Dienstag, 11.12.2018

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Mit Playmobil-Männchen von Wettelsheim in alle Welt

Stefan Schwenk reiste in einem Jahr in 28 Länder - im Gepäck ein kleiner Begleiter - 03.01.2018 06:04 Uhr

Reisefreiheit? Zumindest für Plas­tik-Männchen: Der „Playmomoo“ vor den 20 Meter hohen Bronzefiguren von Kim Il-sung und Kim Jong-il in Pjöngjang. Der Schwabacher Mini-Goldschläger hat es dank Stefan Schwenk sogar nach Nordkorea geschaft, eines der mysteriösesten Länder dieser Welt. © Stefan Schwenk


Den Bezug zu Schwabach hat Stefan Schwenk, weil er bei der dortigen städtischen Wirtschaftsförderung arbeitet. Mit seiner Reiselust übertrifft er das Duo Scheibel/Katz aber noch: 28 Länder in nur zwölf Monaten bereiste er mit der kleinen Plastikfigur. Seine Route: Österreich, Italien, Griechenland, Mazedonien, Kosovo, Albanien, Serbien, Tschechien, Malta, Türkei, Aserbaidschan, Ungarn, England, Isle of Man, Irland, Schottland, Schweiz, Liechtenstein, Polen, Vereinigte Arabische Emirate, Thailand, Malaysia, Brunei, Singapur, China, Nordkorea, Mongolei, Schweden, Bulgarien, Rumänien.

Im Oktober ging es dann noch einmal nach Griechenland und Italien sowie mit einem 29-köpfigen Junggesellenabschied ein weiteres Mal nach England. Und auch in seiner Heimat schaute er sich mit dem Goldschläger-Männchen schöne Flecken an, unter anderem im Allgäu und auf Rügen.

Ungeübte Reisende dürften sich an dieser Stelle dreierlei fragen: Hat Stefan Schwenk zu viel Zeit? Hat er zu viel Geld? Oder hat er sogar von beidem mehr als andere Menschen? Die Antwort lautet: weder, noch. Der 38-Jährige gehört zur Gruppe der "Groundhopper", Fußballfans, deren großes Hobby darin besteht, Fußballspiele in möglichst vielen Stadien zu besuchen. Weltweit.

Einen Unterschied zu den echten Groundhoppern gibt es für den Clubfan allerdings doch: "Allein geht es nie auf Reisen, entweder die Familie oder große Teile des Freundeskreises sind immer dabei", so Schwenk. "Bei unseren Reisen steht gar nicht unbedingt der Fußball im Vordergrund, sondern das Reiseerlebnis als solches. Der Fußball beeinflusst aber sowohl die Ziele als auch die Zeiträume der Reisen."

Fünf Flüge, drei Nächte

Das ist nicht immer mit hohen Kos­ten verbunden. Beispielsweise sein Flug zum WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalelf im März nach Aserbaidschan: Acht Freunde flogen zuerst nach Malta, von dort nach Istanbul und weiter zum Ziel nach Baku. Zurück ging es via Budapest – "zum Frühstücken", wie Schwenk sagt – nach Nürnberg. Das machte gerade einmal 200 Euro für fünf Flüge und drei Übernachtungen.

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Kleiner Schwabacher Goldschläger in Nordkorea

Stefan Schwenk ist „Groundhopper“. So bezeichnet man Fußballfans, deren Ziel es ist, Spiele in möglichst vielen Stadien weltweit anzuschauen – und das zu überschaubaren Kosten. Im Jubiläumsjahr hatte der Wettelsheimer, der in der Wirtschaftsförderung der Stadt Schwabach arbeitet, nicht nur Frau und Kinder und/oder Freunde mit auf seinen Reisen dabei. Sondern im Jubiläumsjahr auch das Playmobil-Goldschlägermännchen, das die Stadt Schwabach zu ihrem 900. Geburstag herausgegeben hatte. Zum Beispiel in Nordkorea.


Oder die Osteuropa-Tour im Februar: Flug nach Thessaloniki zum Euroleague-Spiel der befreundeten Schalker, Weiterfahrt per Bus nach Mazedonien mit drei Tagen Aufenthalt in einem Luxus­apartment in Skopje, und von dort auf den verschiedensten Wegen in den Kosovo, nach Albanien und Serbien. "Wenn man zu acht unterwegs ist, reduzieren sich die Kos­ten", sagt Schwenk. In diesem Fall war zufällig sogar noch das Pokalfinale der mazedonischen Basketballer drin.

Quer durch Europa

Quer durch Europa ging es dann in den Herbstferien: montags für zwölf Euro mit dem Billigflieger nach Schweden zum Ligaspiel zwischen Stockholm und den Nürnberger Freunden aus Göteborg; am Dienstag Weiterflug nach Athen zur Champions-League-Begegnung Olympiakos gegen Barcelona; mittwochs Flug nach Rom und mit dem Zug weiter nach Neapel zum Spiel Napoli gegen Manchester City; am Donnerstag Flug nach Bukarest zum Euroleague-Spiel zwischen Steaua und den Israelis von Beer-Sheva; und zum Schluss wieder zurück via Stuttgart in die fränkische Heimat. "210 Euro für drei Übernachtungen und fünf Flüge", bilanziert Schwenk.

Für wenige der Hardcore-Touren ging mehr als ein langes Wochenende drauf. Dennoch musste sich der frühere Bundeswehrsoldat seinen Urlaub sowie weitere freie Tage für Überstunden gut einteilen. Denn zum einen waren Ehefrau Bettina und die beiden Kinder Mika und Nena auf den britischen und irischen Inseln je eineinhalb Wochen lang sowie entlang der Ostseeküste ebenso dabei wie mehrfach im Allgäu. Und zum anderen stand als Höhepunkt noch eine 18-tägige Asien-Tour auf dem Programm, in deren Rahmen Stefan Schwenk mit 17 Freunden auch einen faszinierenden Blick in das weitgehend abgeschottete Nordkorea werfen konnte.

Familie Schwenk in heimischen Gefilden beim U9-Hallenturnier in der Sporthalle der Treuchtlinger Senefelder Schule: Mama Bettina, Tochter Nena, Sohn Mika und Stefan Schwenk vor dem treuen Begleiter „Playmomoo“. © privat


Und dann: Nordkorea

Was der Wettelsheimer aus dem Land der "Steinzeit-Kommunisten" berichtet, klingt im besten Fall surreal. Uniformierte Fahrradfahrer, die in offenbar exakt austariertem Abstand hintereinander herfahren, und das offenbar ohne jedes Ziel. "Wir hatten teilweise den Eindruck, uns in dem Film ,Die Truman Show’ zu befinden. Wollen die hier tatsächlich von A nach B fahren, oder sind sie vom Regime dorthin bestellt, um den Touristen Geschäftigkeit vorzugaukeln? Man weiß es nicht…", sinniert Schwenk.

Ähnlich auch der Besuch der Gruppe im etwa 150.000 Zuschauer fassenden Stadion Erster Mai in Pjöngjang (das Größte der Welt), in dem vor ironisch anmutenden 5000 Fans das Halbfinale des AFC-Cups gegen einen indischen Vertreter ausgetragen wurde.

Augenzeugen waren neben Schwenk und seinen Begleitern auch der nordkoreanische Fußball-Nationaltrainer und frühere Club-Profi Jörn Andersen sowie dessen Frau Ulla, die aus Wendelstein stammt. Die Welt ist ein Dorf. Die beiden führen im Land von Kim Jong-un ein fast gottgleiches Leben, in dem sie auch auf für Nordkoreaner strengstens verbotene Dinge wie Face­book, Google oder WhatsApp nicht verzichten müssen.

Seit dieser Tour ist Stefan Schwenks Goldschläger-Männchen, das auf Instagram als „Playmomoo“ von seinen vielen Reisen kündet, übrigens um zwei Teile ärmer. Der Goldschläger-Hammer fiel im Zuge eines Fotos vom Juche-Tower, dem höchsten Gebäude in Pjöngjang. Und das winzig kleine "Lot" (das Buch, in das das Blattgold zwischen Pergamentblätter gelegt wird), das die Figur in der anderen Hand hielt, wurde Schwenk bereits bei der Einreise abgenommen. "Religiöse Schriften aller Art dürfen nicht ins Land eingeführt werden, und die haben gedacht, dass es sich um ein Symbol für die Bibel handeln könnte", erzählt der Weltenbummler.

Russland ist gebucht

Solch ein Tempo wie 2017 kann und will Schwenk indes nicht jedes Jahr anschlagen. Heuer geht es deshalb zunächst mehrfach zum Skispringen und Biathlon sowie zu zwei Kurztrips nach England. Ansonsten gibt es für 2018 noch keine größeren Pläne. Mit einer Ausnahme: Flüge und Züge ans Schwarze Meer zur Fußball-WM im Juni in Russland sind bereits gebucht. 

Robert Gerner Schwabacher Tagblatt E-Mail

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