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Facebook: Vergewaltigung durch Flüchtlinge erfunden

Polizei und Staatsschutz ermitteln gegen 22-jährigen Treuchtlinger - 09.12.2015 13:38 Uhr

Dieser Facebook-Post wurde von dem 22-Jährigen gesetzt. Die Behauptungen darin sind falsch.

Dieser Facebook-Post wurde von dem 22-Jährigen gesetzt. Die Behauptungen darin sind falsch. © TK


Jetzt ermitteln Polizei und Staatsschutz gegen einen 22-jährigen Treuchtlinger, der dieses Gerücht über Facebook verbreitet hatte. Der junge Mann hatte konkret gepostet, dass in Treuchtlingen ein zehnjähriges Mädchen auf dem Schulweg von Flüchtlingen vergewaltigt worden sei. Natürlich werde man darüber nichts in den Medien lesen, so die Behauptung. „Die Zeit des Schweigens sollte jetzt vorbei sein!“, so die Aussage des 22-Jährigen im Internet. „Es könnte schließlich auch deine Tochter oder Freundin treffen.“

Weiter wird darum gebeten, die Augen offen zu halten. Der größte Fehler sei aber, nichts dagegen zu unternehmen. Gleichzeitig ruft der junge Mann dazu auf, den Facebookeintrag zu teilen und zu verbreiten, schließlich gehe es um „unsere Kultur und um unser Vaterland“, und man dürfe nicht mehr wegsehen.

Unter dem Facebook-Post reihten sich sofort Antworten wie „Elendes Pack“ und „wenn ich den erwische“. Der Post war innerhalb von zwei Stunden über 100 Mal geteilt und damit wie ein Lauffeuer verbreitet. Genau das war offenbar auch die Absicht des 22-Jährigen, der den Beitrag gesetzt hatte.

Aussagen entbehren jeder Grundlage

Die Aussagen darin entbehren allerdings jeder Grundlage. Die behauptete Vergewaltigung hat es schlicht nicht gegeben, wie die Nachfrage unserer Zeitung bei der Polzei und anderen Diensten ergab. Die Treuchtlinger Polizei war noch am Dienstagabend von Bürgern auf die Behauptungen auf Facebook aufmerksam gemacht worden. Sie besuchte daraufhin noch am Abend den jungen Mann bei sich zuhause, der den Facebook-Beitrag auch sofort löschte. Der Polizei gegenüber machte er allerdings keine Angaben, woher er die Information habe.

Bereits vor rund zwei Monaten war ein ähnliches Gerücht durch die Stadt gewabert. Damals war davon die Rede, dass in Treuchtlingen eine 16-Jährige angeblich von Flüchtlingen vergewaltigt worden sei. Auch das erwies sich als offenbar gezielt gestreutes Gerücht, das jeder Grundlage entbehrte. Damit es glaubwürdig erscheinen sollte, wurde damals noch mit angeführt, dass angeblich ein Münchner Kripobeamter es bestätigt haben sollte.

Auch intensive Recherchen konnten die Fragen nach dem Wann, Wo, Wie und Wer nicht ansatzweise erhellen.

Offenbar handelt es sich bei diesen Vorwürfen bzw. Gerüchten, die derzeit überall in Deutschland fast gleichlautend kursieren, um eine gezielte Kampagne rechtsextremer Kreise. Die Formulierung des aktuellen Facebook-Posts lässt auch darauf schließen, dass es nicht von dem 22-jährigen Treuchtlinger stammt.

Ärger dürfte der junge Mann nun trotzdem am Hals haben. Die Kriminalpolizei und auch der Staatsschutz ermitteln in dem Fall. 

Hubert Stanka - Treuchtlinger Kurier

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