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Neue Infostelle für Mediation im Rathaus

„Kostengünstig und nachhaltig“ – Eine Art Hilfe zur Selbsthilfe - 09.10.2010 06:55 Uhr

Im Kreis zahlreicher Gäste wurde die neue Infostelle im Rathaus mit Leben erfüllt: Schirmherr sowie Hausherr Werner Baum und Mediatorin Raily Gräfin von der Recke (hinten Mitte) begrüßten die Runde. © Sieghard Hedwig


Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde sie im Kreis vieler Gäste eröffnet, darunter Stadträte, Rathausbedienstete, Funktionsträger und Vertreter des öffentlichen Lebens. Allen voran Bürgermeister und Hausherr Werner Baum, der für diese Infostelle die Schirmherrschaft übernommen hat und den illustren Kreis begrüßte.

Was Mediation eigentlich ist, erläuterte anschließend Mediatorin und Hauptinitiatorin Raily Gräfin von der Recke mit ihren Kolleginnen Dr. Eike Westernacher-Dotzer und Wiebke Heider.

Uraltes Wissen neu praktiziert

Mediation ist demnach eine sehr alte, kostengünstige und nachhaltige Form der Konfliktbewältigung und hat bereits in der Bibel Erwähnung gefunden. Zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten, etabliert sie sich seit etwa 20 Jahren wieder zusehends. Sie will bei Auseinandersetzungen zwischen zwei Konfliktparteien mit Hilfe einer dritten, unbeteiligten und unabhängigen Person – nämlich eines Mediators – vermitteln und eine für alle Seiten akzeptable Lösung finden. Von der Recke betonte in ihren Ausführungen mehrmals, dass die eigens hierfür ausgebildeten und gemäß den Standards des Bundesverbandes für Mediation zertifizierten Mediatoren ehrenamtlich arbeiten und der absoluten Schweigepflicht unterliegen. Die Teilnahme an einer Mediation ist für die Konfliktparteien freiwillig, und alles damit Verbundene wird vertraulich behandelt.

Die Mediatoren ergreifen bei ihrer Arbeit zudem für keinen der Beteiligten Partei, sondern begleiten mit Hilfe erprobter Gesprächstechniken lediglich einen Vorgang, ohne den Weg hin zu einer Konfliktlösung vorzuformulieren. Die Lösungsansätze erarbeiten sich die Konfliktparteien am Ende selbst. Eine Mediation ist also von vornherein für alle Menschen und jeden, manchmal auch überraschenden Lösungsweg offen, zudem generell außergerichtlich und stets nichtöffentlich.

Die Mediatoren möchten eine gemeinsame Gesprächsbasis ermöglichen, helfen mit ihrer Arbeit beim Erkennen und Verstehen der jeweiligen Interessen und wollen Verständnis wecken für die Position der jeweils anderen Konfliktpartei. Es bietet sich dabei auch die Möglichkeit, mit den Parteien zunächst auch einzeln zu kommunizieren.

Es gibt bereits aktuelle politische Bestrebungen in Richtung eines speziellen Mediationsgesetzes, das die außergerichtliche Streitbeilegung deutlich stärken soll – nicht zuletzt auch mit Blick auf die teils hoffnungslos überlasteten Gerichte.
Eine Mediation kann schließlich bei vielen Konfliktsituationen ein Ausweg aus einer scheinbar verfahrenen Situation sein – sei es im familiären Bereich, bei Streitigkeiten zwischen Nachbarn, bei Auseinandersetzungen im Berufsleben, bei Vertragsabschlüssen oder auch im öffentlichen Bereich. Von der Recke legte dar, dass Mediation prinzipiell zwar bei allen erdenklichen Konflikten ein möglicher Weg sein kann, unterstrich jedoch gleichzeitig, dass sich bei manchen Auseinandersetzungen der Einsatz einer Mediation nicht eignet. Mediation könne von der Recke zufolge nämlich nur dann ein adäquates Instrument sein, wenn es sich um einen konkreten und klar abgrenzbaren Konfliktfall handelt: „Eine Eheberatung führen wir z.B. nicht durch. Ebensowenig bieten wir Therapien an.“ Dies werde jedoch bei den Erstkontakten mit den Konfliktparteien im Einzelfall geprüft und erörtert. Hierzu sowie zu generellen Dingen zur Durchführung einer Mediation oder anderen Möglichkeiten der Unterstützung bei Problemen gibt die Infostelle für Mediation kostenlos und unverbindlich Informationen.

Mediatoren auch auswählbar

Nach den Worten von der Reckes kann es auch vorkommen, dass zwei Konfliktparteien zwar die Möglichkeit der Mediation gern nutzen möchten, sich aber „atmosphärische“ Schwierigkeiten zwischen ihnen und dem Mediator ergeben. In diesem Fall sei es problemlos möglich, aus einem größeren vorhandenen Netzwerk von Mediatoren einen geeigneten zu finden, der z.B. auch für einen speziellen Themenkreis wie Landwirtschaft oder Technik den passenden Hintergrund mitbringt.

In Weißenburg gibt es schon länger eine Infostelle für Mediation, die jeden dritten Dienstag im Monat von 17 bis 19 Uhr in der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen und bürgerschaftliches Engagement (KISS) in der Friedrich-Ebert-Straße 12 ihre Pforten geöffnet hat. Diese Infostelle steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Franz Xaver Uhl.

In Treuchtlingen hat die Infostelle zunächst alle zwei Monate eine feste Sprechzeit, und zwar jeweils am Donnerstag, 2. Dezember, 3. Februar 2011, 7. April und 9. Juni – immer von 16 bis 18 Uhr. Weitere Termine sind natürlich jederzeit nach Vereinbarung unter Tel. 09141/8731567 oder 0160/96959076 möglich sowie per E-Mail unter info@von-der-recke.eu. Weitere Information gibt es im Internet unter www.infostelle-fuer-mediation.de. 

Sieghard Hedwig

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