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Neben seiner Familie, der Stadt Treuchtlingen und dem gesamten Landkreis trauert auch der Treuchtlinger Kurier um den Verstorbenen. Bei unserer Zeitung hatte Walter E. Keller seine journalistischen Wurzeln. Nach dem Volontariat im Haus war er von 1967 bis 1991 Redaktionsleiter beim Verlag Johann Christian Leidel und der Verlegerfamilie Sprinz. Er war persönlich sehr verbunden mit dem damaligen Rathauschef Hans Döbler und stadtbekannt für seine Kolumnen und „Stadtratssplitter“.
Bereits 1972 gründete Keller zudem ein freiberufliches PR-Büro, vor allem für touristische Entwicklungskonzepte und Medien im neuen Naturpark Altmühltal und im Fränkischen Seenland. Er entwickelte und veröffentlichte Schautafeln, Prospekte und Unterkunftsverzeichnisse, eine Gästezeitung, Wanderkarten, einen Taschenbuch-Führer sowie diverse Text- und Bildbände für und über die Altmühlstadt, den Landkreis und das Seenland. Sein Engagement für den Fremdenverkehr in der Region bewies er erneut 1993, als er das Kurmittelzentrum „Altmühlvital“ als Gesellschafter mit aufbaute.
Zwischen 1975 und 1985 spielte Keller darüber hinaus eine führende Rolle in der Journalistenfortbildung für die Bundeszentrale für politische Bildung und die Verlegerorganisation „pro Lokalzeitung“. Er war Mitherausgeber zahlreicher Standardwerke und hatte 1984/85 einen Lehrauftrag für journalistische Darstellungsformen an der Universität Eichstätt.
1984 gründete Keller dann seinen bis heute in Schambach und Berlin ansässigen wek-Verlag. „Dankeschön Dr. Schweitzer – Begegnungen in Lambarene“ von Edith Fischer war das erste Buch, das darin erschien. Bis heute folgten mehr als 140 Titel, vornehmlich Werke fränkischer Autoren mit regionalem und touristischem Hintergrund, aber auch Publikationen aus den Bereichen Religion und Archäologie.
Dabei war Keller unter „seinen“ Autoren hochgeachtet, galten für ihn doch Qualität und Regionalität mehr als eine klingende Kasse. Sein einstiger Redakteurskollege Ulrich Rach, der im wek-Verlag in den vergangenen 20 Jahren neun Bücher veröffentlicht hat, beschreibt den Verstorbenen als „ganz und gar aufrichtigen und aufgeschlossenen Partner“.
In Berlin stellte Keller außerdem medienhistorische Recherchen an, verfasste in Zusammenarbeit mit den Verbänden Deutscher Zeitungsverleger und Deutscher Anzeigenblätter einen Führer über das historische Zeitungsviertel und war seit 2007 Vorsitzender der Initiative Berliner Zeitungsviertel. Den Treuchtlinger Kurier verließ er 1991 nach einem Vierteljahrhundert Tätigkeit als Redakteur aus gesundheitlichen Gründen.
Als Beauftragter für Medien und für Ostafrika bei Lions International sowie als Gründungsmitglied und „Jubiläumspräsident“ des Lions Clubs Altmühltal war Walter E. Keller schließlich auch im sozialen Bereich sehr engagiert. Unter dem Lions-Motto „We serve“ war er seit 2000 verantwortlicher Redakteur für die Zeitschrift des hiesigen Lions-Distrikts und initiierte bereits ab 1993 zahlreiche Hilfsprojekte in Afrika. Für die evangelische Kirchengemeinde in Treuchtlingen war er eine Zeit lang im Kirchenvorstand und beteiligte sich an der Organisation der „Gottes-dienste in anderer Form“.
Vor allem setzte sich Keller aber zusammen mit seiner Frau Christel mit viel Energie für die Aufarbeitung der Judenverfolgung in der Altmühlstadt ein. Er knüpfte Kontakte zu Zeitzeugen und deren Nachkommen in Israel und den USA, ermöglichte gegenseitige Besuche und publizierte neue geschichtliche Erkenntnisse. Sichtbares Zeichen dieses Einsatzes ist die vom Lions Club Altmühltal gespendete Grundstele mit den aufgesteckten „Sternen der Erinnerung“ zum Gedenken an die einstigen jüdischen Familien Treuchtlingens, die im Juli 2009 auf Initiative des Arbeitskreises 9. November und des Ehepaars Keller neben der Stadtbücherei aufgestellt wurde.
„Wir verlieren einen sehr engagierten Mitbürger“, drückte Bürgermeister Werner Baum gestern seine Trauer über den Tod des weithin bekannten Autors und Verlegers aus. Er sei vor allem „sehr dankbar dafür, dass Herr Keller die Kontakte zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgern und deren Nachkommen auf den Weg gebracht hat“. Dies sei allein seinen umfangreichen Recherchen zu verdanken, und die Stadt werde dieses Vermächtnis des Verstorbenen „weiter intensiv pflegen“.
Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.