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Mit 3,4 Promille: Treuchtlingerin greift Polizisten an

Amtsgericht verurteilt 28-Jährige, die zwei Beamte attackiert und beleidigt hatte - 07.12.2018 06:01 Uhr

Wenn sie Stress habe, trinke sie Alkohol, sagt die junge Treuchtlingerin vor Gericht - „also fast jeden Tag“. © Soeren Stache/dpa


„Wollen Sie bald sterben?“ Diese Worte sprach Amtsrichter Gunter Hommrich, bevor er das Urteil fällte. Es war aber kein Todesurteil, das hat die 28-jährige Angeklagte wahrscheinlich schon vor Jahren selbst unterzeichnet. Ihre Alkoholsucht gipfelte darin, dass sie sich an einem Abend im März dieses Jahres mit 3,4 Promille in der Treuchtlinger Polizeiinspektion wiederfand.

Was war geschehen? Zwei Nachbarn eines Mehrfamilienhauses riefen unabhängig voneinander an einem Sonntagabend die Polizei. Sie hörten gegen 22.30 Uhr Hammergeräusche aus einer Wohnung und fühlten sich in ihrer Ruhe gestört. Eine Polizeistreife fand schnell heraus, dass der Lärm aus der Wohnung von Corinna B. (Name geändert) stammte. Sie klopften an der Tür, und die zierliche Frau ließ sie auch ohne zu zögern in die Wohnung, wie die Beamten vor Gericht als Zeugen schilderten.

Sie müsse einen Türrahmen reparieren, sagte B. den Beamten, deshalb die Geräusche. Die Polizisten erklärten ihr, dass dies ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt für solch eine laute Reparatur sei und dass sie ihr Vorhaben am nächsten Tag fortsetzen solle. Doch das interessierte die Frau nicht sonderlich. Sie bewegte sich ruckhaft durch die Wohnung zu einem der Beamten hin und schlug ihm plötzlich zweimal mit der flachen Hand auf die Brust.

Der Polizist wehrte den Angriff ab, woraufhin B. rücklings stürzte, sich gleich aber wieder aufrappelte und durch die Wohnung lief. Sie griff zum Telefon, wählte den Notruf und meldete, dass zwei falsche Polizisten in ihrer Wohnung seien. Doch die beiden uniformierten Beamten waren klar als solche zu erkennen und meldeten ihren Kollegen über Funk, dass sie selbst in der Wohnung stünden.

Nachdem die 28-Jährige keine Einsicht zeigte, brachten sie die Beamten auf die Polizeidienststelle. Auf dem Weg dorthin zeigte B. den Männern mehrmals den Mittelfinger und beleidigte sie als „Bullen“. Dort angekommen, ergab ein Atemalkoholtest bei B. einen Wert von 3,4 Promille. Andere Menschen wären bei solch einem Wert längst im Krankenhaus zur Entgiftung. Nach dem langjährigen Alkoholmissbrauch von B. scheint das niemanden zu überraschen.

Fast täglich betrunken

„Wir haben öfter mit ihr zu tun“, so der Tenor der Beamten. Auch für das Gericht ist die Frau keine Unbekannte. Von sich selbst sagt sie, dass sie schon immer trinke. Mehrere einschlägige Vorstrafen hat sie wegen ihres Alkoholkonsums schon, seit ihrer Haftentlassung im März 2017 stand sie unter Bewährung. Sie trinke, wenn sie Stress habe, und das sei fast täglich.

Ihren Durst finanziert B. über das Arbeitslosengeld, manchmal erhalte sie auch Bares von ihren Eltern und Verwandten. Ob das Geld knapp war, als sie im August in einem Treuchtlinger Supermarkt eine Flasche Sekt, einen Korkenzieher, Alufolie und Gemüse im Wert vom ungefähr 15 Euro stehlen wollte, ist nicht bekannt. Neben der Anklage wegen versuchter Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte warf die Staatsanwaltschaft der 28-Jährigen noch Diebstahl vor.

Den Diebstahl räumte B. nach einigem Hin und Her zwar ein (die Ware hat den Markt allerdings nie verlassen), doch an den Vorfall mit dem Polizisten will sie sich nicht erinnern. Die beiden Beamten, die als Zeugen auch vor Gericht erschienen waren, habe sie noch nie gesehen. Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bestand allerdings kein Zweifel, dass sich die Taten so wie von den Polizisten vorgetragen, ereignet haben. Sie forderte deshalb eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Sozialprognose sei einfach zu schlecht, zudem gebe es keine Anzeichen dafür, dass B. an ihrer Alkoholsucht arbeiten wolle.

Dem schloss sich Amtsrichter Gunter Hommrich in seinem Urteil an: B. muss für zehn Monate ins Gefängnis, um für ihre Taten zu büßen. Aufgrund der Vorstrafen sei kein anderes Urteil möglich. Er riet der 28-Jährigen eindringlich, sich in Therapie zu begeben. „Wenn Sie weiter trinken, werden Sie bald sterben.“ 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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