Sonntag, 18.11.2018

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Luthers Rucksack bei Treuchtlingen entdeckt

Archäologische Sensation am Rutzenhof - Denkmalpfleger forschten im „Lutherhäusl“ - 01.04.2017 06:05 Uhr

Das Lutherhäusl am Rutzenhof ist spätmittelalterlich und diente offenbar tatsächlich dem Reformator Martin Luther auf seiner Flucht als Herberge. © TK-Archiv


Es ist eine echte Sensation: In einem zugemauerten „Herrgottswinkel“, einer Mauernische, in der zuvor wohl ein kleiner Altar gestanden hatte, fand sich Luthers Reisegepäck. Das besteht aus einer Wolldecke, einem ledernen Trinkbeutel, einem Holzkrug und einer Art Rucksack. Darin befanden sich immer noch ziemlich streng riechende Fußlappen, die früher anstelle von Strümpfen benutzt wurden, Lederbänder, Gänsekiele und etliche Blätter Büttenpapier mit Notizen sowie bedruckte Blätter.

Bislang war historisch nicht gesichert, wie die Flucht Luthers aus Augsburg im Oktober 1518 über die Bühne ging. Belegt ist, dass er in einer Montagnacht nach seiner Anhörung durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Thomas Cajetan das Weite suchte. Die Anhörung fand vom 12. bis 14. Oktober statt. Einer (katholischen) Legende nach soll ihm der Teufel höchstpersönlich ein Tor in der Augsburger Stadtmauer gezeigt haben. Laut einer Volksüberlieferung brachte ihn dann Ritter Christoph von Langenmantel zu seinem Schutz nach Hohenschwangau – was aber historisch ebenfalls nicht nachgewiesen war.

Letzteres ist nun widerlegt. Martin Luther floh nach Norden und machte tatsächlich am Rutzenhof Station. Damit dürfte auch der überlieferte Name „Lutherhäusl“ Sinn ergeben. Schlüssig ist das auch insofern, als Ulrich von Pappenheim als Unterstützer Luthers galt und ihm möglicherweise bei seiner Flucht half.

In einem „Herrgottswinkel“ stand eingemauert und wie neu das Reisegepäck Luthers samt Trinkbeutel, Holzkrug und etlichen Schriften. © TK


Bekannt ist, dass Luther seine 95 Thesen auch in Augsburg anschlagen ließ. Einige dieser frühen „Flugblätter“ fanden sich in gedruckter Form in Luthers Tasche. Noch sensationeller aber sind die handschriftlichen Notizen, die in derber Sprache die Geschehnisse in Augsburg skizzieren. Von den „falschen Pfaffen“ ist da die Rede, von Lügen, Zorn und falschem Eifer. „Man muss die Hunde bellen lassen; wer’s ihnen aber wehren will, der muss manchmal eine ganze Nacht ungeschlafen reisen.“ Aus den Notizen ist auch zu entnehmen, dass Luther kein Kind von Traurigkeit war. So schreibt er von den Bier-Räuschen in der Fuggerstadt, von Wein, Weib und Gesang.

Und er bestätigt, dass bereits im ausgehenden Mittelalter fränkische Bratwürste aus Treuchtlingen bekannt und beliebt waren. Luther: „Welch lieblich dunkle Wurst aus Truchtling, im Feuer gehärtet. Wohl, wer gut genähret und mit Bier versorget ist.“ Ein ausgedörrter Rest der „Schwarzgeräucherten“ fand sich ebenfalls noch in einen der Fußlappen gewickelt. Warum Martin Luther sein Gepäck versteckte, ist unklar. Vielleicht waren ihm seine Häscher dicht auf den Fersen.

Das Lutherjahr beginnt in Treuchtlingen also sensationell, und der 1. April 2017 dürfte in die hiesigen Geschichtsbücher eingehen. Zur Diskussion steht noch, ob das Reisegepäck in der Altmühlstadt bleibt und das Volkskundemuseum vielleicht in ein Luther-Museum umgewandelt wird.

Von Interesse könnte auch der Wurstfetzen sein, der sich im Gepäck befand. Aus ihm könnte man analysieren, ob die Rezeptur der berühmten Treuchtlinger Bratwurst bis heute die gleiche geblieben ist. Anbieten würde sich dann vielleicht auch ein neuer Marketingansatz für diesen kulinarischen Hochgenusses unter dem Namen „Luther-Wurst“.

Ach übrigens: Wie groß die Sensation um Luthers Rucksack tatsächlich ist, erkennen Sie am Veröffentlichungsdatum unseres Berichts. April, April! 

Hubert Stanka Treuchtlinger Kurier E-Mail

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