schließlich seien in dem Gebäude auch Eltern mit kleinen Kindern zuhause. Eine Familie sei deshalb vorübergehend zu Verwandten gezogen. Andere Bewohner wollen die Miete vorerst einbehalten.
Doch immerhin reagierte die Annington nach dem Gespräch mit unserer Zeitung schnell: Nur wenige Stunden später erschien der erste Handwerker im Haus und begutachtete den Wasserschaden. Er bestätigte Karoline S. zwar, dass die Reparatur auf mehreren Etagen „etwas dauern kann“. Von der Hausverwaltung war gestern aber zu erfahren, dass „das Wasser seit Montagabend wieder läuft“.
Ein Annington-Sprecher versicherte zudem, dass das Unternehmen den Mietern im von den Rohbrüchen betroffenen Haus 27 für die Zeit der Reparaturarbeiten „Ersatzquartiere“ angeboten habe. Dies hätten die Bewohner aber „aus verständlichen Gründen abgelehnt“. Für die Unannehmlichkeiten werde die Deutsche Annington die Mieter entschädigen.
Warum es so lange gedauert hat, bis die Firma reagierte, blieb vorerst offen. Laut Annington war „der Fall aber bereits vor der Presseanfrage im Haus bekannt“. Die Reparaturen dauerten am gestrigen Dienstag noch an. Lediglich die Kinder konnten den zeitweise versiegten Wasserhähnen ihres Hauses etwas Gutes abgewinnen: „Fünf Tage lang nicht duschen!“
Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.