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Goldstück mit Geschichte

Gasthaus „Zum Güldenen Ritter“: Eröffnung nach zweijähriger Restaurierung durch die Familie Hollberg - 02.06.2012 12:12 Uhr

In der Schambacher Ortsmitte mit Blick ins Tal heißt der „Güldene Ritter“ seine Gäste bereits seit über 500 Jahren willkommen. Die Familie Hollberg erneuerte die Einladung mit einer umfassenden, aber behutsamen Restaurierung. © Patrick Shaw


Das äußerlich schlichte Gasthaus im Zentrum des Treuchtlinger Ortsteils strahlt gleich in mehrfacher Hinsicht weit über das Dorf hinaus. Es ist nicht nur eine der ältesten Tavernen in der Region, erbaut auf den Grundmauern der erstmals 1253 erwähnten Burg des Schambacher Ortsadels. Es ist auch seit Jahrzehnten das größte Haus in der Frankenalb, dessen Dach komplett mit der originalgetreuen, tonnenschweren Solnhofer Juraplattendeckung restauriert wurde. Touristische Strahlkraft soll es nun überdies durch seine ortstypische Bewirtung in Räumen entwickeln, in denen sich die Gäste auf einer Zeitreise in vergangene Jahrhunderte wähnen.


Neues Leben haben die gebürtige Schambacherin Angela Hollberg, ihr Mann Hermann und der Mörnsheimer Architekt Johannes Steinhauser dem alten Gemäuer eingehaucht. Was dessen Mauern schon alles gesehen haben, verriet Letzterer bei der Eröffnung. So seien bereits vor 550 Jahren die ersten Gäste in dem Wirtshaus mit angeschlossener Brauerei eingekehrt, dessen heutiges Gebälk auf das Jahr 1763 datiert wird und das seinen Namen vor knapp 200 Jahren erhielt. Bis ins 19. Jahrhundert saßen die Grafen von Pappenheim in der Gaststube zu Gericht, deren letzter Vertreter noch heute von einem Gemälde über eines der neuen Fremdenzimmer wacht.


Dass den „Grafen“ und das gesamte Gebäude nicht das Schicksal vieler anderer Jurahäuser ereilt hat, liegt laut Steinhauser nur daran, dass die Familie Hollberg das Gasthaus seit dessen Schließung 1961 „renovierungsfähig erhalten hat“. Nach jedem stärkeren Regen seien die Eheleute aus Nürnberg nach Schambach gefahren, um die Wannen zu leeren und die Lecks notdürftig abzudichten. Als die Erben dann vor fünf Jahren die ersten Gedankenspiele für eine Renovierung anstellten, fanden sie eine erstaunlich gut erhaltene Bausubstanz vor.


Möglichst wenig verändert


Dies wiederum ermöglichte es Steinhauser, bei der Sanierung „Authentizität und den Geldbeutel in den Vordergrund zu stellen“, frei nach dem Motto: „Was man nicht rausreißt, braucht man nicht wieder einzubauen.“ Viel Lob gab es vom Architekten aber auch für alle beteiligten Handwerker, für Stadt, Landratsamt und Kreisheimatpflegerin Dr. Ute Jäger sowie für das Landesamt für Denkmalpflege, dessen Gebietsreferent Dr. Markus Weis die Familie Hollberg „nicht nur fachlich betreut, sondern auch motiviert und bei der Stange gehalten hat“. „Denkmäler pflegt nicht das Amt, sondern die Menschen“, erwiderte dieser.


„Dieses Haus ist mein Elternhaus“, zeigte sich Angela Hollberg nach der symbolischen Schlüsselübergabe gerührt. „Hier hat meine Familie gelebt und gewirtschaftet. Ich kenne hier jeden Winkel und das ganze Dorf, das meine Heimat ist.“ Die Erlebnisse bei der Restaurierung hätten sie „mit Hochachtung erfüllt“ – etwa als sie das 90 Jahre alte Kochbuch ihrer Tante oder die Arbeitsschuhe ihres Vaters gefunden habe, „an denen noch die Scholle hing“.


Umgeben von mächtigen Balken, alten Gemälden, Öfen und anderen Zeugnissen der bewegten Geschichte des Hauses können die Besucher des „Güldenen Ritters“ künftig einkehren, speisen und feiern. © Patrick Shaw


Die Gäste, von denen laut Architekt Steinhauser bereits während des zweimonatigen Probelaufs erfreulich viele nach Schambach kamen, erkennen dies an den vielen behutsam erhaltenen Details, an den regionaltypischen Materialien wie Holz und Solnhofer Jurakalk und an der Hingabe der Betreiber und des Personals. Letzteres haben die Hollbergs sogar eigens mit mittelfränkischer Tracht eingekleidet. „Das Gebäude hat eine eigene Seele, die wir zu neuem Leben und einer zeitgemäßen Nutzung geführt haben“, ist sich Angela Hollberg sicher.


Daran, dass „Häuser mehr als nur aufeinandergeschichtete Steine sind“, erinnerte auch Pfarrer Horst Stanislaus aus Zirndorf bei seiner Segnung. „Es sind bergende Räume und Stationen auf dem Lebensweg.“ Für Landrats-Stellvertreter Robert Westphal ist der „Güldene Ritter“ überdies „ein wichtiger Mosaikstein dessen, was wir seit vielen Jahren versuchen, im Landkreis zu bewegen“. Es sei eine „Perle“, in der die Idee der altmühlfränkischen Tourismus- und Genussregion im Wortsinn gelebt werde. „Schon als hier alles noch wüst war, habe ich gesehen, dass Sie eine Vision haben“, ergänzte Treuchtlingens zweiter Bürgermeister Richard Zäh.


In je einer dörflich-rustikalen und einer ländlich-edlen Gaststube, einem großen Biergarten mit Blick ins Schambachtal und einer urigen Bar im einstigen Pferdestall bewirtet die Familie Hollberg ihre Gäste künftig mit ortstypischen Gerichten, fränkischem Saft und Bier sowie anderen Spezialitäten aus dem weiteren Altmühltal. „Slow Food“ lautet ihre Devise. „Ritterlich“ übernachten können die Besucher in neun Doppelzimmern oder drei Ferienwohnungen, die allerdings noch nicht alle bezugsfertig sind.

Mehr Informationen zum güldenen Ritter in unserer Rubrik Essen und Trinken! 

Patrick Shaw

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