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Kaum Gegenwind zur Treuchtlinger Stadtpolitik

Die großen Themen kamen bei der Bürgerversammlung recht kurz – Feuerwehr fühlt sich "verkohlt" - 07.04.2017 06:06 Uhr

„Partnerschaftsplatz“ soll der Platz zwischen Bahnhofstraße und Fischergasse künftig heißen und mit steinernen Sitzblöcken aus Treuchtlingen und seinen Partnerstädten sowie neuem Grün zum Verweilen einladen. © Grafik: Stadt Treuchtlinghen


Nur mit der Beteiligung war es am Ende doch nicht so weit her. Bedenkt man die großen Umbrüche bei Therme, Gesundheitszentrum, Stadtmitte und Senefelder-Schule sowie die Rekordverschuldung der Stadt, so drehten sich die Wortmeldungen fast durchweg um vergleichsweise kleine Anliegen.

Einzige Ausnahme war das Feuerwehrhaus. Gleich nach dem Vortrag des Bürgermeisters meldete sich Feuerwehr-Vereins­chef und Kreisbrandinspektor a.D. Norbert Becker zu Wort, der als Verstärkung ein halbes Dutzend Kameraden im Schlepptau hatte. Baum habe viele Projekte genannt, aber kein Wort zum dringend benötigten neuen Gerätehaus verloren, kritisierte er scharf. Da komme er sich „schon ein wenig verkohlt vor“.

Es sei bereits „viel passiert in Sachen Feuerwehr“, wie etwa die kürzliche Anschaffung des neues Fahrzeugs, erwiderte Baum. Er wisse aber, „dass das neue Gerätehaus überfällig ist“. Der Stadtrat habe den Bau zwar wegen des „schwierigen Haushalts“ um ein Jahr verschoben. „Wir starten aber nicht erst 2020, sondern definitiv schon 2017“, so das Stadtoberhaupt. Die Planung sei bereits europaweit ausgeschrieben, sodass diese „bis zum Sommer vorliegen wird“. Auch der schon einigermaßen festgezurrt geglaubte Standort werde nochmals mit den Brandschützern abgestimmt.

Ausführlich stellte der Rathauschef den laufenden Umbau der Altmühl­therme vor. Der Stadtrat habe diesen einstimmig beschlossen und bereits 80 Prozent der Aufträge vergeben. Dabei liege man aktuell rund 900.000 Euro unter den berechneten Kosten – wenngleich sicherlich noch Geld für „Unvorhergesehenes“ benötigt werde.

Eine größere Diskussion um das durchaus umstrittene Millionenprojekt gab es indes nicht. Mehrere Bürger appellierten lediglich an die Bevölkerung, das Bad mehr wertzuschätzen. „Diejenigen, die am meisten maulen, gehen nicht hin“, so eine Aussage, die spontanen Applaus erntete.

Nur etwa 15 Prozent der Treuchtlinger seien regelmäßige Badbesucher, bestätigte Baum. Das liegt nach Ansicht einiger Versammlungsteilnehmer nicht zuletzt am Konzept und den Eintrittspreisen, die nicht gerade familienfreundlich seien. Als Heilbad sei dies freilich auch nicht der Anspruch der Therme, räumte Badleiter Ulrich Schumann ein. Hauptzielgruppe seien Senioren, Kur- und Wellness-Gäste. Im Rahmen der Umstrukturierung gebe es jedoch „Überlegungen, nicht einer bestimmten Altersgruppe, sondern den Treuchtlingern entgegenzukommen“. Ermäßigungen für Einheimische seien durchaus denkbar, wenngleich rechtlich nicht ganz einfach umzusetzen.

Mit Blick auf die Bauarbeiten in der Innenstadt erinnerte Bürgermeister Baum die Kritiker, dass die Umgestaltung ein vielfacher Wunsch im Zuge des Stadtentwicklungsprozesses aus dem Jahr 2012 gewesen sei. „Das haben viele leider schon vergessen.“ Zurückhaltendere Konzepte für den Wallmüllerplatz und den neuen „Partnerschaftsplatz“ seien nicht in Frage gekommen, weil es dann deutlich weniger Zuschüsse gegeben hätte.

Gescheit oder gar nicht

„Macht es gescheit oder gar nicht“, habe es von Seiten der Regierung geheißen, die nun unter den Strich 80 Prozent der Arbeiten bezahlt. Statt steinerner Bänke rund um die Wasserfontäne auf dem Wallmüllerplatz wünschte sich Albert Lechner als Vorsitzender des Seniorenbeirats allerdings bewegliche Sitzgelegenheiten, um den Platz bei Veranstaltungen komplett freiräumen zu können.

Für sehr wichtig, damit das Zentrum nicht verödet, halten die Bürger den Erhalt des letzten innerstädtischen Supermarkts in der Oettinger Straße. „Wir führen hier viele Gespräche, und ich sehe es als meine Aufgabe, so ein Angebot in der Stadtmitte zu erhalten“, versicherte Baum. Der Edeka-Markt werde zwar wohl nicht bleiben, er sei aber „zuversichtlich, dass es hier in Zukunft einen anderen Discounter in ähnlichen Qualität geben wird“.

Gut 100 Treuchtlinger interessierten sich für Jahresbilanz und Ausblick von Bürgermeister Werner Baum (rechts). Gegenwind gab es nur wenig. © Patrick Shaw


Schon seit Jahren totgesagt ist das Treuchtlinger Stadtkrankenhaus. Anfang 2019 schließt es nun wirklich, wird aber durch eine psychosomatische Bezirksklinik mit doppelt so vielen Betten ersetzt. Neben dem Versuch, möglichst viele Arbeitsplätze am neuen Geriatrie-Standort in Gunzenhausen zu erhalten, erläuterte der Rathauschef nochmals den Begriff „psychosomatisch“. Dieser stehe nicht für schwere geistige Erkrankungen, sondern für alles rund um die „Volkskrankheit Burnout“. Der städtische Etat werde durch die Abgabe von Krankenhaus und Pflegeheim um jährlich rund eine Million Euro entlas­tet. Baubeginn für das neue Seniorenzentrum am Bad-Kreisel sei im Mai.

Zwei Monate später soll dann die gesamte Kernstadt auch Zugang zum schnellen Internet haben. Ob die versprochenen 50 Megabit pro Sekunde verbindlich seien und es bei Nichteinhaltung Vertragsstrafen gebe, wollte Thomas Latteier von der Projektgruppe Bürgerhaus wissen. „Nein, aber wir sind guter Dinge“, antwortete Baum. Er habe der Telekom nach den jüngsten Verzögerungen klargemacht, „dass es so nicht geht“.

Fast emotional wurde Baum beim Thema Bahnhofs-Kiosk. Es gebe in Großunternehmen wie der Bahn „immer Leute, die unbedingt etwas Neues entwickeln wollen“, kritisierte der Rathaus­chef, der den Reisemarkt einst selbst als Projektleiter in die Altmühlstadt geholt hatte. Nun plane die Bahn bundesweit 250 neue „Servicestores“ und gefährde dafür den Treuchtlinger Kiosk. „Wir sind aber mit unserem Markt sehr zufrieden“, betonte Baum und bekam dafür lautstarke Zustimmung.

Platz für Kinder und Familien

Schwierig wird es in Treuchtlingen in den nächsten Jahren in Sachen Kinderbetreuung. Fast 50 Plätze fehlen. 25 neue wird es laut Baum ab Herbst im Kinderhaus „Fuchsbau“ geben. Für deren Familien wird außerdem das Wohngebiet „Winkel Süd“ um zwölf Bauplätze erweitert.

Weitere Bürgerfragen drehten sich um Straßenschäden, Parkplätze, die Sanierung der Bahnbrücken sowie um rasende Autofahrer in Wohngebieten und rücksichtslose Fahrradfahrer im Kurpark. Christel Keller mahnte an, die wenigen verbliebenen Familien zu unterstützen, die sich um das Schmü­cken der Osterbrunnen kümmern.

Ein Thema, das bei kaum einer Bürgerversammlung fehlt, waren schließlich noch der Müll und der Hundekot auf öffentlichen Flächen. Während es Baum beim Hinweis auf die jüngs­te Gebührenerhöhung und dem wiederholten Appell an die Vernunft der Menschen beließ, forderten andere höhere Strafen. „Die könnten wir schon verhängen“, räumte Anita Enser vom Ordnungsamt ein. Dabei gebe es jedoch zwei Probleme. Erstens erhalte sie zwar immer wieder Hinweise auf Verstöße, kaum jemand sei aber bereit, gegen einen Nachbarn auszusagen. Und zweitens „scheißen die Hunde keine Visitenkarte mit“.

Nach einer ausführlichen Vorstellung der Projektgruppe Bürgerhaus, die gerade die Technik für ihre PC-Kurse ausbaut, sowie dem Dank des Rathauschefs an Bürger und Mitarbeiter endete die Versammlung. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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