Mittwoch, 14.11.2018

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Hedwigskirche Markt Berolzheim

Gläubige feierten das 50-jährige Jubiläum des modernen Gotteshauses – Vertreibung und Vatikanum - 01.11.2012 10:59 Uhr

Abt Beda Maria Sonnenberg würdigte in seiner Predigt ... © Leykamm


Das Jahr der Erbauung war zugleich der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965), das einschneidende Veränderungen in der katholischen Liturgie und dem Kirchenbau mit sich brachte. Wichtige Ergebnisse scheinen sich dabei wohl schon in den Monaten zu Beginn abgezeichnet zu haben. Zumindest legt dies der Bau der Jubelkirche nahe, der schon einiges an Erkenntnissen des Vatikanums vorwegnahm.


So gehört die Hedwigskirche zu den ersten katholischen Gotteshäusern überhaupt, „in denen es keinen Hochaltar mehr gibt, sondern einen Volksaltar, der die Feier der Heiligen Messe zum Volk hin nahelegt“, schreibt Pfarrer Matthias Fischer in der Festschrift zum Jubiläum, das am vergangenen Sonntag mit einem feierlichen Gottesdienst in der mit Bändern und Zweigen geschmückten, vollbesetzten Kirche begangen wurde.


Dort würdigte auch das geistliche Oberhaupt des Klosters Plankstetten, Abt Beda Maria Sonnenberg, die zur damaligen Zeit weit vorausschauende Umsetzung des Kirchenbaus. Die Aufbruchstimmung des Konzils spiegele sich in dem Bauwerk sehr gut wieder. Vor 50 Jahren habe die katholische Kirche verstärkt begonnen, sich selbst als „pilgerndes Gottesvolk“ zu sehen, mit keiner festen Bleibe auf Erden. Auch dieser Gedanke spiegele sich in St. Hedwig wieder, die wie ein Nomadenzelt über einen fünfeckigen Grundriss verfügt.


Geprägt ist der Bau außerdem durch die Glasmosaikfenster an allen Seiten, das größte unter ihnen befindet sich hinter dem Altar, dem es so zusätzliche Geltung verschafft. Es waren die Gläubigen selbst, die im Rahmen des Festgottesdienstes an weitere Besonderheiten rund um den Kirchenbau erinnerten. So etwa an den Marienaltar, dessen Ikone der Gottesmutter einst Kurat Gregor Schneid selbst anfertigte.


Schneid war nicht nur Erbauer der nun 50-jährigen Kirche, sondern auch der erste Pfarrer, der in ihr wirkte. Von 1962 bis 1967 tat er hier seinen Dienst, wie Dekan Konrad Bayerle vermerkte. Er sei immer wieder gerne hier, „weil ich dieses imposante Bauwerk und dessen Umgebung sehr schätzen gelernt habe“, betonte der Geistliche beim Stehempfang im Bischof-Meiser-Haus, der sich dem Gottesdienst anschloss.

... den damaligen Kirchenbau als „vorausschauende Umsetzung“. © Leykamm



Neben der Aufbruchstimmung des Konzils und der charismatischen Persönlichkeit des Kurators ist es noch ein weiterer Umstand, der die Hedwigskirche so bemerkenswert macht: nämlich schlicht der Grund ihrer Erbauung, auf den beim Empfang Bürgermeister Fritz Hörner verwies. Die Ansiedlung zahlreicher Nachkriegsflüchtlinge aus Schlesien hatte in diesen in immer stärkerem Maße das Bedürfnis nach einem eigenen Gotteshaus geweckt, welches dann auf Schneids Anregung hin auch verwirklicht wurde. Dass die Heilige Hedwig zur Namensgeberin auserkoren wurde, kam dabei nicht von ungefähr, gilt sie doch als Schutzpatronin der Schlesier wie auch der Vertriebenen, wie der Rathauschef ausführte.


Was Vertreibung bedeutet, ist auch den evangelischen Christen in Markt Berolzheim nicht fremd, worauf deren Pfarrer Michael Schmidt verwies. Schließlich waren es im 30-jährigen Krieg Protestanten aus Österreich, die von dort fliehen mussten und auch in Markt Berolzheim eine neue Heimat fanden. Heutzutage aber pflege man dort eine sehr lebendige Ökumene, wofür sich beim Fest Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anna Regiert sehr dankbar zeigte – wie auch alle Grußwortredner.


Auch bei den Feierlichkeiten selbst wurde überkonfessionell zusammengestanden. Während im Gottesdienst Organist Konrad Brückel sowie die Kirchenband für Musik sorgten und der katholische Abt die Brote segnete, wurden sie nachher im evangelischen Gemeindehaus verspeist, zu dem der Posaunenchor den Festzug geleitete.

 

Jürgen Leykamm

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