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Moderne Stromzähler vorerst nur für Großkunden

Treuchtlinger Stadtwerke starten nächstes Jahr mit der Umrüstung - 12.02.2018 06:05 Uhr

Das Stromnetz soll in Zukunft digitalisiert werden, um damit Erzeugung und Verbrauch von Energie besser zu steuern. © Uli Deck/dpa


Einige Netzbetreiber in der Region haben ihre Kunden bereits informiert, dass es zu einer Umrüstung der Stromzähler kommt. Intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, sollen dann zum Einsatz kommen. Energieerzeuger- und Anbieter werden durch die Energiewende und den nicht gleichmäßig erzeugten Öko-Strom vor Herausforderungen gestellt, die durch die zunehmende Digitalisierung des Netzes bewältigt werden sollen. Wir haben die wichtigsten Punkte zu dem Thema zusammengefasst.

Welche Art von Stromzählern gibt es überhaupt?

In vielen Häusern sind zum Großteil noch die alten „Ferraris-Zähler“ mit einer drehenden Scheibe und dem analogen Zählwerk untergebracht. In Neubauten kommen schon digitale Zähler (wie im Bild rechts) zum Einsatz. Sie zeigen den Verbrauch zwar auf einem Display an, sind aber in der Regel noch nicht mit dem Internet verbunden. Das sollen dann die intelligenten Messsysteme werden.

Wer ist generell von der Umstellung betroffen?

Der genaue Plan ist im „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ geregelt. Die verpflichtende Umstellung auf intelligente Messsysteme sieht das Gesetz in einem gestaffelten Verfahren vor: Zunächst erhalten Kunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 10.000 und 100.000 Kilowattstunden ein solches Gerät. Ab 2020 dann auch Kunden, die pro Jahr zwischen 6000 und 10.000 kWh Strom verbrauchen.

Wie läuft die Umstellung in Treuchtlingen ab?

In Treuchtlingen sollen erst ab 2019 große Stromverbraucher umgerüstet werden, bis Mitte 2020 sollen dann zehn Prozent der Kunden die neue Technik nutzen, so Max Filser, Leiter der Treuchtlinger Stadtwerke, die das Stromnetz und die Messstellen betreiben. Das betrifft vor allem große Industrieunternehmen, die auch heute schon an der „registrierenden Leistungsmessung“ teilnehmen, wobei der hohe Strombedarf an den Versorger gemeldet wird. Stück für Stück sollen dann die anderen Strommessstellen umgerüstet werden. Ausgenommen sind Privathaushalte mit einem Verbrauch von unter 6000 Kilowattstunden im Jahr. Diese können ihren Zähler auf Wunsch austauschen lassen, was in jedem Fall aber auch mit Kosten geregelt ist.

Was ist das besondere an den intelligenten Strommesssystemen?

Durch ihre Verbindung mit dem Internet können sie den Verbrauch in 15-Minuten-Zeiträumen erfassen und für die Nutzer darstellen. So lässt sich etwa überprüfen, wie viel ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine gerade verbraucht. Doch in Zukunft sollen die Systeme sogar mehr können. Beispielsweise schalten sie die Waschmaschine zu dem Zeitpunkt an, an dem gerade viel Strom aus Erneuerbaren Energien verfügbar ist, um das Netz zu entlasten.

Welche Vorteile können die Kunden dadurch haben?

Zum einen haben die Nutzer ihren Stromverbrauch besser im Blick und können so energieintensive Geräte ausfindig machen. Stadtwerkechef Max Filser zufolge könnte es in Zukunft auch Tarife geben, die vor allem dann günstig sind, wenn gerade Strom im Überfluss vorhanden ist. Damit entfällt dann auch in Zukunft die manuelle Ablesung der Zählerstände. Die Rechnungen könnten monatlich nach dem tatsächlichen Verbrauch erstellt werden.

Wie viel Geld müssen die Kunden für die Umrüstung bezahlen?
Bei den Kosten gibt es gesetzlich geregelte Obergrenzen, für einen digitalen Stromzähler liegt sie bei jährlich 20 Euro brutto. Ein intelligentes Messsystem mit Internetzugang kostet je nach Jahresverbrauch ab 100 Euro brutto. Für die bereits genannten Kunden ist die Umrüstung verpflichtend, sie müssen den Monteuren auch Zugang zu ihren Räumen gewähren. Doch sollte sich jemand weigern, möchten die Stadtwerke zunächst diejenigen ausstatten, die mit der Umrüstung kein Problem haben.

Wie sieht es bei den Geräten mit dem Datenschutz aus?
Das ist im Moment der große Knackpunkt. Denn es gibt noch keine Messsysteme, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein passendes Siegel bekommen haben. Die meisten Geräte funktionieren nämlich noch nicht gesetzeskonform. Doch die Zahl der Anbieter wächst, deshalb dauert die Prüfung länger.

Was bedeutet die moderne Technik für die Netzbetreiber?

Sie behalten vorerst ihr Netz, aber ihre Funktion als grundzuständiger Messstellenbetreiber, also Eigentümer der Stromzähler, könnten sie zukünftig an Wettbewerber verlieren. Max Filser von den Stadtwerken nennt als Beispiel Wohnungsbaugesellschaften in den Großstädten mit tausenden zu verwaltenden Wohnungen. Die könnten in Zukunft die Messstelle selbst betreiben und den Strom für ihre Mieter gleich dazu vertreiben. Nicht ausgeschlossen ist auch der Einstieg großer Internetkonzerne wie etwa Alphabet mit ihrer Tochterfirma Google, die schon jetzt moderne Haustechnik und die Steuerung von Geräten übers Internet anbietet.

Wann werden diese Zukunftsvisionnen wahrscheinlich Wirklichkeit?

„Der Markt ist gerade ziemlich in Bewegung, da sind verlässliche Aussagen schwierig zu treffen“, so Stadtwerkechef Filser. Die Kooperationsgemeinschaft fränkischer Elektrizitätswerke (kfe), mit der auch die Stadtwerke im Landkreis zusammenarbeiten, ist gerade auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung für die modernen Geräte. Filser schätzt, dass noch einige Jahre bis Jahrzehnte ins Land gehen, bis das Stromnetz vollständig digitalisiert ist. 

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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