Dienstag, 13.11.2018

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Nach 120 Jahren: Treuchtlinger Krankenhaus schließt

Ende September gehen die Lichter aus, nur die Reha-Geriatrie bleibt noch bis Jahresende - 21.09.2018 12:17 Uhr

Seit 1898 werden im Treuchtlinger Stadtkrankenhaus Patienten behandelt. Ende nächster Woche ist damit Schluss – die verbliebenen Abteilungen Akutgeriatrie und Innere schließen, zum Jahresende folgt die Reha-Geriatrie. Ob Teile des Gebäudes erhalten bleiben, wenn der Bezirk dort seine neue psychosomatische Klinik baut, ist noch offen. © TK-Archiv/Patrick Shaw


„Aufgrund der Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen sind ein Erhalt und eine wirtschaftliche Weiterführung des Gesundheitszentrums in der bestehenden Form nicht mehr möglich“, schreibt Julia Kamann, Sprecherin des Klinikums Altmühlfranken, in einer aktuellen Pressemitteilung. Das Klinikum ist mit seinem neuen Zentrum für Altersmedizin in Gunzenhausen de facto der Nachfolger des Treuchtlinger Stadtkrankenhauses. Der erste Schritt hin zu dessen endgültiger Schließung ist die Einstellung der Akutgeriatrie und der Inneren Abteilung zum 30. September dieses Jahres.

„Das bedeutet, dass das Gesundheitszentrum bis Ende des Jahres als Reha-Geriatrie-Einrichtung weitergeführt wird, eine Notfallversorgung aber nicht mehr geleistet werden kann“, erklärt das Klinikum Altmühlfranken weiter. Für Notfälle, die ambulant behandelt werden können, stünden den Treuchtlingern jedoch nach wie vor und „bis auf Weiteres“ die internistische Praxis und das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des Stadtkrankenhauses sowie die Praxen der niedergelassenen Ärzte zur Verfügung. MVZ und internistische Praxis ziehen mittelfristig innerorts um – wohin, ist aber noch unklar.

Notfallversorgung wird dünner

Außerhalb der Öffnungszeiten dieser Einrichtungen ist die Notfallversorgung laut Kamann durch die fachärztlichen Bereitschaftsdienste und die Bereitschaftsdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung in Weißenburg gewährleistet. Schnelle medizinische Hilfe gebe es zudem stets rund um die Uhr über die Notrufnummer 112 oder die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117.

Gegründet 1898 als Belegklinik, wuchs das Treuchtlinger Stadtkrankenhaus nach dem Zweiten Weltkrieg auf zeitweise 124 Patientenbetten an. Seither habe es sich über die Landkreisgrenzen hinaus und insbesondere mit der einstigen urologischen Abteilung „einen sehr guten Ruf erarbeitet“, lobt Julia Kamann. Da die Finanzierung eines vollwertigen Krankenhauses in einer Kleinstadt wie Treuchtlingen jedoch immer schwieriger wurde, spezialisierte sich die Einrichtung zuletzt zunehmend auf die Altersmedizin und wandelte sich zusammen mit der Altenpflege zum „Gesundheitszentrum Treuchtlingen“.

Einschnitt in der ländlichen Versorgung

Zeitweise gab es auch eine Partnerschaft mit dem Klinikum Ingolstadt. Später übernahmen die Kreiskliniken Weißenburg und Gunzenhausen, die 2002 fusionierten, die Geschäftsführung. Das alles hielt die wachsenden Defizite und Probleme wegen der geringen Größe des Hauses und des Einzugsgebiets jedoch nicht auf.

Die Schließung bedeutet laut Julia Kamann nun, „dass sich die Struktur der medizinischen Versorgung in der Stadt Treuchtlingen und im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wesentlich ändern wird“. Die meisten der neuen „Bausteine“ sind bereits am Entstehen: Der Rotkreuz-Kreisverband Südfranken baut gegenüber der Altmühltherme sein neues Seniorenzentrum; am aktuellen Standort des Gesundheitszentrums entsteht eine Fachklinik für Psychosomatik der Bezirkskliniken Mittelfranken mit 140 Betten; und die ehemalige Treuchtliinger Geriatrie wird als Zentrum für Altersmedizin am Gunzenhäuser Klinikum etabliert. Die neue Abteilung mit 55 Betten befindet sich dort bereits im Bau und soll kommendes Jahr den Betrieb aufnehmen. 

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