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Mittwoch, 19.09.2018

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Markt Berolzheim: Feldarbeit wie vor 100 Jahren

Heimatverein Markt Berolzheim zeigte Entwicklung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten - 01.08.2018 06:05 Uhr

Wie früher auf den Feldern der Region das Getreide geerntet wurde, zeigten die Oldtimerfreunde des Heimatvereins Markt Berolzheim mit historischen Maschinen. © Andreas Dollinger


Gewaltig verändert hat sich das Bild der Landwirtschaft in den vergangenen hundert Jahren. Das Tagwerk als Maßeinheit für die Fläche, die man an einem Tag bearbeiten kann, hat aufgrund der immer größer werdenden Maschinen schon lange ausgedient und blieb nur in den Erinnerungen der älteren Generation lebendig. Gerade die Anfänge der Mechanisierung mit ihren komplizierten und gleichzeitig filigranen Geräten fasziniert aber heute auch viele Menschen, die mit der Landwirtschaft nichts mehr zu tun haben.

Für die Oldtimerfreunde des Heimatvereins Markt Berolzheim war dies Grund, die alte Zeit nochmals aufleben zu lassen. Oberhalb der Ortschaft demonstrierten sie, wie man früher Getreide geerntet hat.

Natürlich wurde nicht ein gesamter Weizenacker abgemäht, sondern nur eine Teilfläche. Tage zuvor war bereits ein moderner Mähdrescher im Einsatz, der etwa 16 Dezimal stehen ließ. „Ein Dezimal ist der hundertste Teil von einem Tagwerk“, erläuterte Organisator Friedrich Weißlein den Zuschauern, die es sich am Rand des Ackers auf Bierbänken gemütlich gemacht hatten. In heutigen Maßeinheiten ausgedrückt: Ein Dezimal entspricht rund 34 Quadratmetern, die übrig gebliebene Ackerfläche war etwa 7 mal 80 Meter groß – für heutige Mähdrescher also gerade einmal eine Fahrspur.

Im Unterschied zu heute wurde das Getreide früher auf dem Acker nur gemäht und erst auf dem heimischen Bauernhof gedroschen. Karl-Heinz Wiesinger und Karl Bauer zeigten beispielhaft zunächst den manuellen Mähvorgang mit der Sense, die bereits mit einem Ableger versehen war. Dieser fängt die abgeschnittenen Halme auf und räumt sie aus der Spur, damit sie beim nächsten Sensenschwung nicht im Weg liegen.

Auch das anstrengende Aufsammeln der Halme ging für Ingrid Ackva so deutlich leichter von der Hand. Zusammen mit Hermann Neumeyer und Karl Selz band sie die Halme zu Garben zusammen und legte sie abseits des Arbeitsbereichs ab. Mit Beginn der Mechanisierung wurden zwar bereits um 1860 die ersten Getreidemäher nach Deutschland importiert, so richtig durchsetzen konnten sie sich anfangs allerdings nicht. Am Beispiel seines Mähbinders, einer „Peggy“ vom Hersteller Fella aus Feucht (Nürnberger Land) aus den 1950er Jahren, erläuterte Robert Lechner kurz die Entwicklungsgeschichte der mechanisierten Getreideernte, bevor er seine Maschine zusammen mit Reinhold Lechner auch in der Praxis vorführte.

Alle Schritte – Mähen, Bündeln und das Ablegen der Garben außerhalb des Arbeitsbereichs – waren mit dem Mähbinder in einem einzigen Arbeitsgang möglich, was eine enorme Erleichterung mit sich brachte. Insbesondere zu Zeiten den sogenannten Schlepperbooms in den Nachkriegsjahren ab 1950 bis zum Ende der 1960er Jahre waren die Mähbinder in Deutschland weit verbreitet und stellten auch die Endstufe dieser Entwicklung dar. Danach setzte der Siegeszugs des selbstfahrenden Mähdreschers ein.

Das von der Sense abgeschnittene Getreide musste anschließend noch in Hand­arbeit zu Garben gebunden werden. © Andreas Dollinger


Markant bei den Mähbindern ist die Haspel, die das Getreide durch den Messerbalken drückt und es geordnet auf einem Förderband ablegt, das es dem Bündler zuführt. Ebenso wie den Ährenteiler findet man all diese Teile ähnlich auch bis heute beim Mähdrescher wieder. Nachteilig am Mähbinder war, dass er gezogen werden musste – anfangs von Pferden, später von Maschinen mit mehreren Pferdestärken. Da der Mähbalken versetzt von der Fahrspur arbeitet, war es notwendig, erst eine Fahrspur mit der Sense freizulegen.

Weitere Vorführung im September

Um beim Mähvorgang nicht schon alle Körner aus den Ähren auf den Acker zu schütteln, wurden die Halme früher schon etwas vor der Vollreife geschnitten und die Garben noch einige Zeit auf dem Acker zum Trocknen aufgestellt. Erst danach wurden sie auf Erntewagen verladen, um auf dem Hof mit stationären Dreschmaschinen weiterverarbeitet zu werden.

Dieser Transport war genau der richtige Einsatz für den Eicher-Diesel (Baujahr 1952) von Matthias Wiesinger, während sein Vater die Garben auf den Wagen schlichtete. Eifrig halfen dabei die anwesenden Kinder mit und sammelten die Garben auf dem Acker ein, die dann schließlich von mehreren Männern mit Gabeln auf den Wagen hinauf befördert wurden.

Das Dreschen als letzten Arbeitsschritt der historischen Getreideernte möchte der Heimatverein im Rahmen seines Fests zum 70-jährigen Bestehen am Sonntag, 2. September, auf der Festwiese am Schloßanger vorführen. Im Rahmen der zweitägigen Feierlichkeiten hält Markt Berolzheims Bürgermeister und Landwirt Fritz Hörner auch einen Vortrag über die Kulturgeschichte des Getreides. 

Andreas Dollinger E-Mail

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