Mittwoch, 12.12.2018

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Essen auf Rädern: Mit Suppe wird’s teuer

Rotkreuz-Service in Südfranken kostet wegen Pflichtabnahme rund 30 Prozent mehr - 02.12.2018 15:55 Uhr

Menü à la carte an die Haustür: Noch im Oktober freuten sich Maria Eckstein und Stefanie Knäblein von „Essen auf Rädern“ des BRK Südfranken über die guten Bewertungen der Kunden. Nun gibt es aber Kritik an versteckten Mehrkosten. © BRK Südfranken


„Essen auf Rädern“ ist für viele ältere und kranke Menschen eine komfortable Möglichkeit, nicht selbst einkaufen und kochen zu müssen. Doch Bestellen ist auch teurer als Selbstmachen. Für finanziell schwächere Bezieher sind Preiserhöhungen beim Essen auf Rädern deshalb ein Problem. Schließlich geht es ums „täglich Brot“.

Entsprechend entrüstet war Hermann Oschewski, als seinen Eltern kürzlich ein Schreiben des Rotkreuz-Kreisverbands Südfranken ins Haus flatterte. Dieser betreibt das Essen auf Rädern in der Region und kündigte eine Änderung an: Zwar werde die tägliche Mahlzeit samt Nachtisch und Lieferung auch künftig 6,95 Euro kos­ten – die Suppe, die die Kunden bisher individuell für zwei Euro dazubuchen konnten, müsse aber nun verpflichtend abgenommen werden.

Macht unter dem Strich also nicht mehr 6,95, sondern 8,95 Euro – eine indirekte Preiserhöhung um fast 30 Prozent. Generell hält Oschewski das Essen auf Rädern „für eine gute Sache“ und ist auch zufrieden mit dem bisherigen Service des Roten Kreuzes. Die deutlichen Mehrkosten durch die Neuerung ärgern ihn aber. Denn seine Eltern wollen die Suppe nicht, sind oft schon mit den Portionen des Hauptgerichts überfordert. So wirkt sich der zusätzliche Gang für sie tatsächlich wie eine reine Preiserhöhung aus.

Preis und Prozesse im Blick

Melissa Maurer ist beim Roten Kreuz für das Essen auf Rädern zuständig. Sie bestätigt die Kritik, sieht aber keinen Weg für den Kreisverband, dies zu ändern. Ursache sei die Schließung des Treuchtlinger Gesundheitszent­rums, dessen Küche das Essen bislang geliefert hat. Nun kommen die Mahlzeiten vom Klinikum Altmühlfranken in Weißenburg, von dem das Rote Kreuz „das Essen so abnehmen muss“.

Laut Maurer gibt es allerdings andere Möglichkeiten für weniger hungrige oder kostenbewusste Kunden. So gebe es Abnehmer, die das Menü nur alle zwei Tage bestellen und dann am einen Tag die Suppe essen, am anderen den Hauptgang. Außerdem biete das Rote Kreuz auch die 14-tägige Lieferung von Tiefkühlgerichten an, die sich die Kunden dann in der Mikrowelle aufwärmen und frei einteilen können. Dies würden jedoch gerade ältere Menschen eher ablehnen.

Beim Klinikum Altmühlfranken ist der kaufmännische Direktor Stefan Leubert überrascht über die Kritik. Bislang habe sich noch niemand mit diesem Thema an ihn gewandt. „Wir bieten ein Paket an, das in unsere Prozesse passt und dazu, wie das Essen bei uns zubereitet wird“, erklärt er.

Es gehe darum, die Kosten niedrig zu halten, Abläufe zu standardisieren und eine Lösung für die breite Masse anzubieten – „reich werden wir davon nicht“, so Leubert. Falls aber noch mehr Beschwerden in dieser Sache an ihn herangetragen würden, werde sich das Klinikum noch einmal „mit dem Roten Kreuz zusammensetzen“. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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