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Karte reiste von Treuchtlingen nach Afrika und zurück

Sammler ersteigerte in Südafrika Postkarte mit Blick vom Perlachberg - 05.09.2018 06:04 Uhr

Die von Günther Klebes in Südafrika ersteigerte Postkarte zeigt den Westen Treuchtlingens um das Jahr 1905 – rechts die Bahnlinie samt Bahnhof im Hintergrund, links oben der Patrichberg, davor die Burgruine und etwas rechts davon das Forsthaus. © Repro: Günther Klebes


„Im Zeitalter von Facebook und Twitter ist die gute alte Postkarte wohl nur noch etwas für Traditionalisten“, räumt Günther Klebes ein. Er selbst ist ein solcher. Der 69-Jährige liebt alte Ansichtskarten, insbesondere solche mit eisenbahnhistorischen Motiven wie Bahnhöfen und Brücken aus dem deutschsprachigen Raum. Und er sammelt sie – sowie nach eigenem Bekunden „alles, was mit der Bahn zu tun hat, außer echten Lokomotiven“.

Bei Klebes zuhause stehen Modelle und historische Uniformmützen neben zahllosen selbst geschossenen Fotos sowie Alben voll einschlägiger Post- und Telefonkarten. Als Hobby nennt der Schulbusfahrer und dreifache Vater, der zudem ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission arbeitet, neben der Sammelleidenschaft „Bahnfahren“. Sogar auf Hochzeitsreise ging er vor 35 Jahren mit der Bahn (im Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt).

Der passionierte Postkarten-, Briefmarken- und Historiensammler Günther Klebes aus Erlangen auf einer seiner zahlreichen Touren mit und rund um die Bahn. © Peter Kick


So finden sich im rund 600 Exemplare großen Fundus von Klebes auch bereits einige Kuriositäten aus der mittelfränkischen Region. Darunter sind zum Beispiel eine in Kanada aufgetauchte Postkarte vom Weißenburger Bahnhof aus der Zeit um 1920 oder eine aktuelle Briefmarke aus dem westafrikanischen Äquatorialguinea, die die berühmte, rund 110 Jahre alte Glaskastenlok „Spalter Bockl“ zeigt.

Ungefähr genauso alt ist auch die jüngste Errungenschaft des Erlangers: eine Postkarte mit dem vom Perlachberg aus aufgenommenen Blick über Treuchtlingen samt Bahnhofsgelände und Forsthaus. Hergestellt wurde sie laut Klebes in München um 1910. Das Motiv muss allerdings noch etwas älter sein, denn der Bahnhof hat auf dem Bild nur sieben Gleise. Ab 1905 waren es jedoch bereits 15 Schienenstränge, da die Gleisanlagen während des bis 1906 dauernden Baus der Teilstrecke Donauwörth-Treuchtlingen im Verlauf der Hauptverbindung Nürnberg-Augsburg auf die doppelte Kapazität erweitert wurden.

Im Archiv des Treuchtlinger Kuriers befindet sich diese identische, noch nicht nachkolorierte Aufnahme vom Motiv der Postkarte von Günther Klebes. Etliche Details sind auf ihr noch besser zu erkennen. © TK-Archiv/Repro: Patrick Shaw


Eine Repro-Fotografie im Archiv des Treuchtlinger Kuriers zeigt exakt dieselbe Aufnahme, allerdings in Schwarzweiß. Vermutlich ist sie das Originalfoto, das für den Postkarten-Druck nachträglich koloriert wurde.

Günther Klebes ist bei einer luxemburgischen Internetauktion auf die Ansichtskarte gestoßen. „Der Treuchtlinger Bahnhof aus der ungewohnten Perspektive, die muss ich haben“, habe er sich gesagt. Erstaunlich fand der Sammler die Herkunft des Anbieters: eine Adresse in Südafrika. Allerdings habe er auch schon Karten in Kanada, Israel und Australien ersteigert.

Weiten Weg zurückgelegt

Weil er der einzige Bieter war, erhielt Klebes den Zuschlag für gerade einmal 1,80 Euro. „Das ist eigentlich zu billig“, erklärt er. „Normalerweise wäre ich bereit gewesen, für eine so seltene Karte bis zu fünf Euro auszugeben.“ Die bezahlte der Erlanger am Ende aber auch, da noch das Porto für das Auslands-Einschreiben hinzukam.

Die Sammelwut der 69-Jährigen in Sachen Bahn-Grußkarten ist übrigens kein Einzelfall. „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Briefmarkensammler“, berichtet er. Einige Philokartisten (so nennen sich Postkartensammler im Fachjargon) würden für begehrte Exemplare bisweilen auch zweistellige Beträge hinlegen.

Zuvor schon einmal versandt wurde Klebes’ neustes Schmuckstück nicht. Die Karte ist unbeschriftet und unfrankiert – „blanko“ sagen Sammler dazu. Darüber, wie die Treuchtlinger Stadtansicht von Franken nach Südafrika gekommen ist, kann der Eisenbahnfan freilich nur spekulieren: „Vielleicht steckt dahinter eine Auswanderung, oder einfach ein Bündel alter Postkarten, das nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler verkauft wurde. Ich weiß es nicht.“ 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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