Dienstag, 13.11.2018

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Maibaumunglück in Wettelsheim: Ermittlungen eingestellt

Staatsanwaltschaft spricht von Zusammentreffen äußerst unwahrscheinlicher Umstände - 31.10.2018 10:32 Uhr

Am 30. April brach die Spitze des Maibaums von Wettelsheim nach dem Aufstellen ab und erschlug eine 29-Jährige. © NEWS5 / Pieknik


Rückblick: Der Maibaum war am späten Nachmittag des 30. April, eines Montags, mit Hilfe eines Krans in der Marktstraße aufgestellt worden. Er stand schon rund eine Dreiviertelstunde lang, und die Feier darunter war in vollem Gange, als plötzlich ein großer Teil der Spitze abbrach – nach ersten Angaben der Polizei damals vor Ort vermutlich durch eine Windböe. Möglicherweise sei der 29 Meter hohe Baum beim Aufstellen zu stark gebogen worden, sodass der Stamm bereits angebrochen war, vermutete damals ein Polizeisprecher.

Das herabfallende, etwa acht Meter lange Baumstück traf eine 29-jährige Treuchtlingerin am Kopf. Einen dreijährigen Jungen streiften die Äste im Brustbereich. Die junge Frau, Mutter dreier Kinder, wurde so schwer verletzt, dass sie trotz Reanimation durch den Notarzt noch an der Unfallstelle starb. Der Junge wurde vom Rettungsdienst mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizeiangaben vom Unglückstag  hätte er ebenfalls nicht überlebt, wenn das Baumstück auch nur einen Zentimeter weiter in seine Richtung gefallen wäre.

Der Baum war, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung, drei Tage zuvor im Stadtwald Treuchtlingen gefällt und danach zu einer neben der Unglücksstelle liegenden Scheune transportiert worden. Er wurde durch eine Fachfirma mittels eines Telekranes aufgestellt.

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Tödliches Unglück in Wettelsheim: Maibaum erschlägt junge Frau

Bei der Maibaum-Feier in Wettelsheim wurde am Montag eine junge Frau von der herabfallenden Baumspitze erschlagen. Für sie kam jede Hilfe zu spät - sie starb noch an der Unglücksstelle. Ein dreijähriger Junge wurde von dem herabfallenden Stamm an der Brust verletzt.


Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet worden, um  zu klären, ob im Zusammenhang mit dem Abbrechen der Baumspitze ein Verschulden Dritter vorliege,  ob der Baum eine Vorschädigung hatte oder ob er beim Fällen oder Bearbeiten einen äußerlich erkennbaren Schaden erlitten hatte. Hierzu wurde ein Sachverständiger für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Bäumen mit den entsprechenden Untersuchungen beauftragt. Der Sachverständige führte unter anderem Ortstermine an der Unglücksstelle und am Fällort durch, begutachtete den zerbrochenen Stamm und führte umfangreiche technische Untersuchungen sowie Probeentnahmen zur Beurteilung der Holzstruktur durch. Auch nahm er Berechnungen zur Windkraft, Wiege- und Widerstandsmomenten vor.

Der Experte kam zu dem Ergebnis, dass der Baum mit einem seltenen Pilz an einer ungewöhnlichen Stelle befallen gewesen sei. Dabei sei es zu einer sehr frühen Strukturschädigung des Holzes gekommen, die noch nicht sichtbar gewesen sei und die in außergewöhnlicher Weise nur die Zellulose betroffen habe.

Bei der Lagerung und der schonenden Aufstellung des Baumes sei „die hälftige Festigkeitminderung des Stammes nicht bemerkbar gewesen, da keine rissgegensätzlichen Kräfte gewirkt hätten“, formulierte der Gutachter. Erst der am Unglücktag schwach wehende Wind habe die Bruchleiste so beansprucht, dass die Baumspitze abgebrochen sei.

Aufgrund dieser Feststellungen war der Maibaumunfall in Wettelsheim laut Staatsanwaltschaft „ein nicht vorhersehbarer und von den mit dem Fällen und Aufstellen des Baumes Beteiligten auch nicht vermeidbarer Unglücksfall, bei dem mehrere äußert unwahrscheinliche Umständen zusammengetroffen sind“. Das Ermittlungsverfahren wurde daher eingestellt.

Rund 25 Dorfbewohner und Besucher, darunter viele Kinder, waren vor Ort und mussten das Unglück mit ansehen. Sie wurden von Notfallseelsorgern betreut. In der Folgezeit des Unglücks war die Solidarität im Dorf groß. Die Bewohner gründeten einen Verein ("Wettelsheim hilft"), um die Hinterbliebenen der Frau zu unterstützen. Wettelsheims Ortssprecher Matthias Strauss ist in einer ersten Reaktion erleichtert, dass nun Gewissheit herrscht. Schließlich sei der Fall monatelang über den Betroffenen, die beim Aufstellen geholfen haben, geschwebt. Dennoch werde die Aufarbeitung im Ort noch längere Zeit in Anspruch nehmen.  

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