Dienstag, 19.02.2019

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Nach Treuchtlingen ziehen? Ja gern!

Wenig Teilnehmer, aber viele lobende Worte für die Altmühlstadt beim vierten Neubürgerempfang - 12.02.2019 06:04 Uhr

An den bunten Infoständen des Treuchtlinger Neubürgerempfangs war für jeden etwas dabei – von Alpenverein, Karnevalsgesellschaft und Trachtlern über Schulen und Kindergärten (unser Bild) bis hin zu Therme, Bürgerhaus und SPD. © Patrick Shaw


Einheimische und Neubürger – ist diese Unterscheidung angesichts von Mobilität, Migration und immer häufigerem Arbeitsplatzwechsel überhaupt noch sinnvoll? Aus Treuchtlingen ziehen jedenfalls jedes Jahr rund 1000 Personen weg oder sterben, ebenso viele werden geboren oder kommen von anderswo, um in der Altmühlstadt zu leben. So gab es laut Wilma Vogel von der Stadtverwaltung im Jahr 2018 beim Einwohnermeldeamt insgesamt 1975 An- und Abmeldungen. Bei etwa 13.000 Einwohnern würde also rein statistisch alle 13 Jahre die gesamte Bevölkerung „ausgetauscht“.

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Vierter Neubürgerempfang der Stadt Treuchtlingen

Hunderte Menschen ziehen jedes Jahr neu nach Treuchtlingen. Den Start erleichtert ihnen der städtische Neubürgerempfang.


Das stimmt natürlich nicht, macht aber deutlich, dass jedes Jahr viele Menschen nach Treuchtlingen kommen, die weder die Stadt noch ihre Leute kennen, die sich neu orientieren und Anschluss finden müssen. Um dies den neuen Mitbürgern zu erleichtern, gibt es seit 2012 alle zwei Jahre den städtischen Neubürgerempfang. Dort stellt nicht nur der Bürgermeister die Altmühlstadt und ihre Besonderheiten vor, auch rund 20 Vereine, Organisationen, Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen sind mit Ständen vertreten – heuer zum vierten Mal.

An knapp 500 Haushalte hatte die Stadtverwaltung diesmal Einladungsschreiben verschickt. Die Resonanz war jedoch eher dürftig, gerade einmal 51 Neubürger sagten zu. Dennoch halten Rathauschef Werner Baum und etliche Vereinsvertreter den Abend für „sinnvoll und wichtig, auch wenn nur wenige kommen“. Die neuen Mitbürger willkommen zu heißen und in die örtlichen Verhältnisse einzuführen, sei einfach „eine Frage des guten Stils“. Denn Fragen habe wohl jeder Neubürger, wie Baum in seiner Begrüßungsrede erklärte: „Finde ich neue Freunde? Gute Nachbarn? Eine neue soziale Aufgabe? Soll ich mich in einem Verein, einer Hilfsorganisation oder einer Partei engagieren?“

Besonders schwer tun sich mit dem Neuanfang oft Zuwanderer aus anderen Ländern und Kontinenten. Bürger aus 55 Nationen leben laut Baum derzeit in Treuchtlingen. Allein unter den Zuzügen der vergangenen zwei Jahre, die zum aktuellen Neubürgerempfang eingeladen waren, finden sich 31 Nationalitäten, darunter gut die Hälfte deutsch, 11,1 Prozent rumänisch, 7,5 Prozent syrisch, 5,4 Prozent polnisch, 4,0 Prozent kosovarisch, 3,8 Prozent ungarisch, 2,8 Prozent kroatisch, je 2,0 Prozent griechisch und türkisch sowie 22 weitere von aserbaidschanisch über eritreisch, österreichisch und philippinisch bis hin zu ukrainisch.

Wir haben die beim Empfang anwesenden Neubürger gefragt, warum sie nach Treuchtlingen gekommen sind, wie es ihnen hier bisher gefällt und wie sie sich eingelebt haben:

Thomas Hoffmann und seine Frau sind aus Buxtehude nach Treuchtlingen gezogen. © Patrick Shaw


Thomas Hoffmann aus Buxtehude: „Ich bin wegen der Liebe aus Niedersachsen nach Treuchtlingen gezogen. Das erste Mal als Besucher war ich aber schon vor neun Jahren hier. Ich finde, Treuchtlingen ist ein schönes Städtchen, vor allem wegen der Natur. Weil meine Partnerin die Minigolfanlage am Kurpark betreibt, habe ich hier schnell viele Leute kennengelernt. Und auch bei den Wandertouren der Landeskirchlichen Gemeinschaft wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Als Norddeutscher fühle ich mich bei den eher kühlen Franken ohnehin gut aufgehoben. Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele Einheimische Treuchtlingen negativer sehen als die Auswärtigen und als es nötig wäre.“

Rana Said und ihr Sohn Achmed sind aus dem syrischen Aleppo geflüchtet und leben nun in Treuchtlingen. © Patrick Shaw


Rana Said und Sohn Achmed aus Aleppo: „Wir sind im Jahr 2017 aus Syrien nach Deutschland gekommen. Vorher haben wir in Aleppo gelebt, aber da konnten wir nicht bleiben. Uns gefällt es sehr gut in Trechtlingen.“ Auf die Frage, was sich in Treuchtlingen am meisten von ihrer ehemaligen Heimat unterscheide, antwortet Rana sofort: „Kein Bummbumm hier!“ Ihr zehnjähriger Sohn Achmed übersetzt: „Hier ist kein Krieg. Und kälter ist es als zu Hause. Ich gehe zur Schule, und es gibt auch Geschäfte. Alles ist da.“

Nico Morana (links) ist in Treuchtlingen als Karnevalist bekannt, Katja Avila ist aus Sizielien nachgezogen. Aus Bieswang kommen Elena und Franco Murana. © Patrick Shaw


Elena Murana aus Bieswang: Wir sind aus Bieswang zurück nach Treuchtlingen gezogen. Meine Familie wohnt hier, und ich wollte schon immer zurück. Franco Murana: Ich bin ihr zuliebe mitgekommmen. Aber Treuchtlingen ist schon auch eine schöne Stadt. Elena Murana: Mein Neffe hat in Würzburg studiert und  immer gesagt: Die schönste Stadt ist und bleibt Treuchtlingen! Um Kleidung zu kaufen, fahren wir natürlich auch nach Ingolstadt oder Nürnberg, aber beim Alltagsbedarf gibt es hier doch alles. Super finden wir auch die Therme und die gute Bahnanbindung.

Jens und Beate Karsten sind nun keine Pappenheimer mehr, sondern Treuchtlinger. © Patrick Shaw


Jens und Beate Karsten aus Pappenheim: Bevor wir nach Treuchtlingen gezogen sind, haben wir im Sophie-Hoechstetter-Haus unterhalb der Pappenheimer Burg gewohnt. Das ist aber nicht barrierefrei und war uns fürs Alter zu groß. Jetzt wohnen wir in Treuchtlingen in einem der neuen Häuser am Festplatz. Da fühlen wir uns wohl, und es ist trotz der Veranstaltungen leiser als erwartet. Wir finden, dass sich Treuchtlingen in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt hat. Früher war die Stadt ja immer eher das Stiefkind im Landkreis. Uns gefällt das viele Grün, und man bekommt fast alles, was man braucht. Wir sind aus Pappenheim allerdings auch nicht verwöhnt. Vor allem finden wir gut, dass wir jetzt alle Ärzte am Ort haben, die wir brauchen. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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